Schulstreik gegen Wehrpflicht – Jugendliche protestieren in Heilbronn
Beim Schulstreik gegen Wehrpflicht protestieren Jugendliche in Heilbronn gegen das Wehrdienstmodernisierungsgesetz – die Route wird zum Streitpunkt.
Das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz ist eigentlich beschlossene Sache, doch junge Menschen wollen sich nicht damit abfinden. In 138 Städten gingen sie gestern auf die Straße, aufgerufen dazu hatte die bundesweite Initiative „Schulstreik gegen Wehrpflicht“. Mit dabei waren auch Schüler aus Heilbronn.
Die Organisatoren hatten symbolträchtig den Friedensplatz für ihren Protest gewählt. Zum geplanten Demonstrationszug Richtung Kiliansplatz kam es aber nicht, da die angemeldete Route nicht genehmigt wurde und der Ersatz ungünstig verlaufe, wie es Mit-Organisator Max formuliert, der auf mehr Beteiligung am 8. Mai hofft, wenn erneut zum Schulstreik aufgerufen wird.

Schulstreik gegen Wehrpflicht in Heilbronn: Protest am Friedensplatz
Dabei ist es eigentlich kein Streik, denn um 13.30 Uhr ist der Unterricht in der Regel vorbei. So findet sich denn so mancher Jugendliche auch eher zufällig bei den Zuhörern wieder. Gut 60 sind es insgesamt, darunter vor allem Erwachsene von verschiedenen Parteien. Bewusst zum Streik gekommen sind Silas (9) und Bennet (10), die selbstgemalte Plakate dabei haben. Darauf ist „Kinder und Jugendliche gegen Wehrpflicht“ und „Lieber nachsitzen als Wehrpflicht“ zu lesen. „Ich würde nicht zum Militär wollen, sonst werde ich zur lebenden Zielscheibe“, erklärt Silas. Auch Bennet ist gegen die Wehrpflicht. „Ich will nicht, dass ich oder meine Freunde da sterben“, sagt der Zehnjährige.
Kurzfristig wird also umgeplant und ein Getränkekasten zum Rednerpodest umfunktioniert. Der Sozialstaat werde kaputtgespart und gleichzeitig jede Menge Geld in Aufrüstung gesteckt, sagt Max. Dabei gäbe es ob der viel größeren Nato realistisch keine Gefahr aus Russland. „Man braucht eine starke Armee, um Krieg zu führen“, argumentiert er gegen die Verteidigungsbegründung. Dabei ginge es wie jetzt im Iran nur um Öl und die Interessen der Weltkonzerne, nicht um die „unseren“, wie Bundeskanzler Friedrich Merz behaupte.
„Kinder und Jugendliche gegen Wehrpflicht“: Plakate und klare Aussagen
Yuri absolviert einen Bundesfreiwilligendienst, quasi das, was der Zivildienst war, für einen Hungerlohn, wie sie erklärt. „Durch das Wehrdienstmodernisierungsgesetz kommt das auch wieder auf euch zu, wenn die Bundeswehr nicht genügend Kapazitäten aufbauen kann“, prophezeit sie. Gleichzeitig wird mit 2000 Euro Lohn beim Bund und weiteren Vergütungen geworben – eine Verweigerung müsse man sich also erstmal leisten können.
Eliya ist bewusst zum Streik gegangen, auch wenn er um kurz nach 14 Uhr wieder im Unterricht sitzen wird. „Ich wollte hören, wie sie argumentieren“, erklärt der Zwölfjährige. Generell sei das alles richtig, aber nur schwer zu realisieren – Krieg sei eben doch überall sehr tief verwurzelt, befürchtet er. „Sie haben jetzt auch gar nicht erwähnt, wie das mit anderen Ländern ist.“
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