Bismarckpark in Heilbronn feiert 25. Geburtstag
Warum das Quartier um den Bismarckpark einst als großer Wurf moderner Stadtentwicklung gelobt wurde? Die Geschichte über ein typisches Beispiel für innerstädtische Nachverdichtung der frühen 90er Jahre.

Planer und Investoren geben sich große Mühe, ihren Projekten besondere Namen zu verpassen. Auch der Heilbronner Bismarckpark ist dafür ein Beispiel. Was als Park bezeichnet wird, ist eine kleine Grünfläche, die dem Gebäudekomplex drum herum den Namen gab.
Auf dem Rasen thront eine der imposantesten Statuen, die Heilbronn zu bieten hat. Das Denkmal von Otto von Bismarck wurde 1995 dort wieder aufgestellt, am ehemaligen Standort musste es Platz machen für den Neckarturm. Zur Begrüßung wurde im September vor 25 Jahren ein Fest gefeiert.
Platz passt zu Bismarck
Das Denkmalamt hatte den neuen Platz vorgeschlagen, nicht nur wegen der Bismarckstraße, sondern wohl auch, weil in den 90er Jahren das Arbeitsamt schräg gegenüber angesiedelt war. Eine Verbindung zu Bismarcks Sozialpolitik sollte damit konstruiert werden.
Doch damit nicht genug. Zu Namensgebern für die Gebäude wurden die drei Bismarck-Kinder: die Erstgeborene Marie und die Söhne Herbert und Wilhelm. Man findet die Namen aber nur auf den etwas verblassten Wegweisern für das Areal. Die Gebäude seien wie eine Familie angeordnet, lautete damals die Begründung. Für die Ehefrau und Mutter Johanna von Bismarck war allerdings kein Platz.
Der Bismarckpark ist ein typisches Beispiel für innerstädtische Nachverdichtung der frühen 90er Jahre: Wohnungen, Gewerbe und Einzelhandel auf dem Gelände einer ehemaligen Fabrik zu bauen.

Fabrik wird abgerissen
Die Ernst-Mayer-Briefhüllenfabrik, 1877 gegründet, gehörte zu den großen Papierverarbeitern in Heilbronn. Die Fabrikanlagen an der Bismarckstraße waren 1944 überwiegend zerstört und nach dem Krieg wieder aufgebaut worden. Der spätere Auszug aus der Innenstadt gehörte zur Expansionsstrategie des neuen Eigentümers von Kuvert-Mayer, wie das Unternehmen seit 1983 hieß. In den Böllinger Höfen entstanden neue Produktionshallen. Das 71 Ar große Areal neben dem Robert-Mayer-Gymnasium konnte neu genutzt werden.
Der Großteil der Fabrik wurde abgerissen, lediglich eine Fassade aus der Gründerzeit, blieb erhalten. 1992 begannen die Bauarbeiten für das 65 Millionen Mark teure Projekt. Viereinhalb Jahre wurde gebaut. Anfang der 90er Jahre war es die größte private Baustelle in Heilbronn. Auf 7900 Quadratmeter entstanden Läden, Arztpraxen, Kanzleien und Büros, der Quadratmeter hatte einen Kaufpreis von 4300 Mark.
45.000 Mark für Ein-Zimmer-Wohnung
Dazu kamen 5000 Quadratmeter für Wohnungen unterschiedlicher Größe. Ein-Zimmer-Appartements wurden für 45.000 Mark verkauft, eine Penthaus-Wohnung kostete 720.000 Mark. 400 Menschen sollten im Bismarckpark wohnen und arbeiten. Damals lobte man die ökologische Vernunft, Autos in der Tiefgarage verschwinden zu lassen. Oberirdische Parkplätze waren nicht vorgesehen, stattdessen wurde der Park für das Denkmal angelegt.

Die Vermietung der Läden gestaltete sich schwierig: Mit Tengelmann sollte ein Supermarkt öffnen, doch ohne oberirdische Parkplätze machte das Unternehmen offenbar einen Rückzieher. 1994 öffneten die ersten Geschäfte. Längere Zeit wurde nach Mietern gesucht für einen "ausgewogenen Branchenmix, der zu diesem anspruchsvollen und ruhigen Wohn- und Geschäftszentrum passt", schrieb die Heilbronner Stimme im Februar 1994. Zurückhaltend sei man deshalb bei der Vermietung an gastronomische Betriebe.
Nach 25 Jahren überwiegen in den Erdgeschossflächen Dienstleister wie Friseure, ein Nagelstudio, eine Zeitarbeitsfirma und ein Hörgeräteakustiker. Auch einige Einzelhändler halten sich: etwa eine Modeboutique, ein Fachgeschäft für Schlafbedarf sowie ein Schallplattenladen. Es gibt wenig Leerstand. Was auffällt: Imbissläden gibt es nach wie vor nicht.
Kult um Bismarck
Auch in Heilbronn betrieb man einen Kult um den ersten Reichskanzler des Deutschen Reichs, Otto von Bismarck. Nach seinem Tod 1898 gründete sich ein Komitee zur Errichtung eines Bismarck-Denkmals, den Vorsitz hatte der damalige Oberbürgermeister Paul Hegelmaier inne. Mit dem Geld privater Spender gestaltete der Stuttgarter Bildhauer Emil Kiemlen 1903 eine 4,20 Meter hohe Bronzefigur des "Eisernen Kanzlers", die in der sogenannten Neckarlust-Anlage bei der Neckarbrücke, heute Kurt-Schumacher-Platz, aufgestellt wurde. Das Denkmal war mit einer gekrönten und geflügelten Germania auf einem Ehrenhof geschmückt, die nach dem Zweiten Weltkrieg entfernt wurden. Wegen der Umgestaltung des Platzes Ende der 80er Jahre wurde ein neuer Standort gesucht.


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