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"Machen das Stadtbild sauber": Junge Muslime beseitigen Silvestermüll in Heilbronn

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Junge Mitglieder der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde räumen auch in diesem Jahr den Silvestermüll in der Heilbronner Innenstadt weg – und können sich einen kleinen ironischen Seitenhieb auf die Stadtbild-Debatte nicht verkneifen.

Von Stefanie Pfäffle

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Es ist bitterkalt am Neujahrsmorgen. Die Mitarbeiter des Betriebsamts fahren mit Kehrmaschinen durch die Fußgängerzone von Heilbronn, um für die ersten Spazier- oder Kirchgänger ein möglichst sauberes Stadtbild zu schaffen. Neben den sieben Hauptamtlichen ist da aber auch eine große Gruppe an Freiwilligen unterwegs.

Über 40 Helfer der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde Heilbronn sind mit Greifzangen, Handschuhen und Müllsäcken ausgerüstet unterwegs und sammeln das ein, was Feierfreudige beim Feuerwerk in der Nacht zurückgelassen haben. „Wir machen das schon seit 30 Jahren, für uns ist das längst eine Tradition“, erzählt Sprecher Philip Shahid.

Aufräumaktion in Heilbronn am Neujahrsmorgen; „Wir machen das Stadtbild sauber"

Deutschlandweit ist die muslimische Gemeinde, deren Mitglieder ihre Wurzeln meist in Pakistan haben, in über 250 Städten um diese Zeit unterwegs. Bereits um 5.30 Uhr trafen sie sich zum gemeinsamen Gebet mit anschließendem Frühstück, um dann zusammen ans Werk zu gehen.

Mit Greifzangen, Müllsäcken und Handschuhen ausgerüstet, ziehen die Gemeindemitglieder durch die Innenstadt und räumen den Müll anderer Leute weg.
Foto: Pfäffle
Mit Greifzangen, Müllsäcken und Handschuhen ausgerüstet, ziehen die Gemeindemitglieder durch die Innenstadt und räumen den Müll anderer Leute weg. Foto: Pfäffle  Foto: Pfäffle, Stefanie

„Wir machen das Stadtbild sauber, wenn es am schlimmsten ist, am Neujahrsmorgen“, meint Philip Shahid mit leicht ironischem Unterton. Der Generalverdacht, unter dem Muslime stehen, schwingt immer mit. Mit dieser Aktion, nur eine von vielen, wollen sie zeigen, dass sie als Teil der Lösung gesehen werden können, etwas zum Gemeinwohl beitragen.

Das Müllsammeln organisiert die Heilbronner Jugendorganisation der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde

Organisiert wird das Müllsammeln vor Ort immer von der jeweiligen Jugendorganisation. „Ich schreibe nur eine Nachricht und alle kommen, es ist ganz einfach“, freut sich Jugendsprecher Asad Ahmed. Ihm ist es besonders wichtig, schon die jungen Gemeindemitglieder frühzeitig ans Ehrenamt heranzuführen. Vom K3 aus sind sie losgezogen, durch die Sülmercity und an der Allee entlang bis zur Allee-Post, dann die Kaiserstraße runter. Jetzt ist eine kurze Pause mit wärmendem Chai und natürlich einem Gruppenfoto auf dem Marktplatz angesagt, der Instagram-Beitrag darf nicht fehlen. Tue Gutes und rede darüber.

Aufräumaktion nach Silvesternacht in Heilbronn: "Weniger Müll als früher“ 

„Es ist viel weniger Müll als früher“, stellt Aden Mahmood fest. Da seien in der ersten Stunde schon mal 20 bis 30 Säcke zusammengekommen, heute sind es keine zehn. Die Verbotszonen scheinen zu wirken, die Gemeinde begrüßt das. Feuerwerk ist bei ihnen nicht sehr gängig. „Da ist der Umweltaspekt, aber wir denken auch, das Geld spenden wir lieber für einen karitativen Zweck, da ist es besser angelegt“, betont Philip Shahid. Abgesehen davon wäre es ja auch widersinnig, erst selbst zu böllern und dann morgens so früh aufzustehen, um zu putzen.

Weiter geht es in Richtung Insel-Hotel. Dort haben ein paar schon ordentlich vorgearbeitet. Kurze Absprache mit den städtischen Mitarbeitern – am Neckar entlang wird ihre Hilfe noch benötigt. „Wir freuen uns über die Unterstützung, gerade die Stecken der Raketen sind für die Kehrmaschinen schwierig“, erzählt Mitarbeiter Bekir Yalcin.




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