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Andacht im Dunkeln: Osterfeuer in Klingenberg mit „besonderer Stimmung“ 

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Das Feuer am Ostersonntag organisiert die Familie Rügner seit 2004. Jedes Jahr treffen sich seitdem nicht nur die Klingenberger, um am frühen Morgen das Osterfest zu feiern.


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Noch ist es dunkle Nacht, kaum ein Auto ist am Ostersonntag um kurz vor halb sechs auf den Straße unterwegs. In den Häusern ist es dunkel, die meisten Menschen schlafen. Nur in Heilbronn-Klingenberg machen sich gut hundert Personen auf den Weg. Dick eingepackt in Jacken, Mützen und Schals laufen Groß und Klein auf die Felder oberhalb der Kindertagesstätte Regenbogen. Sie kommen zusammen, um gemeinsam mit Liedern, einer Andacht und einem Osterfeuer in den Feiertag zu starten.


Früher Start in den Ostersonntag: Familie Rügner organisiert Osterfeuer in Klingenberg

Und dafür kommen sie nicht nur aus Klingenberg. Michael Wagner hat sich bereits um 4:45 Uhr auf den Weg gemacht. Der 54-Jährige ist zu Fuß aus Nordheim gekommen, mit seinem Hund. „Dann ist die Gassi-geh-Runde schon erledigt“, erklärt er.

Sie wollen sich aufmachen, „aus dem Dunkel der Nacht und dem Dunkel Jesu Grab, ins Helle“, erklärt Diakon Stefan Buck in seiner Andacht auf der Feldwegkreuzung. Als der 23-jährige Roman Rügner unter anderem mit Hilfe von Pfadfindern den etwa drei Meter hohen Stapel aus Wengertrebstöcken, Tannen- und Obstbaumreisig sowie Stroh entzündet, beginnt es gleich laut zu knistern. Funken fliegen, die Flammen erhellen die Dunkelheit und es wird merklich wärmer.

Osterfeuer auf dem Feld: Aktion in Klingenberg startet in der Dunkelheit

Das Material haben sie Samstagfrüh aufgebaut, erklärt Roman Rügner, da kein Regen in Aussicht war. In das Feld hatten sie zuvor eine Vertiefung gegraben, die Erde kommt am Ende wieder drauf, um die Fläche weiter landwirtschaftlich nutzen zu können. Auch für die Sicherheit ist gesorgt, der Klingenberger erzählt, dass die Feuerwehr vorab über das Feuer informiert wurde. Passieren könne um diese Jahreszeit theoretisch nichts. Im Zweifelsfall komme aber Hilfe von Feuerwehr und Landwirten. „Die Glut wird jetzt bewacht, bis sie nicht mehr brennbar ist“, sagt der 23-Jährige mit Blick auf den heruntergebrannten Stapel.

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Kein Jahr ohne Osterfeuer: Veranstaltung seit 2004 in Heilbronn-Klingenberg

Romans Oma, Regina Rügner (73), war früher Kirchengemeinderätin in der evangelischen Kirche Klingenberg und ist noch immer engagiert. 2004 habe es das erste Osterfeuer gegeben. Damals gab es eine Jugendgruppe in der Kirche, mit der ihre Tochter die Aktion ins Leben gerufen habe. „Das hat sich bis heute gehalten“, es habe kein Jahr ohne das Feuer gegeben.

„Wir sind hier schon im Schneesturm gestanden“, erzählt Bernd Wagner. Der 84-Jährige aus Klingenberg ist jeden Ostersonntag dabei. „Das ist alles nur möglich, weil die Familie Rügner hier den Acker zur Verfügung stellt und alles organisiert“, betont er. Sie kümmern sich um das Feuer, das anschließende Frühstück und die Tische, erklärt Regina Rügner und spricht von einer „ganz besonderen Stimmung“ bei der Veranstaltung. Es sei kein klassischer Gottesdienst wie in der Kirche, sagt Enkelin Elena Rügner (24).

Ob der Osterhase schon da war? Jung und Alt beim Osterfeuer auf den Feldern

Margit Schlenker ist sich sicher: „Das ist wirklich etwas einzigartiges.“ Die 42-Jährige kümmert sich seit etwa drei, vier Jahren mit ihrer Familie um die musikalische Begleitung der Veranstaltung. Der achtjährige Sohn Max etwa spielt Cello, keine einfache Aufgabe im Freien und im Dunkeln. Das frühe Aufstehen, erklärt er, „das war voll einfach“. Sicher spiele auch die Freude auf den Osterhasen mit hinein, vermuten seine Mama und Papa Paul (52). Wenn sie wieder daheim sind, wollen sie schauen, ob das Langohr schon da war.

Auch die 13-jährige Tochter Sina ist regelmäßig beim Osterfeuer mit dabei und spielt auf der Gitarre. „Für diesen einen Tag ist es wirklich schön“, sagt sie mit Blick auf das frühe Aufstehen. Auch ihre beste Freundin Elisabeth Lechleitner ist zu dieser frühen Zeit aufs Feld gekommen. Sie komme sicher schon seit sechs oder sieben Jahren, vermutet die 14-Jährige. Und Elisabeths Mutter, Christin Lechleitner (52) erklärt, „das Singen, das Feuer, dass es langsam hell wird“, das sei das Schöne an der Aktion.




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