Projekt Pink wird ausgeweitet: Inklusionspädagogen bereichern Heilbronner Kitas
Warum Abteilungsleiterin Sonja Fischer das Konzept eigentlich gern viel schneller in allen 115 Heilbronner Kitas etablieren würde, aber das nicht geht. Inklusionspädagogen sind dabei einmal die Woche in der Kita, arbeiten mit Kindern mit Beeinträchtigung und sehen deren Hilfebedarf.

„Pink“, das Projekt für Inklusion in Heilbronner Kindertagesstätten, verbucht die Stadt Heilbronn als Erfolgsgeschichte. „Das Ziel ist, das Konzept stufenweise auszubauen und in allen 115 Kita-Standorten in Heilbronn zu etablieren “, sagt Sonja Fischer, Abteilungsleiterin Frühkindliche Bildung und Erziehung beim Amt für Familie und Erziehung der Stadt Heilbronn. Bislang profitierten rund 25 Kitas davon.
„Inklusionspädagogen sind Mangelware. Das ist der Grund, warum wir so langsam ausweiten“, sagt Fischer. „Sonst ginge es schneller.“ Fischer betont den Rechtsanspruch der Kinder auf Teilhabe. „Das wollen wir umsetzen. Schnell und niederschwellig.“ Freie Träger und Einrichtungen der Stadt Heilbronn sind mit im Boot.
Auch das Personal in den Heilbronner Kitas wird entlastet
Das Projekt funktioniert so: Seit 2017 kommt ein Inklusionspädagoge einmal pro Woche für mehrere Stunden an eine von mehreren Kitas in seinem Zuständigkeitsbereich. Dort arbeitet er heilpädagogisch mit Kindern mit Beeinträchtigungen und fördert sie. Laut Fischer liegen die Vorteile auf der Hand: Inklusion der Kinder, Entlastung des Kitapersonals, besserer Kontakt zu den Eltern und weniger Bürokratie. Denn wenn es Bedarf an weiterführender Hilfe gibt, kann diese unbürokratisch in die Wege geleitet werden, ohne dass die Eltern eine Diagnose einholen und Anträge auf Eingliederungshilfe stellen müssen.
Bei Pink gibt es in Heilbronn bislang vier Verbünde, für die vier Inklusionspädagogen zuständig sind. Jeder hat fünf bis sieben Kitas, die er einmal pro Woche besucht. Nun soll eine fünfte Kraft dazukommen und dementsprechend ein weiterer Verbund entstehen. Wo, ist aber noch offen.
Verdachtsfälle auf Autismus haben stark zugenommen
Auslöser für die Planung war, dass die Zahlen der integrativen Hilfen in Kindertagesstätten seit dem Jahr 2013 stetig angestiegen waren und die Kitas meldeten, dass sie mehr Unterstützung bräuchten. Durch die Inklusionspädagogen haben sich die Fallzahlen stabilisiert, so Fischer.
Auffällig sei, dass in den vergangenen zwei, drei Jahren die Verdachtsfälle auf Autismusspektrumsstörung stark zugenommen haben. Im Bericht 2020 habe das noch kaum eine Rolle gespielt. „Damals lagen die meisten Auffälligkeiten im sozio-emotionalen Bereich.“ Lag das Budget, das der einzelne Inklusionspädagoge einsetzen konnte, bei 30.000 Euro, laufen die Kosten für Kinder mit Autismusverdacht über einen anderen Topf mit anderen Fördermöglichkeiten. Hier wurde das Budget jüngst auf 50.000 Euro angepasst.
FSJler und Bufdis werden dringend gesucht
Ein Wermutstropfen bleibt die Personalsituation. Dringend werden Kräfte gesucht, auch als Begleitung von Kindergartenkindern. Vier Stellen für Bufdis (Bundesfreiwilligendienstleistende) oder FSJler (Teilnehmer am Freiwilligen Sozialen Jahr) hat das Amt extra in dem Bereich geschaffen. Zwei sind vakant. „Das wäre eine super Unterstützung, hier mehr Leute zu haben“, sagt Fischer.
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