DHBW-Ausbaupläne in Heilbronn sorgen in Stuttgart für Ärger
Der Streit um den Ausbau der Dualen Hochschulen in Heilbronn sorgt nun für ein Zerwürfnis in der grün-schwarzen Landesregierung. Studenten in Heilbronn hoffen auf mehr neue Studiengänge mit digitalen Kompetenzen. Dem steht bisher noch eine "Konkurrenzklausel" entgegen.

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) will per Kabinettsbeschluss den Weg für neue Studiengänge in Heilbronn öffnen. Dagegen erinnert CDU-Landtagsfraktionschef Wolfgang Reinhart an die Garantien, die das Land 2014 dem Nachbarstandort Mosbach gegeben hat: "Ich gehe davon aus, dass die frühere Regierung ihre eigenen Versprechen und Rechtssetzungen einhält." Auch Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU), in dessen Wahlkreis Mosbach liegt, sieht "keine zwingende Notwendigkeit für eine Änderung".
Forderung nach stärkeren digitalen Kompetenzen
Vor Ort gehen die Wogen schon seit längerem hoch. Auslöser sind Forderungen vor allem von Harald Unkelbach, dem Heilbronner IHK-Präsidenten, nach neuen Studiengängen mit digitalen Kompetenzen in Heilbronn. Es gebe da einen Bedarf für 250 bis 300 Plätze. Das will die 30 Kilometer entfernte Duale Hochschule in Mosbach nicht hinnehmen und beruft sich auf eine "Konkurrenzklausel" in der "Errichtungsverordnung" für die Duale Hochschule in Heilbronn, die bis 2014 eine Außenstelle war und dann zu einem eigenständigen Standort aufgewertet wurde. Der Aufsichtsrat der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) konnte den Streit der beiden Einrichtungen nicht lösen und schaltete Bauer ein.
Bauer hat danach in dem Streit selbst eine Kehrtwende vollzogen. Noch im März letzten Jahres hatte die Grünen-Politikerin dem für Mosbach zuständigen Landrat Achim Brötel versichert, es gebe keinen Änderungsbedarf. "Eine direkte Konkurrenz mehrerer Standorte um dieselben Studierenden, Unternehmen oder Einrichtungen ist dabei in jedem Fall kontraproduktiv", heißt es in dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt. "Auch vor diesem Hintergrund sehen wir keinen Anlass, die Wettbewerbsklausel ...zu ändern."
Bauer: Mosbach seit Verselbstständigung gewachsen
Durch den Hilferuf des DHBW-Aufsichtsrats hat sich für die Ministerin die Gefechtslage geändert. Nun plädiert sie für Erweiterungsmöglichkeiten in Heilbronn: "Die starke Nachfrage von Unternehmen nach akademischen Fachkräften im Bereich Digitalisierung/IT ist ungebrochen hoch." Deshalb dürfe der Standort "nicht länger vom Thema Digitalisierung abgeschnitten werden". Alle DHBW-Standorte müssten sich weiterentwickeln können. Die Bedenken aus Mosbach teile sie nicht. Seit der Verselbstständigung von Heilbronn sei Mosbach mit seiner Außenstelle Bad Mergentheim um 5,3 Prozent gewachsen.
Strobl steht hinter Bauers Pläne
Die zuständigen CDU-Vertreter stürzt der Zwist in interne Nöte. Der aus Heilbronn stammende Innenminister Thomas Strobl unterstützt natürlich Bauers Pläne. "Ich finde es nachvollziehbar, dass sich Heilbronn aus dem engen Korsett der alten Vereinbarung lösen möchte", sagt er. Die Kernaussage verpackt er in den Hinweis, dass sich seiner Ansicht nach "ein Weg finden lässt, der Heilbronn mehr Freiheit gibt, ohne Mosbach zu schaden".
Damit kollidiert Strobl mit seinen Parteifreunden Hauk und Reinhart. Hauk warnt vor einer "Kannibalisierung von zwei benachbarten Standorten". Ein gleichzeitiger Ausbau ergebe keinen Sinn. Und es sei für Studenten aus Heilbronn zumutbar, ins 30 Kilometer entfernte Mosbach zu fahren.
Strippenzieher
Die Duale Hochschule Heilbronn hat bekannte Fürsprecher aus der Stiftung des Unternehmers Dieter Schwarz. Dort ist der frühere Präsident der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Reinhold Geilsdörfer, Geschäftsführer. Der frühere Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) aus Mannheim ist Vorsitzender der Gesellschafterversammlung. Harald Unkelbach ist Präsident der Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken und gleichzeitig Mitglied des Aufsichtsrats der DHBW.
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