Schausteller-Stammtisch Kischtleshocker feiert Schnapszahl-Jubiläum
Der traditionelle Schausteller-Stammtisch namens Kischtleshocker trifft sich seit genau 55 Jahren zum Volksfest-Finale auf der Theresienwiese beim Göckelesmaier: eine ziemlich illustre Runde mit Witz, Spaß und Geist.

Das Volksfest kommt auf die Zielgerade, am Sonntagabend klingt der größte Rummel der Region mit einem Feuerwerk aus. „Die besten Tage haben wir hoffentlich erst vor uns“, meinte am Freitag Festwirt Karl Maier und beteuerte, dass er und seine Schausteller-Kollegen trotz allem „nicht müde werden, das Heilbronner Volksfest-Fähnchen hoch zu halten“. Traditionell trifft sich am zweiten Festfreitag der Kischtleshocker-Stammtisch zu einem Festmenü beim Göckelesmaier: und zwar seit 55 Jahren.
Drei Schausteller wurden besonders hervorgehoben
Das Küchenteam um Ralf Wegener zauberte ein Jubiläums-Menü mit Spargel, Kalbsgeschnezeltem und Rhabarber-Grütze aus der Zeltküche. Ex-WG-Chef August Muhler steuerte den Wein bei, Ex-HMG-Chef Bernhard Winkler und ein Deko-Team gestalteten mit Witz und Stil Speisekarten und Tischschmuck. Gleichzeitig wurden drei Schaustellern besondere Ehren zuteil: Wilfried Grupe wurde für 30 Jahre Stammtisch-Treue ausgezeichnet, Thea Kinzler und Adolf Weeber zu Ehrenmitgliedern ernannt. Nicht nur zum Festschmaus, fast täglich setzen sich die Schausteller an einen Tisch: früher an eine Holztafel in einem abgetrennten Bereich zwischen Göckelesbraterei und Küchentheke im Festzelt. Im Zuge der Klimaerwärmung wichen sie an drei zusammengeschobene Biertische im Biergarten aus. Wenn sie sich nicht gegenseitig hochnehmen oder politisieren, sind sie am Knobeln, dem klassischen Schausteller-Glücksspiel mit kleinen Münzen und großen Scheinen.
Die Ursprünge des legendären Schausteller-Stammtisches
Für den 58-jährigen Festwirt Karl Maier liegen die Ursprünge der Kischtleshocker im Dunkeln. Es war die Zeit, als ihn Mutter Josefine noch im mobilen Kindersitz auf den Rummel trug. Als Karli längst schlief, trafen sich die Festakteure am Rande des Zeltes zum Durchschnaufen und Schwätzen. „Aus Mangel an Sitzgelegenheiten begnügte man sich mit Kisten. Daher auch der Name“, weiß Maier. So hat es ihm sein geselliger Onkel Wolfgang Lochmann erzählt, dessen Enkel Felix Bindel am Freitag übrigens auf der Leingartener Heuchelbergwarte seine Geliebte Zoe heiratete. Dies nur am Rande. Der ehemalige Zeltkoch Lochmann avancierte nach dem Tod des Gründervaters Karl Bernhäuser zum Stammtisch-Bürgermeister. Bis 2022 hieß der Schultes Karl Müller. Er gab die Stabführung nach 18 Jahren an Angela Roloff und Dieter Seyfert ab – und fungiert nun als Ehrenbürgermeister.
46 Mitglieder sind Schausteller, andere kommen aus den Festorten
An den Stammtisch sitzen darf im Prinzip jeder, der sich traut. „Zum richtigen Hocker wird man aber erst, wenn man sich bewährt, hilfsbereit ist und auch menschlich reinpasst“, weiß Müller. Die meisten der 46 Mitglieder sind Schausteller, andere kommen aus den Festorten, ein gutes Dutzend aus Heilbronn. Neue Brüder und Schwestern bekommen jeweils ein Kistchen überreicht. Es birgt das wichtigste Stammtisch-Utensil – ein Glas – und hat nur einen Haken: Wer es vergisst, muss einen Geldschein ins Kässchen werfen.
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