Ein Nazi-Mob voller Zerstörungswut
In der Reichspogromnacht im Jahr 1938 litten besonders auch die jüdischen Besitzer der Heilbronner Brennerei Hammer unter der Menschenverachtung der Nazis. Ein Augenzeugenbericht beschreibt, wie der wütende Nazi-Mob das Wohnhaus der Familie zerstörte.
Kurt Sartorius hat im Staatsarchiv Ludwigsburg unter anderem die Akten über die wenigen Prozesse zur sogenannten Reichskristallnacht eingesehen. Im Vernehmungsprotokoll gegen den Ortsgruppenleiter der Heilbronner Innenstadt, Max Fork, finden sich Aussagen von Clara Landauer. Die christliche Ehefrau von Fritz Landauer, dem jüdischen Besitzer der Hammer-Brennerei, berichtet von üblen Verwüstungen. Hier einige leicht überarbeiteten Auszüge:
„Fork trug einen Mantel, aus dessen Tasche ein Hammer- oder Beilstiel herausragte. In der Hand trug er ein Brecheisen von etwa einem Meter Länge, das ich zuerst für einen Spazierstock hielt, dessen Gewicht ich aber aus den Bewegungen Forks bald erkennen konnte. Ich habe dann auch an der dunklen Farbe gesehen, dass es sich um ein Eisenstück handeln musste. Es waren etwa fünf bis sechs Leute, die am Abend der Tat in unser Haus eindrangen und sich zunächst im großen Empfangsraum versammelten. (...)
Man forderte mich auf, meinen Mann zu holen, der alsbald erschien und sofort von den anwesenden Eindringlingen beleidigt wurde. ,Wo ist der Saujud?’ (...) Wir wurden von einem jüngeren Mann in den ersten Stock geführt und unter Bedrohungen veranlasst, dort zu bleiben. (...) Die Zerstörungen dauerten etwa 20 bis 30 Minuten. Aus dem Lärm ließ sich auch der Schluss ziehen, dass sich sämtliche Eindringlinge während der ganzen Zeit mit vereinten Kräften an der Aktion beteiligten. Den Gesamtwert des vernichteten Gutes beziffere ich auf 30.000 bis 40.000 D-Mark, wenn man die heutigen Anschaffungskosten in Betracht zieht.

Die Nazis hinterließen eine Wohnung in Trümmern
Die Täter machten in ihrer Zerstörungswut vor nichts halt. So zertrümmerten sie selbst die harmlosesten Gegenstände wie Arzneiflaschen. Von einer Serie Kleiderhaken war jeder einzeln abgeschlagen. Wenn die Zerstörungen in einem Raum nicht ganz so ausgeprägt gewesen sind, so nur deshalb, weil in diesem Raum von den Tätern zuerst die Lampe zusammengeschlagen wurde, wodurch die weitere Zerstörungsaktion infolge Dunkelheit erschwert wurde.
Die Bilder in unserer Wohnung waren fast durchweg zerfetzt. 33 Scheiben von Fenstern und Glastüren waren zertrümmert. Leuchter, Pokale, Vasen, Schalen und sonstiges Geschirr waren restlos zerstört. Auch die Möbel fielen fast völlig der Zerstörungswut zum Opfer, ebenso die Nähmaschine und die im Schreibtisch verschlossene Schreibmaschine. Wenn irgendwo ein Stück erhalten geblieben war, dann lag es unter den Trümmern anderer Stücke verborgen.
Ein besonders großer Verlust wurde durch die Zerstörung eines Kamins aus italienischem Marmor verursacht. Ein ähnlicher Kamin befand sich in der Wohnung meiner Schwiegermutter Jenny Landauer in der Karlstraße. Dieser Kamin ist in derselben Nacht zerstört worden.
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