Professorinnen möchten Akteure des Bildungscampus Heilbronn zusammenbringen
Zwei Professorinnen planen ein neues Format für Mitarbeiter der wissenschaftlichen Institutionen. Unterdessen beginnt besondere Kooperation im Bereich Künstliche Intelligenz.

Der Bildungscampus beheimatet fast 20 Institutionen. In wenigen Jahren stößt die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich dazu. Und die Dieter-Schwarz-Stiftung steht mit weiteren wissenschaftlichen Akteuren in Kontakt, die nach Heilbronn kommen wollen. Die Mitarbeiter und Studenten sollen aber nicht ausschließlich nur mit Kollegen und Kommilitonen ihrer jeweiligen Einrichtung zu tun haben. Zentrale Anlaufstellen wie Mensa und Bibliothek gibt es schon, auch gemeinsame Veranstaltungen wie die Nacht der Wissenschaften bringen den Bildungscampus abseits der Hörsäle und Büros zusammen. Nun wollen zwei Professorinnen den wissenschaftlichen Austausch untereinander forcieren. Von der Zusammenarbeit der Akteure kann die Region profitieren, das zeigt das Beispiel Künstliche Intelligenz.
Synergien
„Bildungscampus vernetzt“ heißt das Projekt, hinter dem Nicole Ondrusch und Doris Ternes stehen. Nicole Ondrusch ist Professorin für Software Engineering und Digitale Transformation an der Hochschule Heilbronn, Doris Ternes leitet als Professorin am Center for Advanced Studies der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn das Zentrum für Hochschuldidaktik und lebenslanges Lernen. Obwohl beide in Heilbronn tätig sind, haben sie sich erst auswärts bei einer Tagung kennengelernt. Sie merkten, dass sie beide fasziniert vom Vernetzen sind.
Und genau das soll ihr neues Angebot „Bildungscampus vernetzt“ leisten, das im Herbst erstmals stattfinden soll. „Wir wollen den Mitarbeitern auf dem Bildungscampus die Möglichkeit geben, sich kennenzulernen und zu vernetzen“, sagt Nicole Ondrusch. Ideal sei es dabei natürlich, wenn bei den Treffen die Teilnehmer gegenseitig voneinander profitieren können. „Daraus können sich auch Synergien ergeben“, sagt Doris Ternes. „Es soll ein Do-ing auslösen“, nennt sie es.
Acht Mal treffen sich die Teilnehmer im Spätjahr in Kleingruppen. Wie genau sich diese zusammensetzen und worum es in ihnen überhaupt geht, das hängt maßgeblich von der Zusammensetzung der Gruppen ab. Wo liegen Schnittmengen der Teilnehmer, wer könnte mit wem in einer Gruppe überhaupt zusammenpassen, wer von wem dann profitieren? Das Zusammenstellen dieser Arbeitsgruppen: „Das wird die spannende Herausforderung beim ersten Treffen sein“, sagt Doris Ternes. Denn acht Treffen sollen genügen, um dann auch ein Projekt abzuschließen.
Die beiden Professorinnen erarbeiten die weiteren Details, damit es im Wintersemester losgehen kann. Dasselbe Format soll es in den beiden darauffolgenden Semestern erneut geben. Im Anschluss daran werten die Wissenschaftlerinnen aus, wie erfolgreich die Vernetzung tatsächlich war. Schon jetzt ist Doris Ternes davon überzeugt: Es brauche mehr als nur gemeinsame Veranstaltungen auf dem Bildungscampus, sonst bleibe es bei einer Koexistenz der Einrichtungen.
Qualifikation
Dass es der Region guttun kann, wenn die vielen wissenschaftliche Akteure zusammenarbeiten, zeigt sich im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Unter Federführung der Hochschule Heilbronn werden gerade die Inhalte des Artificial Intelligence Training & Qualification Campus (AI-Traqc) entwickelt, zu dem auch Duale Hochschule Baden-Württemberg, Fraunhofer IAO und Technische Universität München gehören. Die Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote richten sich vor allem an kleine und mittelständische Unternehmen, sagt Benedikt Vianden, der den AI-Traqc koordiniert. Gerade hier sieht er großen Bedarf für KI-Anwendungen.
Der Verbund will die Arbeitnehmer weiterbilden, aber auch den Unternehmen bei konkreten Anwendungen helfen. „Wir wollen niederschwellige Angebote schaffen“, sagt Benedikt Vianden. Die Hoffnung ist, dass aus den Firmen letztlich auch Daten auf einer sicheren Plattform zur Verfügung gestellt werden, um so bei der weiteren konkreten Anwendung zu helfen – und die KI-Anwendungen damit zu trainieren. Raoul Daniel Zöllner, Prorektor für Forschung, Transfer, Innovation und Professor, weiß aber, dass niemand diese gern bereitstelle. Benedikt Vianden ist nach ersten Reaktionen aus der Wirtschaft optimistisch. „Das Interesse ist da.“
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