Pointen auf Wanderschaft: Spassix-Comedy-Nacht in Heilbronn und Neckarsulm

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Pointen auf Wanderschaft: Bei der Spassix Comedy Nacht ziehen die Künstler von Lokal zu Lokal. Im Neckarsulmer Brauhaus erlebt das Publikum abwechslungsreiche Stand-Up-Comedy hautnah. 

Von Lea Kobs
Bei der Spassix Comedy Nacht überzeugt Özgür Cebe im Neckarsulmer Brauhaus mit mutigen Pointen und kreativer Gesangseinlage.
Foto: Lina Bihr
Bei der Spassix Comedy Nacht überzeugt Özgür Cebe im Neckarsulmer Brauhaus mit mutigen Pointen und kreativer Gesangseinlage. Foto: Lina Bihr  Foto: Lina Bihr

Während die Gäste entspannt an ihren Tischen sitzen bleiben, zieht der Humor weiter: Bei der Spassix-Comedy-Nacht wandert nicht das Publikum durch die Stadt, sondern die Comedians. Das Format kommt gut an: Das Brauhaus ist einer von sechs Veranstaltungsorten in Neckarsulm und Heilbronn und voll besetzt. 

Es wird gelacht und applaudiert, gelegentlich aber auch laut aufgestöhnt.

Klare Haltung

Özgür Cebe eröffnet den Abend. Selbstbewusst und pointiert holt er das Publikum schnell ab. Gleich zu Beginn setzt er mit dem Satz „Für die Minderheitsquote muss ich ein paar Migrantenwitze erzählen“ den Ton: politisch und bewusst provokant. Cebe greift Themen von Genderdebatten bis Alltagsdiskriminierung auf und bezieht Stellung.


Dabei bewegt sich Özgür Cebe nah an den Grenzen des Sagbaren, etwa mit Verweisen auf historische Figuren oder Kritik an woker Debattenkultur, löst aber manche seiner Zuspitzungen mit Pointen auch wieder auf. Ebenso spontane Interaktionen, etwa zur politischen Einstellung des Publikums, gehören zu seinem Auftritt. Der Comedian nimmt kein Blatt vor den Mund, trifft damit aber den Geschmack vieler Zuschauer. Für Bettina Jung aus Hardthausen ist Cebe der Favorit des Abends: „Er hat einfach frech von der Leber geredet, ausgeteilt aber auch sich selbst auf die Schippe genommen. Das fand ich super.“

Überraschend

Der Höhepunkt des Abends ist der Auftritt von Maurice Grange, mit 21 Jahren der jüngste Künstler. Vom Publikum erhält er den lautesten Applaus. Charmant beginnt er mit einem Alterswitz: „Sie fragen sich jetzt bestimmt: Muss der nicht schon im Bett sein?“, bevor er seine Mischung aus Comedy und Zauberkunst präsentiert. Der „Halbfranzose und Halbschwabe“ spielt dabei gekonnt mit kulturellen Klischees und löst diese mit viel Charme und Selbstironie auf. Maurice Grange, Europameister der Zauberkunst, kombiniert klassische Tricks mit humorvollen Elementen.

Obwohl Kartentricks und Zauberwürfel bekannt sind, wirkt seine Darbietung frisch, unterhaltsam und verblüffend. Er überzeugt zudem durch direkte Interaktion mit dem Publikum und einem hohen Tempo. Sein Programm reicht von spontanen Gags, authentischen Imitationen bis zu aktuellen Themen. Für Nico Neumitz aus Neudenau war Maurice Grange der stärkste Künstler des Abends. Franziska Börner aus Lauffen beschreibt den Auftritt als „jugendlich und herzlich“, Lacher garantiert.

Geschmackssache

Kurz nach 21 Uhr betritt Stimmenimitator Christian Korten aus Wuppertal die Bühne. Zwar stellt er einen Bezug zur Stadt her, etwa mit Witzen über Audi-Mitarbeiter, das Publikum vollständig zu begeistern gelingt ihm im Gegensatz zu seinen Vorgängern weniger.

In Parodien bekannter Persönlichkeiten wie Rainer Calmund, Udo Lindenberg, Angela Merkel oder Friedrich Merz zeigt er sein Können und sorgt für Lacher im Publikum. Einige Witze befinden sich aber schon jenseits der Grenze des guten Geschmacks und kommen auch nicht immer gut im Publikum an.

Den Schlusspunkt setzt Stefan Kurz aus Augsburg. In seinem Programm spricht er über verwunderte Blicke in seinem Alltag als Vater von fünf Kindern, aber mit Glatze und vielen Tattoos. Zudem interagiert er spontan und gekonnt mit dem Publikum. Er wirft Fragen zum Älterwerden auf, wodurch er einen nahbaren Inhalt für die Zuschauer anbietet. Stefan Kurz ist zum ersten Mal bei Spassix dabei und zieht im Nachhinein ein positives Fazit: „Das Publikum war je nach Location unterschiedlich, aber im Neckarsulmer Brauhaus und im Alten Theater in Heilbronn war es besonders gut.“

Kurz kann sich vorstellen auch bei der nächsten Veranstaltung wieder dabei zu sein. Ähnlich geht es vielen Zuschauern und Zuschauerinnen. Der Abend zeigt, wie wie gut Stand-Up funktioniert: direkt, spontan und nah am Publikum. „Das ist einfach etwas ganz anderes als im Fernsehen“, sagt Besucherin Bettina Jung.




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