Spritpreis-Schock ab Montag? Autofahrer in Heilbronn mit Ansturm auf Tankstellen
Nach dem Angriff auf den Iran haben Autofahrer am Sonntag in Heilbronn verstärkt getankt. Der Ölpreis ist deutlich gestiegen, Experten warnen vor weiter steigenden Preisen.
An den Tankstellen in der Region herrscht am Sonntag mehr als der übliche Wochenendbetrieb. „Uns wurde gesagt, dass das mit dem Angriff auf den Iran zusammenhängen dürfte“, sagt die Dame an der Kasse einer Tankstelle in der Stuttgarter Straße in Heilbronn.
Noch sind die Preise schließlich günstig. In Heilbronn schwanken die Spritpreise am Sonntag zwischen 1,63 und 1,78 für einen Liter E10. Ob es so bleibt, wird sich am Montag zeigen.
Angriff auf Iran treibt Ölpreis nach oben: Sorge vor Hormus-Blockade
Am Freitagabend kostete das Fass Rohöl der Sorte Brent zu 159 Liter jedenfalls noch 73,15 Dollar. Am Samstagmorgen um 10 Uhr, mit Eröffnung des Handels, sprang der Preis auf 80,12 Dollar, um sich bis Handelsschluss um 13 Uhr auf 79,42 Dollar einzupendeln. Am Sonntag stieg der Preis bis zum Nachmittag auf 87,12 Dollar, sank dann aber bis zum Abend auf 84,12 Dollar je Barrel. Innerhalb einer Woche legte der Preis damit um mehr als 18 Prozent zu, seit Jahresbeginn sogar um mehr als 38 Prozent.

„Die gesamten Flüssiggasexporte von Katar werden mit Schiffen durch das Nadelöhr in der Straße von Hormus transportiert. Erdöl, Erdgas und Benzin werden sich also verteuern und damit die weltweite Inflation befeuern“, warnte am Mittag Matthias Geissbühler, Anlagechef bei der Raiffeisen Bank, in einem Interview mit „20 Minuten Schweiz“. „Bei einer kompletten und länger andauernden Totalblockade dürften wir gar Ölpreise von weit über 100 US-Dollar pro Barrel sehen.“
Bundeswirtschaftsministerin Katherian Reiche sagte am Abend, Deutschland sei von den ausbleibenden Flüssiggas-Transporten nicht betroffen, es drohe keine Gasknappheit. 90 Prozent der Gasimporte kämen per Pipeline aus Norwegen, Belgien oder den Niedferlanden, nur zehn Prozent seien Flüssiggas und kämen überwiegend aus den USA und Kanada.
Opec-Staaten wollen Förderung erhöhen
Immerhin wollen acht Ölförderländer ihre Produktionsmengen ab April deutlich stärker anheben als von Analysten ursprünglich erwartet. Insgesamt wird die Tagesproduktion um 206.000 Barrel (je 159 Liter) gesteigert, wie die Kerngruppe des Ölkartells Opec+ nach einer Online-Sitzung mitteilte.
Die globale Ölproduktion betrug nach Angaben der Internationalen Energieagentur zu Jahresbeginn 106,6 Millionen Barrel pro Tag.
Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus
Die Staaten der Opec+ könnten zwar Ausfälle aus dem Iran ausgleichen, doch sie haben nicht genug freie Produktionskapazitäten, um eine Hormus-Blockade wettzumachen, warnten die Analysten der Commerzbank kurz vor Beginn der jüngsten Eskalation. Der Iran hatte die wichtige Schiffahrtsstraße aus dem Persischen Golf heraus für blockiert erklärt. ImLaufe des Sonntags wurden mehere Angriffe auf Schiffe in diesem Bereich gemeldet.
So sei der Öltanker „Skylight“ etwa neun Kilometer vor der omanischen Küste bei Musandam getroffen worden, meldete die Nachrichtenagentur Oman News Agency unter Berufung auf das omanische Zentrum für maritime Sicherheit. Dabei seien vier Personen verletzt worden. Die Seehandelsaufsicht der britischen Marine (UKMTO) meldete einen weiteren Vorfall etwa 90 Kilometer nordöstlich der omanischen Hauptstadt Maskat. Ein Schiff sei von einem unbekannten Geschoss getroffen worden, hieß es. Ein Brand im Maschinenraum sei unter Kontrolle. Ein dritter Vorfall habe sich etwa 30 Kilometer nordwestlich des Hafens von Ras al-Chaima in den Vereinigten Arabischen Emiraten ereignet. Ein Schiff sei dort ebenfalls von einem unbekannten Geschoss getroffen worden. Der davon ausgelöste Brand konnte gelöscht werden. Das Schiff wolle seine Reise demnach fortsetzen.
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