Rund 150 Millionen Euro geplant: Heilbronns Justizlandschaft im Wandel
Insgesamt sollen in den nächsten Jahren rund 150 Millionen Euro in die verschiedenen Sanierungs- und Neubauprojekte der Justizlandschaft in Heilbronn fließen. Jüngst wurden neue Gerichtssäle im Landgericht Heilbronn eingeweiht.

Die Justizlandschaft in Heilbronn befindet sich im Wandel. Das Zentralgebäude des Heilbronner Amtsgerichts in der Wilhelmstraße ist vorübergehend geschlossen. Für rund 23 Millionen Euro wird es derzeit saniert und umgebaut. Währenddessen werden Strafprozesse im benachbarten Behördenzentrum in der Rollwagstraße 10 verhandelt.
Neues Landgericht und Co.: Das sind die Pläne für Heilbronn
Ab etwa 2030 soll in der Rollwagstraße das neue Landgericht Heilbronn entstehen. Es ist geplant, dass das Gebäude, in dem Familiengericht und Insolvenzgericht als Sonderabteilungen des Amtsgerichts Heilbronn bislang untergebracht waren, abgerissen wird und auf diesem Platz dann der Neubau des Landgerichts errichtet wird. Derzeit befindet es sich noch in der Wilhelmstraße 8. Insgesamt fließen etwa 150 Millionen Euro in die verschiedenen Sanierungs- und Neubauprojekte, berichtet Frank Berkenhoff, Leiter von Vermögen und Bau Heilbronn.
Bis zur Fertigstellung wird es noch einige Jahre dauern. Dennoch gab es jüngst einen Grund zur Freude: Im zweiten Obergeschoss des Landgerichts in der Wilhelmstraße wurden die neuen und fertig sanierten Gerichtssäle eingeweiht – sechs Sitzungssäle, vier Beratungszimmer sowie ein Aufenthaltsraum.
Neue Gerichtssäle im Landgericht Heilbronn eingeweiht
Frank Berkenhoff bezeichnet die Sanierung als ein „kleines, aber wichtiges Projekt“. Passende Räumlichkeiten seien essenziell für eine funktionierende Demokratie. Die Arbeiten während des laufenden Betriebs seien zwar teilweise belastend für die Mitarbeitenden gewesen, aber ein Stillstand wäre keine Option gewesen. „Das wäre eine Zumutung gewesen“, so Berkenhoff.
„Ein paar Mal haben die Akten auf dem Schreibtisch gewackelt“, erinnert sich Agnes Aderhold, Präsidentin des Landgerichts Heilbronn. Doch die Geduld habe sich ausgezahlt. Nun sei man mit zeitgemäßen Räumen belohnt worden. Auch Michael Scheuerer, Geschäftsführer des planenden Architekturbüros Michel + Wolf Architekten aus Stuttgart, das eng mit Vermögen und Bau Heilbronn zusammenarbeitete, zeigt sich zufrieden. Das Kollegium habe man im Vorhinein sensibilisiert. „Wir waren erstaunt, wie reibungslos alles funktioniert hat.“
Hierarchisierung der Gerichtsräume spiegelt sich im Material wider
Die Hierarchisierung der Gerichtsräume spiegelt sich laut Scheuerer auch im Material wider: Eichenfurnier ziert sowohl den Eingang als auch die Wand hinter der Richterbank. Diese ist auf derselben Höhe wie die Tische der Parteien, jedoch hebt eine dezente Erhöhung hinter der Richterbank den Bereich leicht ab. „Eine sanfte Barriere“, nennt es Scheuerer. Die restlichen Möbel und Oberflächen seien zurückhaltend in Weiß- und Grautönen gehalten, um nicht in Konkurrenz zu treten.
Zieht das Landgericht künftig in die Rollwagstraße um, wird das Amtsgericht Heilbronn das bisherige Gebäude übernehmen. Präsident Andreas Arndt ließ es sich nicht nehmen, die neuen Räume persönlich zu inspizieren. Die Tische und die Richterbank auf Augenhöhe bezeichnet er als gelungene Lösung – zumindest für das Zivilrecht, wo hauptsächlich Rechtsstandpunkte ausgetauscht werden. Im Strafrecht hingegen sei die traditionelle, erhöhte Richterbank weiterhin angemessen.
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare