CDU-Politiker Wolfgang Bosbach: Russisches Gas soll wieder nach Deutschland fließen
Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach spricht mit Chefredakteur Uwe Ralf Heer über aktuelle politische Herausforderungen und verrät, wer sein Favorit als Kanzlerkandidat ist.

Bis 2017 war Wolfgang Bosbach (CDU) Mitglied des Deutschen Bundestages. Nach 23 Jahren als Abgeordneter wollte er sich eigentlich aus der Politik zurückziehen. Doch nun unterstützt er seine Partei in den Wahlkämpfen vor den Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg.
Im Stimme-Live-Talk "Ohne Ausrede" spricht der CDU-Politiker mit Chefredakteur Uwe Ralf Heer über die aktuelle politische Lage, die Arbeit der Bundesregierung und über eine mögliche Kanzlerkandidatur von Friedrich Merz. Zuvor war der Politiker bei der ASB-Veranstaltung "Zündstoff" zu Gast. "Weise und humorvoll", beschreibt der ASB-Vorsitzende Guido Rebstock den Vortrag des CDU-Politikers.
Wolfgang Bosbach über mögliche Verhandlungen im Ukraine-Krieg
In den ostdeutschen Bundesländern, wo Bosbach seine Partei ja unterstützen soll, sei das Verhältnis zu Russland ein anderes, man plädiere mehr für Verhandlungen - ob er das verstehen könne, will der Chefredakteur von ihm wissen. "Das stimmt, dort hat man einen anderen Blick auf den Krieg als hier", sagt Bosbach. Für manches habe er Verständnis, für einiges aber auch nicht.
Natürlich sei verhandeln besser als schießen: "Die Frage ist nur worüber, das konnte mir bisher auch keiner beantworten", erklärt er. Obwohl er die Forderung nachvollziehen kann, positioniert sich Bosbach klar gegen Zugeständnisse an Russland als Grundlage für einen vermeintlichen Frieden.
Gegen hohe Energiekosten: Russisches Gas soll wieder nach Deutschland fließen
Mit dem Krieg sind in Deutschland auch die Energiekosten explodiert, das belastet die Wirtschaft – ob er glaubt, dass jemals wieder russisches Gas nach Deutschland fließt? "Ja, das ist meine Hoffnung." Vielleicht nicht im gleichen Umfang, doch seiner Einschätzung nach werden sich die Beziehungen zu Russland eines Tages wieder entspannen müssen.
Wolfgang Bosbach kritisiert in dem halbstündigen Talk viel an der Arbeit der Ampel-Koalition: Wirtschaftlich habe man sich zu stark auf Leistungsempfänger konzentriert, zu wenig auf Leistungserbringer, das müsse sich dringend ändern. Bei der Migration müsse man besser kontrollieren, wer überhaupt ins Land komme, eine Obergrenze hält er trotzdem für nicht umsetzbar. In der Verteidigung habe man die Bundeswehr kaputt gespart. "Wer hätte sich vor drei Jahren vorgestellt, dass die grüne Partei schwere Waffen für die Ukraine haben will?"
Frage nach dem richtigen Kanzlerkandidaten in der Union: Klarer Favorit
Erst nach den Wahlen im Osten will die Union entscheiden, wer ihr Kanzlerkandidat wird. Für Wolfgang Bosbach ist Friedrich Merz der klare Favorit, nur eines müsse in jedem Fall vermieden werden: Ein Gezerre zwischen CDU und CSU um den richtigen Kandidaten.

Stimme.de
Kommentare
Markus Henkel am 10.04.2024 16:22 Uhr
"In der Verteidigung habe man die Bundeswehr kaputt gespart."
Die aktuelle Bundesregierung ist seit Dezember 2021 im Amt. Am 24. Februar 2022, also nur 2 Monate später, begann der russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Nur drei Tage später, am 27. Februar 2022 kündigte Kanzler Olaf Scholz eine Neuausrichtung der deutschen Sicherheits- und Außenpolitik und ein 100 Mrd. Sondervermögen für die Bundeswehr an, das am 16. März 2022, also nur etwa drei Wochen später, vom Bundeskabinett verabschiedet wurde.
Meint Herr Bosbach also, dass die Ampel-Regierung in nur drei Monaten die Bundeswehr "kaputt gespart" habe? Die Wahrheit ist: Die Bundeswehr wurde bereits in 16 Jahren unionsgeführter Regierungen unter Angela Merkel kaputt gespart.
"Wer hätte sich vor drei Jahren vorgestellt, dass die grüne Partei schwere Waffen für die Ukraine haben will?"
Auch hier zeigt Herr Bosbach mit dem Finger auf andere, obwohl die CDU bereits zwei mal ausdrücklich verlangt hat, Taurus Marschflugkörper in die Ukraine zu liefern.
Kurz: Mehr Wahlkampf als Wahrheit. Um verantwortungsbewusst alle Herausforderungen konkret anzugehen (Außenpolitik, Wirtschaft, Umwelt, Soziales), braucht es mehr als Schuldzuweisungen an andere.