Heilbronner Lehrerin Annika Nowotny spielt in der Rugby-Nationalmannschaft
Als Scrum-Half ist die 1,56 Meter große Heilbronnerin die Spielmacherin im Team. Von dieser Schlüsselposition aus organisiert sie das Spiel ihrer Mannschaft.
Annika Nowotny hat einen kleinen Verband ums linke Handgelenk, aus dem auch Pflasterstreifen rausblitzen. „Ach, ich hatte nur ein Spiel am Wochenende, ist echt nichts“, winkt sie ab. Ist einfach nur jemand auf die Hand getreten. Kann halt mal passieren, wenn man Rugby spielt. Im Fall der 29-Jährigen sogar in der deutschen Nationalmannschaft im 7er- und 15er-Rugby. Leben kann man davon hierzulande natürlich nicht, also gilt ihre zweite Leidenschaft dem Unterrichten. Genauer: Biologie und Mathe am Robert-Mayer-Gymnasium (RMG) Heilbronn. Damit ist ihr Leben völlig durchgetaktet.
Wie die Heilbronner Lehrerin Annika Nowotny zum Rugby kam
Zuerst der Sport. Aufgewachsen in Memmingen gab es nicht so richtig viel Auswahl in Sachen Sportarten. Die große Schwester ihrer besten Freundin hatte viele Rugbyspieler im Freundeskreis. Doch statt der Älteren gingen die beiden mit 14 Jahren dann mal zum Training und blieben hängen. „Für mich ist es der beste Sport der Welt, weil es ein Teamsport ist, bei dem das Team wirklich im Vordergrund steht“, erklärt die Dossenheimerin. Da Pässe ja nur nach hinten erlaubt sind, kann man alleine gar nicht punkten. Dazu sei es die perfekte Mischung aus Kraft und Athletik.
Im Vertrauen auf den gleichen Einsatz ihrer Mitspielerinnen mache es ihr dann auch Spaß, ihren Körper hinzuhalten. Auch wenn der nur 1,56 Meter groß und dementsprechend leicht ist. „Gerade im 15er gibt es aber für jede Körperform spezifische Positionen.“ Als Scrum-Half ist sie sowas wie die Spielmacherin.

Jetzt gab es vor Ort aber keine Frauenmannschaft, also trainierte Annika Nowotny bei den Herren mit, trat mal hin und wieder als Gastspielerin in der Umgebung auf dem Feld. Trotzdem: Weil sie nach dem Abitur zum Lehramtsstudium eh umziehen musste, sollte es unbedingt eine Stadt mit Rugbyverein sein, und warum dann nicht gleich in die deutsche Rugbyhochburg Heidelberg. Dort gibt es fünf Vereine, vier mit Frauenteams und von denen spielen drei in der 15er-Bundesliga. Außerdem befindet sich dort auch der Stützpunkt der Nationalmannschaft im 7er-Rugby.
Spitzensportstipendium für Rugbytalent aus Heilbronn
Annika Nowotny entscheidet sich für den TSV Handschuhsheim. Der hatte bereits eine Kooperation mit der Uni, und so genau wusste die Studienanfängerin ja auch gar nicht, wie gut sie wirklich ist. Schnell stellt sie fest, dass 7er ihr nicht reicht, also spielt sie zusätzlich im 15er im Heidelberger Ruderclub. Das bedeutet schon mal drei Trainings pro Woche. Sie empfiehlt sich für die Nationalmannschaft, hat 2017 ihr erstes Länderspiel gegen Polen. „Die erste EM bleibt krass in Erinnerung, da war ich dankbar, dass ich eher eingewechselt wurde, um alles kennenzulernen.“
Parallel zum Studium, das gerade in den ersten beiden Semestern – Lieblingsfächer hin oder her – sehr herausfordernd ist. Der pädagogische Teil liegt ihr besonders, die Arbeit mit Kindern reizt die junge Frau. „Klar begeistern mich meine Fächer, aber der Knackpunkt sind die Kinder und Jugendlichen, und da hast du am Gymnasium halt das ganze Altersspektrum.“ Da der Sport langsam mehr wird, klappt es auch mit der Vereinbarkeit, erst recht, als sie das Spitzensportstipendium der Metropolregion Rhein-Neckar erhält, das neben einem Taschengeld viel organisatorische Unterstützung bietet.
Lehrerin aus Heilbronn: Viele Fahrerei ist schon ein Manko
Inzwischen ist sie an ihrer Schule auch sehr glücklich, auch wenn die viele Fahrerei schon ein Manko ist. „Man muss sich halt durchorganisieren.“ Die Arbeit kommt an erster Stelle, auch wenn sie bewusst nur 75 Prozent arbeitet, um Rugby auf dem Niveau dauerhaft spielen zu können. Drei Mal wöchentlich Vereinstraining, zwei Mal Kraft, zwei bis drei Mal Fitness und eigentlich drei Mal Nationalmannschaft. Dazu kommen Spiele und Lehrgänge – viel Freizeit bleibt da nicht mehr. Nach ihrer aktiven Zeit will sie als Trainerin ihr Wissen weitergeben, das steht schon fest. Lehrerin sein, das geht eben drinnen und draußen.
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