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Precht beim Heilbronner Neujahrsempfang: Zuversicht trotz Zeitalter der Krisen

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Rund 2000 Besucher sind zum Neujahrsempfang in die Harmonie gekommen: Oberbürgermeister Harry Mergel skizzierte die zentralen Zukunftsprojekte der Stadt. Spannende Denkanstöße gab es von Philosoph und Bestsellerautor Richard David Precht.

Der Philosoph und Bestsellerautor Richard David Precht mahnte zu einem neuen gesellschaftlichen Umgang mit Wandel und Unsicherheit.
Der Philosoph und Bestsellerautor Richard David Precht mahnte zu einem neuen gesellschaftlichen Umgang mit Wandel und Unsicherheit.  Foto: Berger, Mario

Große Umbrüche, aber auch große Chancen – dieser Spannungsbogen prägte den Neujahrsempfang der Stadt Heilbronn. Oberbürgermeister Harry Mergel zeichnete das Bild einer Stadt, die sich ihrer Herausforderungen bewusst ist, zugleich aber selbstbewusst auf ihre Potenziale blickt. Ein zentrales Ziel bleibe es, die Innenstadt sicher und attraktiv zu halten. Entscheidend sei dabei, Entwicklungen nicht über die Köpfe der Menschen hinweg zu gestalten: Bürgerbeteiligung solle bei allen großen Projekten eine tragende Rolle spielen.


Heilbronner Neujahrsempfang: Diese Themen standen im Fokus 

Im Mittelpunkt der städtischen Strategie steht laut Mergel unter anderem die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Heilbronn. Um Fachkräfte zu sichern, brauche es eine enge Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft. Sinnbild dafür sei die geplante Erweiterung des Bildungscampus, die nicht nur zusätzlichen Raum für neue Institutionen schaffen, sondern auch Stadt und Campus enger miteinander verbinden soll.

Studierende sollen stärker in die City geholt werden und umgekehrt Heilbronner mehr Bezugspunkte zum Campus haben, räumlich wie gesellschaftlich.

Rund 2000 Gäste verfolgten den Neujahrsempfang der Stadt Heilbronn in der Harmonie. Die kostenfreien Eintrittskarten waren binnen eines Tages vergriffen.
Rund 2000 Gäste verfolgten den Neujahrsempfang der Stadt Heilbronn in der Harmonie. Die kostenfreien Eintrittskarten waren binnen eines Tages vergriffen.  Foto: Berger, Mario

Für die Landschaftsarchitektur zeichnet das Büro Sinai verantwortlich, das bereits maßgeblich an der Planung der Bundesgartenschau 2019 beteiligt war. Die städtebaulichen Entwürfe stammen von Robertneun Architekten aus Berlin. Die Jury entschied einstimmig.

Eng verknüpft mit der wirtschaftlichen Zukunft ist der Ipai (Innovationspark Künstliche Intelligenz). Der Spatenstich fand vergangenes Jahr am 21. Oktober im Beisein des Bundeskanzlers statt. Für Mergel ist der Ipai die „Lebensversicherung für den Wirtschaftsstandort Heilbronn“.

„Wir unterschätzen uns“: OB wünscht sich mehr Zuversicht 

Kein Unternehmen, keine Verwaltung werde künftig ohne Künstliche Intelligenz auskommen. Einen selbstkritischen, zugleich optimistischen Ton schlug Mergel beim Blick auf die Stadt selbst an. „Wir unterschätzen uns“, sagte er und verwies auf die privilegierte Lage Heilbronns mit Weinbergen, Neckar und ehemals industriell genutzten Flächen, die heute grüne Oasen seien. „Wir sind eine Stadt, die über viele Potenziale verfügt.“

Das Schöne zu sehen, heiße nicht, die Probleme der Stadt schönzureden. Gleichwohl betonte Mergel, dass Heilbronn vor denselben Herausforderungen wie andere Städte in Deutschland auch stehe. „Bei jedem Problem gibt es Lösungen, man muss demokratisch darüber diskutieren.“ Am wichtigsten sei es aber, die Zuversicht nicht zu verlieren.

„Heilbronn verfügt über viele Potenziale.“OB Harry Mergel

Den Bogen weiter zur konkreten Stadtentwicklung schlug Julia Hufnagel, Leiterin des Urban Sustainability Office. Heilbronn wurde mit dem European Green Capital Award 2027 ausgezeichnet. „Es geht nicht darum, die grünste Stadt zu werden, sondern die Transformationsfähigkeit zu zeigen“, betonte Hufnagel. Im Jahr 2027 solle dieser Wandel mit Veranstaltungen, internationalem Besuch sowie Ausstellungen sichtbar gemacht werden.

Richard David Precht über die Bedeutung von Daten und KI

Eine übergeordnete Perspektive brachte der eingeladene Philosoph und Bestsellerautor Richard David Precht ein. Er beschrieb die Gegenwart als ein „Zeitalter der Krisen“, ausgelöst durch drei globale Revolutionen, die zeitgleich auf die Gesellschaft einwirkten: die Nachhaltigkeitsrevolution, die aus seiner Sicht viel zu langsam voranschreite, den Beginn des zweiten Maschinenzeitalters mit Künstlicher Intelligenz sowie die geostrategische Revolution, verbunden mit tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbrüchen.

„Was früher Herren über Felder waren, sind heute Herren über Daten“, sagte Precht mit Blick auf die KI. Es sei eine enorme Gestaltungsaufgabe, zu verhindern, dass künftig wenige globale Technologiekonzerne die Spielregeln der Welt bestimmen. All diese Entwicklungen führen laut Precht zu einer massiven Überforderung und zu einem verstärkten Vertrauensverlust.

Umso wichtiger sei es, andere Meinungen auszuhalten, unterschiedliche Positionen stehen zu lassen und das Vertrauen in positive Entwicklungen nicht zu verlieren. Nur so könne eine liberale Demokratie funktionieren.




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