Debatte um mögliches Social-Media-Verbot beschäftigt auch Schule in Heilbronn
Ein mögliches Social-Media-Verbot für Kinder sorgt für Diskussionen. Rektorin Melanie Haußmann und Schulsprecherin Albiona Shukolli aus Heilbronn erleben täglich, wie groß der Einfluss sozialer Medien auf Jugendliche ist.
Der Streit um ein mögliches Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren beschäftigt nicht nur die Politik, sondern auch die Schulen in Heilbronn. Rektorin Melanie Haußmann von der Heinrich-von-Kleist-Realschule und Schulsprecherin Albiona Shukolli, 15 Jahre, erleben täglich, wie stark soziale Medien den Alltag junger Menschen prägen – und welche Spuren sie hinterlassen.
Zum Schutz der Kinder: Social Media-Verbot findet Anklang in Heilbronn
„Ich hoffe, dass wir dem Beispiel von Australien und Skandinavien bald folgen“, sagt Haußmann, die zugleich eine der geschäftsführenden Schulleiterinnen in Heilbronn ist. „Ein Verbot wäre wichtig – nicht um Kinder einzuschränken, sondern um sie zu schützen.“ Ob die Regelung tatsächlich bald umgesetzt wird, bezweifelt sie jedoch. „Es gibt zu viel Hin und Her, zu viel Bürokratie. Dabei sind die negativen Auswirkungen längst wissenschaftlich belegt.“

Auch Albiona Shukolli findet den Vorstoß richtig, hat aber wenig Hoffnung auf schnelle Veränderung. „Ich glaube nicht, dass so ein Verbot bald kommt, aber es wäre wichtig.“ Sie nutze soziale Medien eher bewusst, sagt sie, „viele in meinem Umfeld aber deutlich intensiver“. Ihrer Meinung nach sollten Plattformen „erst ab 13 erlaubt oder stark eingeschränkt nutzbar“ sein.
Druck der permanenten Erreichbarkeit: Soziale Medien bestimmen den Alltag
An der Kleist-Realschule zeigt sich das Problem deutlich. „Unsere Schülerinnen und Schüler haben im Schnitt eine Bildschirmzeit von fünf bis sechs Stunden pro Tag – und das unter der Woche“, berichtet Haußmann. „Dabei liegen ihre Handys während des gesamten Unterrichts in verschlossenen Yondr-Taschen, die sonst bei Veranstaltungen und Konzerten zum Einsatz kommen.“ Dennoch vibrieren sie, und man sehe, „wie nervös die Kinder werden, wenn sie glauben, etwas zu verpassen.“
Für Haußmann ist klar: „Dieser permanente Druck, erreichbar zu sein, ist purer Stress.“ Auch Eltern und Erwachsene sieht sie in der Pflicht. „Muss man wirklich beim Familienessen oder beim Film am Handy hängen?“, fragt sie. Besonders kritisch findet sie das Teilen von Kinderfotos. „Gerade heute, wo KI gefährlicher ist als je zuvor, wissen viele nicht mehr, wo ihre Bilder landen.“
Führerschein oder Verbot: Heilbronner Schulrektorin fordert Eingrenzung der sozialen Medien
Shukolli nutzt Social Media auch als Informationsquelle – aber mit Einschränkungen. „Viele junge Menschen wissen gar nicht, welchen Seiten sie trauen können. Ich informiere mich zwar mit ChatGPT, kontrolliere aber immer die Quellen.“
Melanie Haußmann sieht in sozialen Medien eher eine Gefahrenquelle: „Kinder sind viel zu früh allein im Netz. Wir lassen sie einfach los, ohne Führerschein für soziale Medien.“ Filme hätten Altersfreigaben, das Internet nicht. „Pornografie ist nur einen Klick entfernt, alles Schlechte der Welt ist online einfach zugänglich – wollen wir das wirklich?“
„Kinder sollten die Welt aus erster Hand erleben“ – soziale Medien sorgen für soziale Probleme
Melanie Haußmann merkt an, dass Eltern oft Angst hätten, ihre Kinder seien ohne Handy nicht erreichbar. „Dafür reicht aber ein Tastenhandy vollkommen“, sagt sie. „In Heilbronn braucht wegen der Tablets kein Kind ein Smartphone für die Schule.“ Kinder sollten mehr draußen sein, sich bewegen, echte Erfahrungen sammeln. „Anstatt sich draußen zu bewegen, sitzen die Jugendlichen draußen am Handy und zu Hause vor der Konsole. Sitzen ist das neue Rauchen.“
„Die Kindheit vergeht heute zu schnell“, sagt auch Shukolli. „Man sieht alles auf Social Media und will sofort erwachsen werden und mitmachen.“ Am Ende sieht Melanie Haußmann die Gesellschaft in der Pflicht: „Wieviel Kindheit gönnen wir den Kindern denn noch? Durch Traumata, die in den sozialen Medien lauern, kann diese ganz schnell vorbei sein“, sagt die Rektorin, „Kinder sollten die Welt aus erster Hand erleben – und nicht durch ihren Bildschirm.“
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