Kaffee wird teurer – was das für Röstereien im Raum Heilbronn bedeutet
Knappe Ware bei gestiegener Nachfrage: Der Druck auf den Kaffeemarkt wächst weiter. Deutschlands größter Markenkaffeeröster Tchibo hat den Preis erhöht. Ziehen Kaffeeröstereien in der Region nach?
Cappuccino, Latte Macchiato, Espresso oder schwarz: Kaffee ist mit durchschnittlich 163 Litern jährlich pro Kopf das Lieblingsgetränk der Deutschen. Doch in den vergangenen Jahren hat sich Kaffee stark verteuert. Infolge von schlechten Ernten und Trockenheit durch den Klimawandel in wichtigen Anbaugebieten sind die Rohstoffpreise teurer, gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Kaffee.
Kaffeepreise steigen deutlich: Rohkaffeeimporte um 53,1 Prozent teurer
Auch höhere Produktions-, Energie- und Importkosten lassen die Preise nach oben schnellen. Laut Statistischem Bundesamt verteuerten sich die Rohkaffeeimporte im April 2025 um 53,1 Prozent. Im Schnitt müssen Verbraucher rund zwölf Prozent mehr für Bohnenkaffee zahlen, im Vergleich zwischen April 2024 und April 2025.
Jetzt hat einer der größten deutschen Markenkaffeeröster Tchibo reagiert und den Preis für ein Pfund Röstkaffee um einen Euro angehoben. Das Unternehmen verweist in einer Pressemeldung auf den „angespannten Markt“. Als Rechenbeispiel dient die „Feine Milde“ – das 500-Gramm-Päckchen soll statt 8,99 Euro nun 9,99 Euro kosten. Experten erwarten eine erneute Signalwirkung für die Konkurrenz.
Preissteigerung bei Kaffee: Rösterei Hagen in Heilbronn plant 2026 keine Erhöhung
Schon vor einem Jahr hatten Tchibo und andere Marktgrößen im ersten Quartal wegen verknappter Rohware deutliche Anpassungen vorgenommen. Das zwang auch kleinere Röstereien dazu, ihre Preise zu erhöhen. Antonia Hagen-Kettemann, Geschäftsführerin des Heilbronner Kaffee- und Teehauses Hagen, bezeichnet 2025 als „Horrorjahr“ für die Branche. „Wir mussten relativ drastisch erhöhen.“ Um rund zehn Prozent habe man die Kaffeepreise anheben müssen; das sei für den Betrieb und die Kunden ein „großer Schock“ gewesen, sagt Hagen-Kettemann. Inzwischen habe sich die Lage einigermaßen beruhigt. „Sie ist nicht weiter eskaliert“, so Hagen-Kettemann. Das Heilbronner Kaffeehaus plane für dieses Jahr keine weitere Preiserhöhung.
Kleinere Röstereien wie das Kaffee- und Teehaus Hagen seien grundsätzlich hinsichtlich ihrer Qualität nicht mit Industrieröstereien zu vergleichen, betonen die beiden Geschäftsführer Hanspeter Hagen und Tochter Hagen-Kettemann. Dennoch sei auch ihr Preis tendenziell von der Börse abhängig. „Wir versuchen, unsere Ware frühzeitig einzukaufen, damit sie unserem Qualitätsanspruch auch sicher genügt“, erklärt Antonia Hagen-Kettemann, doch der Markt bleibe unberechenbar. „Wir können nicht vorhersagen, wie es nächstes Jahr aussieht.“
Für das Kaffeehaus Hagen bleibe die Qualität oberstes Gebot: „Wir sind ausschließlich darauf ausgerichtet, Qualität zu liefern – immer mit der Hoffnung, dass die Kunden das zu schätzen wissen“, sagt Hanspeter Hagen. Nach wie vor seien Kundinnen und Kunden bereit, für diese Qualität zu zahlen. Es gebe jedoch leichte Absatzrückgänge im einstelligen Prozentbereich.
Rösterei-Inhaberin aus Horkheim: Nah an der Schmerzgrenze
Auch Lucia Fuchs, Inhaberin der Werkstatt Kaffee in Heilbronn-Horkheim, betont, dass die Kaffeepreisentwicklungen für kleine Röstereien und Betriebe sehr schwer aufzufangen seien. Ihre Preise habe sie leicht anpassen müssen, aktuell liege der Kilopreis bei 34 Euro. „Man bewegt sich immer an der Schmerzgrenze des Zumutbaren – was ist der Kunde bereit, für eine Tasse guten Kaffee zu bezahlen, und komme ich dann trotzdem finanziell hin?“, beschreibt Fuchs das Spannungsfeld.
Der jüngsten Preisanpassung des Industrieriesen Tchibo könne sie trotzdem etwas abgewinnen. Immer wieder müsse sie ihre Kaffeepreise vor Kunden rechtfertigen. „Viele kommen und fragen, warum sie bei anderen nur drei Euro und bei mir 3,50 Euro zahlen.“ Ihre Rösterei sei eben „keine große Handelskette, die Farmer beim Preis bis zur Schmerzgrenze drückt“, so Fuchs schriftlich auf Nachfrage.
Was beim Kaffeekauf beachten? Verbraucherzentrale gibt Tipps
Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gibt auf ihrer Webseite an, dass die Zahlungsbereitschaft für faire und nachhaltige Produkte wächst. Trotzdem sehe man die hohen Kaffeepreise kritisch, besonders für Menschen mit niedrigem Einkommen, die einen größeren Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen, heißt es dort.
Verbrauchern wird deshalb geraten, Grundpreise zu vergleichen. So seien Bio- oder Fairtrade-Produkte nicht automatisch teurer, sondern teilweise sogar günstiger als andere Produkte. Auch Eigenmarken seien oft preiswerter als bekannte Marken, auch in Bio- oder Fairtrade-Qualität. Auch die Zubereitungsart mache einen Unterschied – gemahlener Kaffee ist deutlich günstiger als Kaffeekapseln. Bei richtiger Lagerung sei er mehrere Wochen haltbar.
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