Mit 31 Jahren Professorin an Hochschule Heilbronn: Ricarda Schlimbach entwickelt KI für Vorlesung
In der Grundschule half Ricarda Schlimbach jüngeren, in der fünften Klasse war ihr Berufswunsch Professorin: Sie machte eine Ausbildung, hat mittlerweile zwei Doktor-Titel - und jetzt erhielt sie für eine wissenschaftliche Arbeit einen renommierten Preis.

Zwei Master-Abschlüsse, zwei Doktor-Titel, und auch eine Berufsausbildung kann Ricarda Schlimbach vorweisen: Die 33-Jährige ist seit zwei Jahren Jahren als Professorin für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Digitales Management, an der Fakultät Management und Vertrieb am Campus Schwäbisch Hall der Hochschule Heilbronn tätig. Nun hat sie für eine wissenschaftliche Arbeit den renommierten Paul-Gray-Award für den „Most Thought Provoking Article 2024“ erhalten.
Professorin werden, vor Studenten stehen und Vorlesungen halten: Dieses Ziel hat Ricarda Schlimbach schon als Fünftklässlerin am ersten Schultag am Gymnasium notiert. Und das, obwohl sie aus einer nichtakademischen Familie stammt.
Professorin werden: So kommt Ricarda Schlimbach zur Wissenschaft
Der Grund: Mit Interesse habe sie als Kind Dokumentationen im Fernsehen angeschaut. Vor den Namen der Experten, die so begeistert erklären konnten, stand häufig „Professor“. Das wollte sie werden – auch wenn sie als Mädchen nicht wissen konnte, dass die Experten nicht allwissend sind, sondern sich nur sehr gut in einem Teilbereich auskennen, erinnert sie sich.
Anderen etwas beibringen, das ist Ricarda Schlimbach schon lange ein Anliegen, Mitschülern half sie in der Grundschule. Allerdings: In einem kleinen Ort aufgewachsen, zählte nur etwas, das man in der Hand halten kann. Sie wurde Industriemechanikerin. Es folgte ein duales Studium bei Volkswagen.
Lernbegleiter fürs Studium: So müssen die Chatbots gestaltet sein
Bei der Hochschule Heilbronn hat Ricarda Schlimbach eine Lehr-Professur, den Preis erhielt sie für eine Forschungsarbeit rund um Künstliche Intelligenz. Darin geht es um die Frage, wie virtuelle Lernbegleiter gestaltet sein müssen, damit Studenten in ihnen einen Mehrwert sehen. Nun erhält sie dafür die Auszeichnung. „Das ist eine große Wertschätzung für meine Arbeit“, sagt sie. Man werde international wahrgenommen.
Mit digitalen Companions, also digitalen Begleitern, befasst hat sich die Professorin schon vor Chat-GPT. Erst dieser Chatbot hat einer breiten Öffentlichkeit die Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz (KI) aufgezeigt. An der Technischen Universität Braunschweig war Ricarda Schlimbach sogar daran beteiligt, einen eigenen Chatbot „Study Buddy“ mitzuentwickeln. Früher als Chat-GPT sei er auf den Markt gekommen, dann davon überholt worden, erzählt sie.
In Schwäbisch Hall entwickelt Ricarda Schlimbach mit Studenten das KI-Tool „Lucia“
Solche Chatbots für die Hochschule halten die Professorin weiterhin fest, auch in Schwäbisch Hall. Finanziell unterstützt vom Stifterverband entwickelt sie mit den Studenten Markus Koch und Felix Wagner die Lernbegleitung „Lucia“, die ab dem kommenden Wintersemester ihre Grundlagenvorlesung im Bereich Wirtschaftsinformatik unterstützen soll. Studenten können sich mit ihr vorbereiten und beispielsweise Fragen beantworten, werden positiv bestärkt, wenn etwas nicht auf Anhieb zu 100 Prozent richtig ist. Auf andere Fächer könne „Lucia“ nicht übertragen werden. „Wir trainieren mühsam unsere Inhalte an“, sagt sie.
Die Stiftungsprofessorin der Gerhard-und-Ilse-Schick-Stiftung ist derzeit zu 100 Prozent im Bereich Lehre tätig. Forschung läuft nebenher. Eine Forschungsprofessur, wo Forschung und Lehre gleichgewichtet sind, kommt nach eigenen Angaben für sie nicht infrage. Die Lehre etwas reduzieren zugunsten der Forschung, das kann sie sich vorstellen. „Mein Herz schlägt für die Lehre“, sagt die Wissenschaftlerin.
Ricarda Schlimbach hat einen umfassenden wissenschaftlichen Lebenslauf, auf Ausgleich achtet sie dabei schon immer. Mit ihrem Partner geht sie tanzen oder belegt Kochkurse. „Wenn ich arbeite, habe ich einen klaren Fokus, wenn ich frei habe, brauche ich Abwechslung.“ Das galt bereits beim Studium: Während an Tagen vor Prüfungen ihre Kommilitonen lernten, ging sie ins Freibad.
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