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Demokratieförderung an Schulen

„Sind nicht allein verantwortlich“ – Mündige Bürger als Bildungsziel

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Heinz-Peter Meidinger hat in Heilbronn beim Robert-Mayer-Gymnasium über eine wichtige Aufgabe von Bildung gesprochen. Das hält Direktorin Antje Kerdels von der These.

Gut besuchte Diskussion der Württemberger Gesellschaft am Robert-Mayer-Gymnasium in Heilbronn: Heinz-Peter Meidinger spricht über "Mündige Bürger als Bildungsziel".
Gut besuchte Diskussion der Württemberger Gesellschaft am Robert-Mayer-Gymnasium in Heilbronn: Heinz-Peter Meidinger spricht über "Mündige Bürger als Bildungsziel".  Foto: privat

Der Titel der Veranstaltung ist provokant gewählt, aber lässt aufhorchen. Zu „Mündige Bürger als Bildungsziel: Inwieweit Schulen daran derzeit häufig scheitern, und was man jetzt dringend tun muss“ äußerte sich dieser Tage Heinz-Peter Meidinger. Der Lehrer war Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands sowie Präsident des Deutschen Lehrerverbands, zudem hat er mit seinem Werk „Die zehn Todsünden der deutschen Schulpolitik“ für Aufsehen gesorgt. Auf Einladung der Württemberger Gesellschaft sprach er dazu am Robert-Mayer-Gymnasium (RMG).

„Mündige Bürger“ sind für Antje Kerdels selbstverständlich ein Bildungsziel. Das zu erreichen sei wichtig, damit sich die heutigen Schüler als Erwachsene in der Gesellschaft „beteiligen können“, sagt die Direktorin des RMG, die zugleich Ansprechpartnerin der regionalen Schulleiter der Gymnasien ist. Nur sei das nicht ausschließlich Aufgabe der Bildungsstätten. „Schulen“, sagt sie, „sind nicht allein dafür verantwortlich.“

Demokratiebildung im Unterricht: Das Land legt mit Bildungsreform darauf einen Schwerpunkt

Das Land stärkt mit der Bildungsreform die Demokratiebildung. Zukünftig gibt es in der Unterstufe von Gymnasien laut Kultusministerium das fächerübergreifende Fundament Demokratiebildung, es findet in verbindlichen Klassenlehrerstunden statt. In der Oberstufe soll der Schwerpunkt Demokratiebildung vertieft werden, auch durch außerschulisches Engagement.

Was die Klassenlehrerstunden angeht, so betritt das RMG damit kein Neuland. „Das haben wir schon“, sagt Antje Kerdels.

Alle Fächer kümmern sich darum, auch die Fremdsprachen

Demokratiebildung, mündige Bürger: Für Antje Kerdels wird das in Schulen nicht allein im Fach Gemeinschaftskunde zur Aufgabe. Deutsch und die Fremdsprachen sind ihrer Ansicht nach hier genauso gefordert. Egal ob Englisch oder Französisch: Es gehe stets um Landeskunde. Neue Aufgaben für die Schulen bedeuten stets das eine: „Dafür brauchen wir Zeit.“

Antje Kerdels geht es zugleich darum, dass Kinder mehr Aufmerksamkeit bekommen. Mit mehr Zeit und zusätzlichem Personal wie etwa Psychologen oder Schulsozialarbeitern könne man zugleich eine bessere Präventionsarbeit leisten. Durch solche Profis an den Schulen könne es „mehr Raum für ein Miteinander“ geben.

Das oberste Bildungsziel sei die Demokratie-Vermittlung, betont die RMG-Schulleiterin Antje Kerdels. Damit räumt sie zugleich mit einem Vorurteil auf. Schulen dürften sich gerade nicht aus allem heraushalten. „Wenn es um die Demokratie geht, darf Schule nicht neutral sein.“

Gymnasien vor Umstellung auf G9: Das sind die Folgen für die Betreuung

Unterdessen bereiten sich die Gymnasien immer mehr darauf vor, die Kinder wieder in neun Jahren zum Abitur zu führen. Die jetzigen Fünfer sind die ersten, die an allgemeinbildenden Gymnasien diesen Weg wieder gehen. Alle Älteren machen das Abitur weiterhin nach acht Jahren.

Die Umstellung auf G9 wirkt sich auch auf die Freizeit aus – gerade die G9-Mittelstufe werde wieder weniger Nachmittagsunterricht haben, sagt Antje Kerdels. Das heißt auch: Gymnasien müssten sich stärker Gedanken machen, wie sie den Eltern mit einer stärkeren Betreuung ihrer Kinder entgegenkommen können.

Am RMG bringen sich derzeit auch ältere Jugendliche in der Hausaufgabenbetreuung ein. Nur: Auf G8-Jugendliche mit mehr Unterricht pro Woche könne man nicht in dem Maße setzen, wenn es um die Hilfen der G9-Schüler mit weniger Stunden gehe.




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