Sozialamt in Heilbronn: Die größte Personallücke gibt es im Kita-Bereich
Der Sozialetat Heilbronn hat 2025 insgesamt 17,2 Millionen Euro mehr verbraucht als im Haushalt veranschlagt. Die gravierendsten Mehrkosten gibt es bei der Eingliederungs-, der Jugend- und Flüchtlingshilfe.

Die Kosten beim Sozial- und Jugendamt gehen nach oben. „Wir haben im vergangenen Jahr die Mittelansätze um 17,2 Millionen Euro überzogen“, sagt dessen Leiter Achim Bocher. Zwei der Haupt-Kostentreiber sind die Jugend- und die Flüchtlingshilfe. Zur Jugendhilfe gehört die Unterstützung in Schulen wie etwa Gruppenangebote, die das Sozialverhalten bei auffälligen Kindern stabilisieren sollen, und die stark nachgefragt sind, sagt Achim Bocher. „Das haben wir massiv ausgebaut.“
Die Zahl der Geflüchteten sinkt
In der Flüchtlingshilfe sinken zwar die Zahlen der Geflüchteten, aber so schnell, wie die Zahlungen des Landes gestrichen werden, lassen sich etwa angemietete Liegenschaften gar nicht kündigen. Weiteres Problem: „Wir wissen nicht, wie viel Leerstand wir vorhalten müssen. Wir werden da seit Jahren überrascht.“ Lebten 2025 insgesamt 1677 Menschen in Flüchtlingsunterkünften, waren es 2026 mit 1341 deutlich weniger.
Die Eingliederungshilfe, die Menschen mit Behinderung unterstützt, ist mit rund zehn Millionen Euro mehr für mehr als die Hälfte der Kostensteigerung verantwortlich. Grund dafür ist die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes, ein Paradigmenwechsel, bei dem der Bedarf jeder einzelnen Person individuell bestimmt wird (wir berichteten). Neue Stellen wurden zwar geschaffen, nach wie vor klaffe aber auch personell hier eine große Lücke, so Bocher.
Die größte Lücke gibt es jedoch im Kita-Bereich. „Wenn Mitarbeitende fehlen, müssen wir mit Betriebseinschränkungen reagieren“, sagt der Chef des Jugend- und Sozialamts. Oft passiere das aber nicht. „Wir kommunizieren das auch mit den Eltern.“ Und: „Wir betrachten Einrichtung für Einrichtung, ob jemand krankheitsbedingt ausfällt oder eine Stelle dauerhaft nicht besetzt ist.“ Springerkräfte sichern im Alltag teils die Betreuung.
Ein großes Thema ist die Quartiersarbeit in der Innenstadt
Große Projekte für 2026 sind die Quartiersarbeit in der Innenstadt Ende des Jahres, „ein Thema, das uns sehr auf den Nägeln brennt“, die neue Obdachlosenkonzeption, auch wenn das Thema Wohnungslosigkeit beim Ordnungsamt angesiedelt ist und die inklusive Jugendhilfe.
Die Lage bei den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen hat sich derzeit entspannt. Dafür ist es schwierig, Plätze für sechs- bis 13-Jährige zu finden. „Wir haben derzeit neun Pflegefamilien, die Kinder und Jugendliche von Null bis 17 Jahren aufnehmen, würden uns aber über weitere sehr freuen“, so Bocher. Ein Haus mit stationären Wohngruppen für Kinder zwischen sechs und 13 und von null bis fünf Jahren ist in der Planung. Auch eine inklusive Inobhutnahmestelle soll dazugehören.
Bestrebungen, manche Aufgaben, die derzeit soziale Träger wie Awo, Diakonie Caritas oder Aufbaugilde erfüllen, als Verwaltung selbst zu übernehmen, gibt es nicht, sagt Jugend- und Sozialamtsleiter Achim Bocher. Ausnahme sei etwa der Kita-Bereich, wenn Träger kein Personal haben oder schließen. „Dann sind wir in der Erfüllungspflicht.“ Insgesamt hat das Jugend- und Sozialamt Heilbronn rund 1000 Mitarbeitende.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare