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Heilbronn

Am Heilbronner Seminar werden Referendare zu Persönlichkeiten

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Das Lehrerseminar bildet seit 50 Jahren Lehrkräfte für Gymnasien in der ganzen Region und darüber hinaus aus. Trotz guter Einstellungschancen gehen die Absolventenzahlen bei Lehramtsstudenten aufgrund verschlechterter Rahmenbedingungen im Beruf zurück.

Martina Geiger und Karsten Wiese vor dem Plakat, das am Eingang des Gebäudes zwischen Polizeirevier und Finanzamt-Außenstelle auf das 50-jährige Bestehen des Heilbronner Lehrerseminars aufmerksam macht.
Foto: Susanne Schwarzbürger,
Martina Geiger und Karsten Wiese vor dem Plakat, das am Eingang des Gebäudes zwischen Polizeirevier und Finanzamt-Außenstelle auf das 50-jährige Bestehen des Heilbronner Lehrerseminars aufmerksam macht. Foto: Susanne Schwarzbürger,  Foto: Schwarzbürger, Susanne

Ob es nun "Lehrerseminar für Studienreferendare" heißt wie bei der Gründung 1973 oder, wie heute nach diversen Namenswechseln, "Seminar für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte Heilbronn (Gymnasium)" - die kurz "Seminar" genannte Bildungseinrichtung hat stets demselben Zweck gedient: Gymnasiallehrer bei ihrer schulpraktischen Ausbildung, dem Referendariat, pädagogisch zu betreuen. Nur Inhalte und Methoden haben sich mit der Zeit geändert, sich dem ebenfalls stark veränderten Schulleben angepasst.

Martina Geiger, Seminardirektorin seit 2019, und Karsten Wiese, Bereichsleiter Naturwissenschaften und Ausbilder für Chemie und Biologie, blicken auf 50 Jahre Heilbronner-Seminar-Geschichte zurück. Im Oktober soll der Anlass gebührend gefeiert werden.

Jünstes Seminar deckt ein großes Gebiet ab

Doch bevor sie über die inhaltlichen und methodischen Wandlungen der vergangenen Jahrzehnte sprechen, möchten die beiden einige Zahlen und Fakten loswerden: Das Heilbronner ist das jüngste Seminar Baden-Württembergs, neben Stuttgart, Heidelberg, Freiburg, Tübingen, Karlsruhe, Esslingen, Rottweil und Weingarten. "Wir sind ein Flächenseminar", hebt Geiger den Unterschied zur Landeshauptstadt und den Universitätsstädten hervor: Die 43 Kooperationsschulen liegen zwischen Wertheim und Vaihingen/Enz, zwischen Kirchberg an der Jagst und Eppingen, "wir decken da die gesamte Bildungsregion Heilbronn-Franken ab", so die Seminarleiterin.

Mehr als 5000 Nachwuchslehrkräfte in 50 Jahren

5300 Referendare habe man in 50 Jahren in Heilbronn ausgebildet. Was aber nicht heißt, dass in der ehemaligen Kaserne an der John-F.-Kennedy-Str. 14/1 regelmäßig rund 100 Referendare von Januar bis Juli des Folgejahres ein- und ausgehen. "Die Kursgrößen schwanken." Geiger weiß, dass es am Tiefpunkt, 1992, nur 22 Referendare waren, der größte Jahrgang ging 2012 mit 180 Teilnehmern an den Start. "Das lag jeweils an der Attraktivität des Lehrerberufs und an den Einstellungschancen." Letztere waren zu Beginn der 90er Jahre gering.

Dass die Zahlen derzeit auch wieder stark zurückgehen - 79 Teilnehmer bilden den aktuellen Kurs - liege wieder an der (sinkenden) Attraktivität des Berufs, insbesondere an den immer härter werdenden Rahmenbedingungen. Dem gegenüber stehen rund 70 Ausbilder - zwölf waren es im Gründungsjahr 1973.

Gestalterische Freiheiten für Programmgestaltung

Da das Heilbronner Seminar Heidelberger, Freiburger oder Tübinger Lehramtsabsolventen anfangs nicht sonderlich attraktiv erscheine, habe man sich hier ein paar Attraktionen einfallen lassen. Wiese freut sich: "Die Rahmenbedingungen sind zwar vom Kultusministerium vorgegeben, aber wir haben gestalterische und organisatorische Freiheiten." So verbringe man gleich zu Beginn ein Kennenlernwochenende in Creglingen. Und neben zwei Kompaktphasen im Januar und im Juli habe schon der Seminargründer Udo Kretzschmar den Seminartag eingeführt: "Damit die Referendare in der Regel nur an einem Tag pro Woche nach Heilbronn kommen müssen" - diese Besonderheiten, weiß Wiese, "haben andere nicht".

Vom Beruf begeisterte Ausbilder reißen mit

Wichtig ist ihm und auch Geiger, Begeisterung für den Lehrerberuf zu erwecken. Der immer noch am Hölderlin-Gymnasium Lauffen als Chemielehrer tätige 59-Jährige erinnert sich gern an die mitreißenden Vorträge seines Ausbilders am Esslinger Seminar zurück, auch wenn ein 45-Minuten-Monolog eines Dozenten heute pädagogisch undenkbar wäre. Auch Geigers Augen leuchten, wenn sie von ihrer Zeit am Heilbronner Seminar erzählt, wo sie zur Deutsch- und Französischlehrerin ausgebildet wurde. "Ich bin ein Eigengewächs", bekennt die 57-Jährige, die am Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium unterrichtete, bevor sie selbst begann, Referendare auszubilden.

Und sie weiß von etwas, das sich seit ihrer Studienzeit am Seminar nicht verändert hat: "Die Ausbildung war immer persönlichkeitsbildend." Seine eigene Persönlichkeit zu entwickeln und guten Unterricht zu machen, widerspräche sich nicht.

Link zum Fest

Das Heilbronner Lehrerseminar begeht seinen 50. Geburtstag mit einem großen Festakt. Dieser startet am Mittwoch, 4. Oktober, um 14 Uhr in der Aula des Katholischen Freien Bildungszentrums St. Kilian. Ab 16.30 Uhr wird dann nebenan im

Seminar selbst weitergefeiert

Neben den geladenen Gästen - Vertreter des Kultusministeriums, des Regierungspräsidiums, des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung, der Stadt Heilbronn und der Kooperationsschulen - hoffen die Organisatoren, möglichst viele ehemalige Referendare zum Umtrunk einladen zu können. Diese sollten sich bis zum 15. September zum Jubiläumsfest anmelden. Am einfachsten geht das per Link oder QR-Code auf der Homepage gym-hn.seminare-bw.de.

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