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„Momentan ist es Abzocke“ – heftige Reaktionen auf hohe Spritpreise

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Die hohen Spritpreise sorgen für heftige Reaktionen: Unter einem Instagram-Post der Stimme kritisieren Nutzer die Preissprünge und werfen Ölkonzernen Abzocke vor. Andere diskutieren Alternativen wie Homeoffice oder den Umstieg aufs E-Auto.


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Die Spritpreise in Deutschland haben erneut eine wichtige Marke überschritten – und sorgen für viele und zum Teil heftige Reaktionen. Einen Tag nachdem Diesel im bundesweiten Durchschnitt mehr als zwei Euro pro Liter kostete, hat nun auch die Benzinsorte Super E10 diese Schwelle überschritten. Laut ADAC lag der Preis am Donnerstagmorgen im Schnitt bei 2,003 Euro pro Liter. Am Mittwoch hatte er mit 1,995 Euro noch knapp darunter gelegen.

Teurer Sprit: Warum Diesel stärker auf Krisen reagiert

Auch Diesel verteuert sich weiter: Im bundesweiten Durchschnitt lag der Preis am Morgen bei 2,086 Euro pro Liter. Üblicherweise ist Diesel günstiger als E10, weil er niedriger besteuert wird. Allerdings reagiert er stärker auf Krisen, etwa weil Diesel auch als Ersatz für Gas genutzt wird und für die Industrie eine größere Rolle spielt. Im Tagesdurchschnitt – der als aussagekräftiger gilt, weil er starke Schwankungen im Tagesverlauf ausgleicht – lag der Dieselpreis am Mittwoch ebenfalls über der Zwei-Euro-Marke. Zuletzt war das 2022 der Fall.

Die Preise für Super, Super E10 und Diesel lagen am Donnerstag an vielen deutschen Tankstellen über der Zwei-Euro-Marke.
Die Preise für Super, Super E10 und Diesel lagen am Donnerstag an vielen deutschen Tankstellen über der Zwei-Euro-Marke.  Foto: Christoph Reichwein

Hintergrund der aktuellen Entwicklung ist die Eskalation im Iran-Krieg. Die Straße von Hormus, eine zentrale Route für Öl- und Gaslieferungen, wurde gesperrt. Seitdem sind Rohöl- und Gaspreise deutlich gestiegen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat angekündigt, die Preisentwicklung überprüfen zu lassen. Auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) warnte Mineralölkonzerne davor, aus der Lage Profit zu schlagen.

Spritpreise in Baden-Württemberg: Diesel im Schnitt über Zwei-Euro-Marke

Auch Autofahrer in der Region Heilbronn spüren die Auswirkungen deutlich: Die Spritpreise sind in den vergangenen Tagen gestiegen und haben bereits am Mittwoch (4. März) mancherorts die Zwei-Euro-Marke übersprungen. Aktuell (Stand: Donnerstag, 13 Uhr) beträgt der Durchschnittspreis für einen Liter Diesel laut dem Vergleichsportal clevertanken.de in Baden-Württemberg 2,065 Euro, für Super 2,019 Euro und für den Liter E10 1,962 Euro. 

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Auf der Instagram-Seite der Heilbronner Stimme wird die Spritpreis-Entwicklung intensiv diskutiert – und vielfach kritisch kommentiert. Mehr als 265 Kommentare finden sich am Donnerstagmittag unter dem Beitrag vom 4. März, in dem auch die Frage „Ab welchem Spritpreis würdet ihr euer Auto stehen lassen?“ gestellt wurde.

Ein Nutzer schreibt: „Interessant ist doch, dass die Preise schon steigen, bevor überhaupt ein echter Engpass da ist. Der Krieg hat gerade erst begonnen, aber an der Zapfsäule sofort Leute abzocken! Sehr sympathisch.“ Das sehen viele andere User ähnlich, wie die mehr als 200 „Gefällt mir“-Angaben zeigen.

Preissprünge beim Kraftstoff: Kritik an Konzernen und Blick auf Nachbarländer

Andere Kommentatoren zweifeln daran, dass der Krieg die schnellen Preissprünge erklären kann: „24 Stunden nach Kriegsbeginn steigt der Preis um über 20 Cent – für Öl, das gar nicht aus dem Golf kommt.“ Ein anderer Nutzer reagiert darauf: „Leider reagieren die Tankstellen bei uns besonders schnell. In anderen Ländern gibt es dafür andere Hebel und Gesetze.“

Ein weiterer Kommentar stellt die Importstruktur infrage: „Wird das Öl nicht größtenteils aus anderen Ländern importiert? Eigentlich sollte das keine derart starken Auswirkungen auf die Preise haben. Schade, dass bei vielen Konzernen moralische Verantwortung offenbar keine große Rolle spielt.“

Manche Nutzer vergleichen die Preise international: „Seltsam ist eher, dass es scheinbar nur in Deutschland so ist mit zwei Euro plus. In den Nachbarländern liegt der Liter bei 1,38 Euro und in den USA umgerechnet bei 0,67 Euro.“ Ein Blick auf das aktuelle Öl-Bulletin der Europäischen Kommission (Stand: 2. März) zeigt: Die Super- und Dieselpreise in Deutschland lagen zuletzt deutlich über dem Durchschnitt. Vor allem in östlichen Nachbarländern wie Tschechien und Polen war der Liter rund 40 Cent günstiger. Auch in Österreich, Frankreich, Luxemburg und Belgien zahlten Autofahrer weniger. Nur in den Niederlanden und Dänemark mussten sie teilweise noch tiefer in die Tasche greifen.

Kritik an Spritpreisen: Homeoffice und befristetes Tempolimit als Ideen

Auch Kritik an der Politik wird laut: „Bei dem desolaten ÖVP geht das gar nicht. Momentan ist es Abzocke der Ölkonzerne und vom Staat.“ Andere versuchen, pragmatische Lösungen zu finden. Ein Vorschlag: „Homeoffice wieder voll einführen. Jeder, der einen Firmenwagen hat, darf ins Büro!“ Ein Nutzer plädiert für Maßnahmen zur Verbrauchsreduzierung: „Ich wäre für ein befristetes Tempolimit, sagen wir mal bis dieser Iran-Krieg zu Ende ist.“

Andere verweisen auf Alternativen zum Verbrenner: „Umstieg auf E-Auto. Gibt auch Förderung (auch fürs Leasing). 4 bis 5 Euro pro 100 Kilometer, keine jährlichen Inspektionen, keine Steuer, 450 Kilometer Reichweite.“ Ein User setzt auf Fahrgemeinschaften – und das nicht erst seit die Preise massiv gestiegen sind.

Wieder andere sehen für sich kaum Handlungsspielraum: „Für mich gibt es da (leider) keine Grenze. Brauche zur Arbeit mit ÖPNV fast anderthalb, eher 2 Stunden einfache Strecke (wenn er überhaupt fährt und nicht gebaut oder gestreikt wird). Da zahle ich lieber aktuell mehr für den Sprit und nehme in Kauf, die Kompensation erst nächstes Jahr durch die höhere Pendlerpauschale zu bekommen.“

Und ein User nimmt es mit Humor: „Jetzt nehme ich den Hubschrauber.“




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