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Für 30 Millionen Euro
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Heilbronner Richard-Drautz-Stiftung baut neues Pflegeheim in Böckingen

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Die Richard-Drautz-Stiftung errichtet in Heilbronn-Böckingen ein neues Pflegeheim mit 105 Plätzen. Die Abrissarbeiten am bisherigen Gebäude in der Stettener Straße haben bereits begonnen.


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Der Bagger greift in das 50 Jahre alte Gebäude der Stettener Straße 6, Betonfragmente türmen sich neben dem ehemaligen Übergangswohnheim, das die Richard-Drautz-Stiftung 2019 von der Gewo gekauft hatte, und das nun weichen muss.

Weil der Seniorenheim-Komplex auf der Schanz in Heilbronn-Böckingen nicht mehr aktuellen Anforderungen der Landesheimbauverordnung entspricht, erstellt die Stiftung ein neues Haus. Die seitherige Pflege zieht dann um, die Anzahl der Plätze steigt somit nicht. 105 Plätze soll es hier künftig geben, 15 von ihnen sind explizit für die Kurzzeitpflege vorgesehen. Bislang gab es lediglich eingestreute Plätze.

Heilbronner Stiftung erhält 750.000 Euro vom Land für Kurzzeitpflegeplätze

Für die neue, dann fest etablierte Kurzzeitpflege, erhält die Stiftung einen Zuschuss von 750 000 Euro aus dem Innovationsprogramm Pflege des Landes Baden-Württemberg.

Auf dem Areal des Gebäudes in der Stettener Straße, das abgerissen wird, entstehen 105 Pflegeplätze bis 2028. Die seitherige Pflege zieht dann hierhin um.
Auf dem Areal des Gebäudes in der Stettener Straße, das abgerissen wird, entstehen 105 Pflegeplätze bis 2028. Die seitherige Pflege zieht dann hierhin um.  Foto: Seidel, Ralf

Die Idee ist, dass pflegende Angehörige hier eine Anlaufstelle haben, wenn auch sie einmal in Urlaub fahren oder eine Kur beantragen. Denkbar ist auch für Heimleiterin Elisabeth Palinkas, die Kurzzeitpflege für jüngere Menschen mit Behinderung zu öffnen. „Wir betreten mit einem Angebot in dieser Form Neuland, und wir tragen auch ein wirtschaftliches Risiko“, sagt Stiftungsvorstand Peter Haunß.

Die meisten Anfragen kommen aus den SLK-Kliniken Heilbronn

„Zu 80 Prozent“ kommen Anfragen allerdings schon jetzt von den SLK-Kliniken Heilbronn. Deren Sozialdienst fragt verstärkt nach solchen Optionen an, weil alleinstehende Patienten, etwa nach Operationen, zwar entlassen werden, aber nicht daheim ohne Hilfe zurecht kommen. Denkbar wäre es, überlegt Peter Haunß, „zum Beispiel fünf Plätze gedanklich für die Klinik zu reservieren“.

„Wir haben generell rund 15 Anfragen täglich, was die Aufnahme bei uns angeht“, sagt Palinkas. Sechs Wochen können Senioren so überbrücken. Anschließend stationär aufgenommen werden kann man nur, wenn ein Platz frei wird. Im vergangenen Jahr waren das 25.

Heilbronner Stiftung muss anvisierte Kosten von 30 Millionen Euro selbst finanzieren

Insgesamt liegen die anvisierten Kosten für den Neubau bei 30 Millionen Euro. „Ich hoffe nicht, dass es mehr wird,“ so Haunß. „Wir müssen alles selbst finanzieren.“

Perspektivisch werde der Investitionszuschuss, den die Bewohner zahlen, deutlich in die Höhe gehen. „Der Pflegeheimplatz wird für den Einzelnen rund 1000 Euro mehr kosten im Monat“, so Peter Haunß. „Derzeit haben wir weniger als 20 Prozent Sozialhilfeempfänger.“

Dieser Anteil werde vermutlich steigen. Aktuell liegt die Zuzahlung bei 2500 bis 3000 Euro und damit im oberen Drittel im Vergleich zu anderen Heimen“, so Palinkas.

Mit der Neukonzeption setzt die Richard-Drautz-Stiftung Vorgaben der Landesheimbauverordnung um. „Wir sind derzeit das einzige Pflegeheim in Heilbronn, das neu baut“, sagt Leiterin Elisabeth Palinkas. Stolz ist sie auf den „kurähnlichen Charakter der Einrichtung“, eine Arztpraxis ist angeschlossen. Im Neubau ist ein Foyer mit Empfang, Sitzgruppe, Kaminzimmer und Bibliothek geplant. Auch einen Multifunktionsraum soll es geben. Viel Wert legt sie auf die Küche, denn in der Anlage werden täglich bis zu 250 Essen gekocht, externe Besucher können sich anmelden. Rund 80 Prozent der Bewohner kommen aus Böckingen. 60 Personen sind im betreuten Wohnen. Die Wartezeit auf einen Platz dort beträgt bis zu dreieinhalb Jahre. 

Neues Pflegeheim in Heilbronn-Böckingen: Drautz-Stiftung setzt auf Holzmodulbau und Komfort

Im Neubau sollen zwei Wohngruppen pro Etage entstehen. Die Zimmer sind mit rund 21 Quadratmetern größer als rechtlich vorgeschrieben. „Außerdem würden wir gern drei, vier Wohnungen für Mitarbeiter schaffen, denn es ist schwer für sie, auf dem Markt etwas zu finden.“ Der Start für den Neubau ist für Sommer 2026 anberaumt, im späten Frühjahr 2028 könnten die ersten Bewohner einziehen. Die Entscheidung fiel auf einen Neubau mit Außenhülle aus Holz, in modularer Bauweise errichtet, bei der Elemente komplett installiert werden, was Zeit spart. Danach wird das Gründungshaus saniert, möglicherweise werden Hospizplätze oder Tagespflege installiert. Doch das ist Zukunftsmusik.

„Erstmal sind wir stolz auf das Neubauprojekt“, sagt Haunß. „Das ist die größte Investition, die die Stiftung je getätigt hat.“ Vom Speisesaal mit Terrasse, auf der die Bewohner auch essen können, bis zu Entscheidungen, die im Alltag sehr wichtig sind, ist die Führung eingebunden. „Wir haben zum Beispiel Deckenlifter in jedem Zimmer, was eine Erleichterung ist für die Mitarbeiter.“




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