Seeräubertag in Heilbronn-Böckingen motiviert Tausende zum Bummeln – Feldg’schrei für alle
Der Böckinger Seeräubertag markiert den ersten von insgesamt drei verkaufsoffenen Sonntagen in Heilbronn. Neben offenen Geschäften und einer Gewerbeausstellung gab es auch etliche Sonderaktionen.
Warum werden die Böckinger eigentlich Seeräuber genannt? Und: Was ist denn Böckinger Feldg’schrei? Fragen wie diese stellten sich am Sonntagnachmittag viele „Reingeschmeckte“, die im größten Heilbronner Stadtteil zum Shoppen unterwegs waren – und sie konnten bis 18 Uhr an vielen Ecken und Enden kompetente Antworten aus erster Hand bekommen.
Seeräuber sei von einem See am Neckar abgeleitet, den die Böckinger „ratzeputz“ leergefischt hätten, wusste Stadtrat Thomas Randecker. Und Feldg’schrei stehe ganz einfach für den Eintopf mit Kartoffelschnitzen und Spätzle, den die Bauersfrauen einst ihren Männern mittags unter Zurufen aufs Feld gebracht hätten. „Oder so ähnlich.“
Verkaufsoffener Sonntag in Heilbronn-Böckingen: Besucher zu einer Portion Feldg’schrei eingeladen
Wer Glück hatte, konnte die Spezialität, zubereitet von den Bürgerhaus-Pächtern Melanie Horvat und Mario Dieterich, sogar umsonst verkosten. Der gastgebende Gewerbe- und Handelsverein (GHV) hatte nämlich als Lockangebot alle Besucher zu einer Portion Böckinger Feldg’schrei eingeladen, „solange der Vorrat reicht: 500 Portionen“, hieß es. Etliche zeigten sich hellauf begeistert. Leider keine Portion mehr bekamen Annegret und Michael Huber, was ihre Freude am Bummeln kaum trübte. „Auch mit dem etwas kühlen Wetter können wir leben, Hauptsache trocken“, meinten die beiden. Nur zwei von Tausenden Besuchern, die beim verkaufsoffenen Sonntag ihre Runden drehten.
Manche waren allerdings etwas enttäuscht, weil ausgerechnet in Alt-Böckingen, „wo zwischen Backsteinbauten noch ein historischer Flair weht, tote Hose herrschte“, wie Otto Schmieg bedauerte, der extra mit der Stadtbahn aus dem Kraichgau angereist kam. Um so mehr los war dagegen an der Möbelmeile, wo sich die Autos über die Neckargartacher Straße hinaus zeitweise bis zum Saarlandkreisel stauten und fast alles zugeparkt war. Hier tanzte förmlich der Bär. In aller Ruhe beraten lassen konnte man sich dagegen bei Bleyer Polster und Raum an der Ludwigsburger Straße, frei nach Markus Bleyers Motto: „Wir gestalten Wohn(t)räume“.
Seeräubertag in Heilbronn-Böckingen: Leistungsschau mit 13 örtliche Firmen im Bürgerhaus
Eine zentrale Anlaufstelle im Stadtteil – und damit auch des Seeräubertags – war und ist das Bürgerhaus Böckingen, wo sich auf Initiative des GHV mit Daniel Alexander und Kirsten Fegert an der Spitze bei einer Leistungsschau 13 örtliche Firmen präsentierten: von Schnepf IT, Bestattungshaus Alexander, Nagelkosmetik NaDreAmo, Schumm GmbH – Heizung, Klima, Sanitär, Hannemann Fliesen, IRH InfraRot-Heizsysteme, Randecker & Westiner Elektrotechnik, der Kanzlei Albrecht bis hin zum Obsthof Wagner, Salon Dâ Ostuni und der Gärtnerei Widmann.
Im Herzen Böckingens, also zwischen Bürgerhaus, Stadtkirche Sankt Pankratius und Polizei, waren rund um die Seeräuber-Skulptur von Dieter Läpple, Schausteller-Geschäfte, Imbiss-Buden oder etwa Waffeln vom FC Union Böckingen geboten. „Gerne würden wir noch mehr Vereine begrüßen und auch die Schulen“, gab GHV-Chef Alexander zu verstehen. Vielleicht klappe es ja 2026, wenn der GHV sein 120-jähriges Bestehen feiere und der Seeräubertag neu belebt werden könnte.
Seeräubertag in Heilbronn-Böckingen: Private Haushalte klinkten sich mit Garagenflohmärkten ein
Ein weiterer „Hotspot“, so hieß es auf den weit gestreuten Einladungsflyern, war einmal mehr Brecht Caravan im Gewerbegebiet-West, wo so mancher Lust auf einen Camping-Urlaub bekam. Hier und da gab es auch Sonderaktionen. Über ganz Böckingen verteilt beteiligten sich außerdem Anwohner mit privaten Garagenflohmärkten, wo es allerhand Trödel zu günstigen Preisen gab. 25 Haushalte boten ihre ausgedienten Sachen an.
Gute Dienste leistete dabei ein Lageplan mit Adressen, der bei manchen teilnehmenden Händlern auslag, „oder über die Homepage des GHV und ganz einfach Google Map“, wie Christian Müller in der Heuchelberger Straße feststellte.
Seeräubertag in Heilbronn-Böckingen motiviert Tausende zum Bummeln: Ältester und nach der Kernstadt größte Stadtteil von Heilbronn
Mit mehr als 23.000 Einwohnern ist Böckingen nach der Kernstadt der größte und älteste Stadtteil Heilbronns. Bereits 1933 wurde er eingemeindet. Besonders Alt-Böckingen hat sich aber einen eigenen Charakter bewahrt. Der Stadtteil ist durch das Busnetz und durch drei Haltepunkte der Stadtbahn mit der Heilbronner Innenstadt verbunden. Große Gewerbegebiete entwickelten sich entlang der Neckargartacher Straße und nördlich der Großgartacher Straße.
Die „Seeräuber“ genannten Böckinger und die Einwohner der angrenzenden Gemeinden und Stadtteile werden von den Einzelhändlern und Dienstleistern im Stadtteil „umfassend versorgt und betreut“, heißt es auf der städtischen Homepage. Und: „Das Böckinger Handwerk genießt überörtliche Bedeutung.“ Der Gewerbe- und Handelsverein wurde bereits im Jahr 1906 gegründet.
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