Laufbus statt Elterntaxi: Verkehrsministerium ermöglicht autofreie Zonen vor Schulen
Zum Schulstart am Montag wirbt die Polizei mit Bannern und Kontrollen für mehr Rücksicht im Straßenverkehr. Neu ist, dass Städte und Gemeinden nun leicht autofreie Zonen einrichten können – doch nicht alle machen mit.
Mit einem neuen Erlass schafft das Verkehrsministerium Grundlagen, damit Städte und Gemeinden Schulstraßen und Schulzonen einfach und ohne großen Aufwand einführen können. Beide Maßnahmen sind Teil des Landesprogramms „Movers – Aktiv zur Schule“, das Kinder und Eltern dabei unterstützt, den Schulweg sicher und eigenständig zu gestalten. Ziel ist zu vermeiden, dass vor Schulen Autos in zweiter Reihe parken oder auf Gehwegen wenden. Besonders gefährlich sind die ersten Tage im neuen Schuljahr, wenn vor allem für Erst- und Fünftklässler die neuen Wege noch ungewohnt sind.
Schulweg für Kinder: Sichere Zonen statt Parken in zweiter Reihe
Üblicherweise ist es äußerst kompliziert, mit Verkehrsberuhigungen oder 30er-Zonen gefährliche Verkehrssituationen zu entschärfen, wie es Bretzfeld nun vor den Schulen und Kindergärten sowie dem Altenheim in der Ortsmitte getan hat. Die – temporäre – Ausweisung von Schulstraßen und Schulzonen soll nun unbürokratisch möglich sein. Bei Schulstraßen werden Abschnitte im direkten Schulumfeld zu Beginn und zum Ende des Schultages für einen begrenzten Zeitraum für den motorisierten Verkehr gesperrt. Bei Schulzonen wird die Straße dauerhaft gesperrt. Das bietet sich an, wenn die Straße nur für die Schule benötigt wird.
Sicherer Schulweg: Kultusministerin Schopper wirbt für Bewegung
Kultusministerin Theresa Schopper unterstützt die Initiative: „Bewegung ist gut für die Kinder“, sagt die Kultusministerin bei einem Besuch bei der Sportkreisjugend Ludwigsburg auf deren Freizeitanlage in Untersteinbach. Wenn die Kinder gemeinsam mit ihren Freunden den Schulweg bestreiten, hätten sie Freude daran und auch schon einen Teil ihres Bewegungspensums. Eine Stunde Bewegung, so die Ministerin, sei für Kinder ideal.

Der Aspekt Sicherheit sei dabei ein ganz elementarer: „Es ist wichtig, den Weg mit den Kindern zu üben“, gibt sie den Eltern mit auf den Weg. In der Großen Kreisstadt Öhringen verzichtet man bislang darauf, spezielle Zonen einzurichten: „Wir nutzen bereits bei der Schulwegeplanung das Movers-Beratungsangebot und sind im regen Austausch mit den Schulen“, sagt Bauamtsleiter Frank Hildebrand. Dabei wurde neben einer Vielzahl anderer Maßnahmen über die Einführung von Schulstraßen und Schulzonen nachgedacht. „Doch bislang wurde davon abgesehen, da das Argument einer reinen Verlagerung der Probleme in andere Straßen nie entkräftet werden konnte“, sagt Hildebrand.
Sicherheit auf Schulweg mit Laufbus
Seit Beginn des vergangenen Schuljahres gibt es in Öhringen auf Elterninitiative hin einen sogenannten Laufbus: Eltern sammeln im Wechsel Grundschüler ein, die an vereinbarten Plätzen warten und bringen sie wieder sicher nach Hause. Gern hätte Miriam Laube dafür mehr Eltern, die sich beteiligen. „Wir haben drei Routen zur Schillerschule: aus dem Westen, der Kernstadt und aus dem Norden, die bespielt werden“, wirbt sie um weitere Eltern, die die Kinder begleiten.
Auch in Neuenstein hat es schon Versuche gegeben, die Eltern dazu zu bringen, die Kinder – wenigstens die letzten Meter von der Seewiese – zur Schule zu Fuß gehen zu lassen. Wer nicht im Elterntaxi kam, sammelte Bonuspunkte.
Heilbronn prüft Schulzonen – „Der Prozess läuft noch“
In der Stadt Heilbronn werden die durch den Erlass gegebenen Möglichkeiten sukzessive nach möglichen Umsetzungen geprüft, teilt Suse Bucher-Pinell, Sprecherin der Stadt Heilbronn, mit. Das Amt für Straßenwesen der Stadt Heilbronn habe bereits Gespräche mit den Verantwortlichen des Landesprogramms „Movers“ geführt, um mögliche Standorte für Schulstraßen/Schulzonen in Heilbronn zu ermitteln. „Der Prozess läuft noch“, sagt Suse Bucher-Pinell.
Zusätzlich wurden bereits außerhalb von Schulstraßen/Schulzonen an Schulen verkehrsrechtliche Maßnahmen wie geänderte Verkehrsführungen oder sogenannte Elternhaltestellen eingerichtet, von wo aus die Schüler die letzten Meter zur Schule zu Fuß gehen. Zudem, so die Stadtsprecherin, fänden durch die örtliche Polizei sowie das städtische Ordnungsamt jährlich zum Schulstart Aktionen an den Schulen statt, um Eltern zu sensibilisieren.
Initiativen für sicheren Schulweg zeigen Wirkung
All die Bemühungen zeigen erste Wirkungen: 1990 noch starben fast fünfmal so viele Kinder und doppelt so viele Kinder verletzten sich im Straßenverkehr wie heute im Land Baden-Württemberg, weiß die AGFK-BW (Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußverkehrsfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg e. V.). Der Verein hat konkrete Vorschläge, wie Wege noch sicherer werden können. Neben Elternhaltestellen gehören Querungsstellen. Auf dem Schulgelände sollten Fahrräder und Tretroller sicher abgestellt werden können.
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare