Musikpark, Harmonie und Parkhotel: Hier tanzte Heilbronn ins neue Jahr
Mit drei unverwechselbaren Tanzveranstaltungen startet Heilbronn ins neue Jahr. Was sich am letzten Abend des mittlerweile geschlossenen Musikparks abgespielt hat.
Während das Silvester-Geschehen in Teilen der Heilbronner Innenstadt von Rücksichtslosigkeit und Aggression geprägt war, herrschte im Musikpark am Kaisersturm am Jahreswechsel eine fröhliche, leicht melancholische Stimmung. Mit dem „New Year’s Eve – we are closing“ hat die Heilbronner Diskothek ihren Betrieb nach fast 20 Jahren beendet. Zahlreiche Fans nutzen die Gelegenheit, um dem Club das letzte Mal einen Besuch abzustatten. Die Abschiedsparty zog sich bis in die frühen Morgenstunden des Neujahrstags.
Wieso es am Silvesterabend in Heilbronn auch lange Gesichter gegeben hat
Das Publikum war überwiegend jung, hier und da erspähte man auch ältere Semester. Rolf Kohlhaw aus Heilbronn erklomm mit den Worten „Hoffentlich gibt es hier keine Altersbeschränkung“ die Treppen des Musikparks. Der Heilbronner, der sich dank seiner Frisur spaßig „Weißkopfseeadler“ nennt, gestand, Gast der ersten Stunde zu sein. „In meiner Jugend war der Diskobesuch ganz normal“, so das Heilbronner Gewächs des Jahrgangs 1964.
An der Garderobe lange Gesichter. Janine Klein ist seit 2015 Garderobiere und bezeichnet den Musikpark als ihr zweites Zuhause. „Das tut weh“, kommentiert sie die Schließung. „Doch was will man machen?“ Die Jugend habe sich verändert, beobachtet die Mutter zweier Kinder, die noch nicht im Diskoalter sind. Die Leute würden heute lieber privat feiern.
Unter den jüngeren Besuchern lautet der Tenor „ein lachendes und ein weinendes Auge“. Dass die Eintrittspreise bei Clubbesuchern generell eine stärkere Rolle spielen, als früher, mutmaßt Tiffany Langhauser aus Bad Friedrichshall. Sie selbst sei innerhalb der letzten drei Jahre auch eher selten in den Musikpark gegangen, vielleicht insgesamt drei mal, so die 25-Jährige.
Nach Musikpark-Ende: Worauf sich in Heilbronn die Hoffnungen richten
Dass der Musikbetrieb in der Location irgendwie weitergeht, das hofft Martin Käseweck. „Vielleicht übernimmt das Gebäude ja ein neuer Pächter, der dann mit neuer Musik hier weitermacht“, so der 31-Jährige, der unweit im Neckarbogen wohnt. Ähnlich Martina Ziegler. „Ich wünsche mir auf jeden Fall, dass hier etwas Unverwechselbares entsteht.“
Unverwechselbar, das trifft auch auf die städtische Silvesterparty in der Harmonie zu. Offenbar sind klassische Tanzveranstaltungen inzwischen eine Seltenheit geworden, und so ist der Ball in dem Heilbronner Format – mit Bigband und Solokünstlern – besonders bei passionierten Paaren, die oft das Tanzbein schwingen, ein echter Geheimtipp.
Welche Spezialität beim Silvesterball in der Heilbronner Harmonie der Renner war
Katharina und Dirk Zweigle sind aus Bietigheim das zweite Mal nach Heilbronn gekommen. Das Paar hatte zuvor im Internet ganz gezielt nach einer klassischen Tanzveranstaltung gesucht. Noch weiter angereist waren Helgaclara und Mattias Buch aus Tübingen. Es gibt aber auch eingefleischte Heilbronner Fans, wie Majella und Wolfgang Wehl: ausgewiesene Diskofox-Spezialisten.
Zum gelungenen Rahmen trägt seit gut einem Jahrzehnt das Cateringunternehmen Voltino bei. „In diesem Jahr überraschen wir unsere Gäste mit Spaghetti aus dem Parmesanlaib“, schmunzelt Geschäftsführerin Stephanie Singer.
Wo es in der Silvesternacht in Heilbronn besinnlich zuging
Auch nebenan im Parkhotel schwangen Silvesterfans das Tanzbein: Zu Klängen der formidablen Band „Timeless“. Zu kosten gab es unter anderem Austern, wie Chef Marcel Küffner stolz präsentierte.
Neben Tanzen, Essen und Böllern gab es in der Silvesternacht auch eine besinnliche Komponente: In der Deutschordenspfarrei Sankt Peter und Paul konnten Liebhaber der Kirchenmusik dem festlichen Silvesterkonzert lauschen. Trompeter Sebastian Krystek und Organist Michael Saum spielten barocke Werke. Im Anschluss sprach Pfarrer Roland Rossnagel ein Segenswort auf das neue Jahr.
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