Das Mittagessen in der Nikolaikirche tut der Seele gut
Zwei Mal pro Woche stemmen Ehrenamtliche den Seelenschmaus in der Heilbronner Nikolaikirche. Die Stammgäste kommen aber nicht nur deshalb zum Mittagstisch, weil es ihnen schmeckt. Für sie geht es auch um die Gemeinschaft und um Gespräche mit einem Seelsorger.

Johannes Adolph eilt zur Tür der Nikolaikirche. Es ist gerade einmal 11.26 Uhr an diesem Dienstag, und trotzdem steht da schon der erste Gast für den Mittagstisch, genauer: den Seelenschmaus.
"Ich war unterwegs und dachte, wo soll ich jetzt noch hin", erklärt die Seniorin, während Adolph, Pfarrer im Ruhestand aus Talheim, mit dem Rollator hilft. Sofort drückt sie ihm das Geld für das Essen in die Hand. Zwei Mal wöchentlich lädt die Nikolaigemeinde zum Seelenschmaus ins Gotteshaus in der Sülmer City. Möglich machen das die Ehrenamtlichen.
Adolph ist schon seit viertel nach zehn vor Ort. Normalerweise übernimmt Kollege Horst-Werner Neth diese Aufgabe, aber der befindet sich gerade auf Urlaubsseelsorge in Österreich. Immer dann springt Adolph ein. Ehrenamtlich natürlich, wie Neth auch. "Dass ich so früh komme, ist auch meiner mangelnden Routine geschuldet, aber ich werde jedes Mal schneller", meint der Pfarrer augenzwinkernd. Zudem wird das Mittagessen schon zwischen zehn und elf von der Firma Dikta geliefert. Heute gibt es Fleischkäse mit Bratensoße, Spätzle und Kartoffelsalat.

Die Helfer haben alle Hände voll zu tun
Während das Essen in Wärmeboxen auf die Gäste wartet, bereitet Adolph die Kirche vor. Das Pult für den heutigen Lesepaten aufstellen und das Mikro anschließen, gehören dazu. Die Tische müssen hergerichtet, mit Gewürzen, Blumen und Servietten ausgestattet werden. "Wenn nötig, putze ich die vorher, denn wenn ich irgendwo Gast bin, möchte ich auch einen sauberen Tisch haben." Sprudel hat er heute auch schon eingekauft, den gibt es kostenlos zum Essen.
Fehlen noch die beiden weiteren Ehrenamtlichen. Dienstags sind das Anna Gasch und Heidi Weeber. Um 11.45 Uhr eilen sie in die Kirche und machen sich sofort ans Werk. "Als Erstes müssen wir Wasser vorbereiten, denn mit dem kleinen Durchlauferhitzer braucht es eine Weile", sagt Weeber. Sie ist es, die Gasch von ihrem Ehrenamt erzählte und die Freundin dazu brachte, sich ebenfalls zu engagieren. "Wobei ich schon bei der ersten Auflage 2011 dabei war", erklärt diese. Es sei eine sinnvolle Arbeit, vor allem, wenn man gern Kontakt mit Menschen habe. Jeden Tag ein "Pöschtle", das strukturiere den eigenen Alltag.
Es geht nicht nur ums Essen, sondern auch um Gespräche
Der Großteil der Besucher, die nach und nach eintrudeln, sind Stammgäste. Es sind vor allem Ältere, die nicht nur eine warme Mahlzeit, sondern auch Gemeinschaft suchen. Jeder wird persönlich und mit Handschlag begrüßt. Noch bleibt Zeit für ein Schwätzchen. Adolph steht als Seelsorger zur Verfügung, aber auch die beiden Frauen haben ein offenes Ohr für jeden.
Weeber eilt noch mal schnell zur Diakonie, um Schwämme und Spülmittel zu holen − der Abwasch steht noch an. Der geschäftsführende Pfarrer der Gemeinde, Steven Häusinger, ist heute Lesepate. Er weiß: "Ohne das starke ehrenamtliche Engagement wäre dieses Projekt nicht möglich." Adolph bringt einzelnen Damen noch ein Glas Sprudel, bevor er pünktlich um 12.15 Uhr Häusinger vorstellt, der aus Till Eulenspiegel vorliest. Dann wird das Restaurant eröffnet. Adolph kassiert, die Frauen schöpfen. Weniger Kartoffelsalat hier, dort bitte nur eine kleine Portion − sie gehen auf alle Wünsche ein. Und wenn alle versorgt sind, bleibt auch wieder ein bisschen Zeit zum Austausch, ehe es ans Aufräumen geht.
Stimme.de
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