Das neue Herz von Microchip in Heilbronn
Der amerikanische Halbleiterkonzern Microchip Technology weiht ein neues Gebäude für die ehemalige Atmel-Entwickler im Schwabenhof ein.

Genauigkeit ist eine Grundvoraussetzung, wenn man Halbleiter herstellen möchte - Computerchips, die unter anderem in Autos verbaut werden. Das liegt nicht nur an der Größe, auch wenn Abstände von 150 Nanometern, mit denen die Ingenieure arbeiten, gerade mal ein 400stel eines durchschnittlichen menschlichen Haares ausmachen. Bei der Einweihungsfeier des neuen Microchip-Firmengebäudes wird dies auch an anderen Zahlen deutlich.
Konzernchef Sanghi macht präzise Angaben
Bei weltweit etwa 19 000 Beschäftigten könnten die 132 in Heilbronn in die Kategorie Rundungsdifferenz fallen. Dennoch hat Konzernchef Steve Sanghi aus der Zentrale in der Stadt Chandler im US-Bundesstaat Arizona nicht nur seinen fürs operative Geschäft verantwortlichen zweiten Mann Ganesh Moorthy und Personalchefin Lauren Carr mitgebracht, sondern auch seine Gattin.
Nicht nur bei der Mitarbeiterzahl nimmt Sanghi es ganz genau, auch bei den Angaben zum Gebäude: Exakt 4281 Quadratmeter stehen den Mitarbeitern dort zur Verfügung. 21 Monate haben die Bauleute gebraucht, um das vom Karlsruher Architekten Schahryar Essari geplante Gebäude Wirklichkeit werden zu lassen - im Zeitplan und im Budget, wie der Architekt betont, der das Haus im Schwabenhof als "Leuchtturm für eine Welt des freien und fairen Handels" bezeichnet.
Unternehmen hat die Heilbronner Wirtschaftsgeschichte geprägt
Das Projekt stehe dem Schwabenhof bestens zu Gesicht, sagt der Erste Bürgermeister Martin Diepgen. "Die Heilbronner sind froh und stolz, dass Sie sich diesen Standort ausgesucht haben." Das Unternehmen hat schließlich - als Temic, AEG und Telefunken - die Heilbronner Wirtschaftsgeschichte der vergangenen Jahrzehnte maßgeblich geprägt.
"Das ist ein neues Kapitel für uns", sagt Geschäftsführer Matthias Kästner. "Das Gebäude ist nicht nur zweckmäßig, es hat auch eine super Atmosphäre." Dass der US-Konzern hier in Europa investiere - das Gebäude gehört tatsächlich dem Chiphersteller - sei ein wichtiges Signal für die Kunden. Kästner verantwortet einen Teil des Geschäfts mit Firmen aus der Autoindustrie weltweit, die Nähe zu den süddeutschen Premiumherstellern ist dennoch ein wichtiger Punkt. Immerhin sind in jedem S-Klasse-Mercedes 60 Microchip-Produkte verbaut, wie Steve Sanghi erklärt. Angst vor der Elektromobilität hat Matthias Kästner anders als andere Zulieferer nicht: "In E-Autos gibt es doppelt so viele Chips wie in einem Verbrenner."
Bis zu 160 Arbeitsplätze für Entwickler und Labore
Entwicklungsarbeitsplätze und Testlabore sind aus dem Telefunkenpark im Wesentlichen unverändert in den Neubau umgezogen - an einigen Geräten klebt noch das alte Atmel-Logo. Besonders stolz sind Kästner und sein Team aber auf ein neues Labor, in dem die elektromagnetische Verträglichkeit der Produkte im eigenen Haus getestet werden können. Um den Bau dieses Labors zu ermöglichen, wurde das Erdgeschoss etwas höher gebaut als im ursprünglichen Plan: Das Gebäude ist ansonsten ein Klon des Karlsruher Microchip-Standorts. Dort hätte das spezielle Equipment aber nicht aufgebaut werden können. "Damit sind wir auf die Zukunft vorbereitet", sagt Kästner.
Auch die frühere Firma Telequarz in Neckarbischofsheim gehört jetzt zu Microchip
Heilbronn ist nicht der einzige Standort in der Region, der über Zukäufe bei Microchip gelandet ist. Konzernchef Sanghi zählt auch Neckarbischofsheim auf. Der als Telequarz gegründete Schwingquarzhersteller gehörte nach einem Intermezzo bei Corning zuletzt Vectron. Dieses Unternehmen wurde von Microsemi geschluckt, Microsemi wenig später von Microchip. Das Volumen des Quarz-Geschäfts ist laut Sanghi ähnlich groß wie Heilbronner Automotive-Geschäft. Und für Microchip ebenfalls interessant.
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