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Kosten belasten Aufbaugilde

Minderwertige Spenden bringen Heilbronner Secondhand-Kaufhaus in Not

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Immer mehr kaputte oder unbrauchbare Gegenstände landen beim Secondhand-Kaufhaus in Heilbronn. Die Folge: hohe Entsorgungskosten, personeller Mehraufwand – und die Bitte an Spender, genauer hinzusehen.


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Löchrige Kleidung, Pumps mit abgeschabtem Leder, vergilbte Kaffeemaschinen, ein Blutdruckgerät, dessen Batterien ausgelaufen sind: Immer häufiger bekommt das Secondhand Kaufhaus (SHK) in der Heilbronner Austraße Spenden, die den Namen nicht verdienen. Rund 40 Prozent der abgegebenen Haushaltsgegenstände, der Gläser, Teller, Decken, Bücher oder Textilien sind inzwischen der Kategorie Müll zuzuordnen. Das ist nicht nur ärgerlich. Die Entsorgung ist auch teuer.

„Es bringt uns in große Not, wenn die Leute uns als Entsorger und Problemlöser missverstehen. Es ist wichtig zu unterscheiden zwischen Spenden, die uns helfen und Spenden, die uns schaden“, sagt Jörg Kiefer, Geschäftsbereichsleitung Märkte und Logistik. Schlug 2024 die Entsorgung dieses Mülls mit 45.000 Euro zu Buche, rechnet Kiefer für 2025 mit Kosten von mehr als 80.000 Euro. „Wenn man bedenkt, dass unsere Waren teils 50 Cent kosten, müssen wir lang stricken, bis wir so viel Geld zusammen haben“, sagt er. 

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40.000 Euro Entsorgungskosten im vergangenen Jahr, das bedeutete im Einzelnen: 25 Tonnen Papier, 120 Tonnen Restmüll, 94 Tonnen Bücher und 16 Tonnen Holz. Das sind 255 Tonnen insgesamt. Im laufenden Jahr kommen bis jetzt 184 Tonnen zusammen, aufgegliedert in 18 Tonnen Papier, 110 Tonnen Restmüll, 46 Tonnen Bücher und zehn Tonnen Holz.   

Gute Spenden sind überlebenswichtig fürs Heilbronner Secondhand-Kaufhaus

Denn natürlich ist Secondhand-Ware von guter Qualität nach wie vor essenziell fürs Kaufhaus. „Wir leben zu 100 Prozent von Spenden, wir sind darauf angewiesen und wollen auch niemanden vor den Kopf stoßen“, sagt er. Es sei gut, wenn die Kunden sich fragen: Würde ich diese Spende selber kaufen? Viele Secondhand-Kaufhäuser hätten bereits geschlossen, kleinere zögen sich zurück, um nicht weiter in die Unwirtschaftlichkeit zu rutschen.

Dabei steige die Zahl der Kunden. 82.000 waren es im ersten Halbjahr 2025, eine Zahl, die man verdrei- oder vervierfachen müsse, weil Bedarfsgemeinschaften daran hingen.  

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Aktuell dürfen im Heilbronner Secondhand-Kaufhaus nur noch zwei Kisten Ware abgegeben werden

Um des Problems etwas besser Herr zu werden, dürfen jetzt nur noch zwei Bananenkisten Ware abgegeben werden - oder zwei 60-Liter-Säcke. An Werbegeschenken wie Gummibärchen ist ein Zettel mit QR-Code befestigt. Wer ihn scannt, kann nochmal nachlesen, dass beschädigte, verschmutzte, nicht funktionsfähige Produkte nicht erwünscht sind.

Auf keinen Fall sollten Spenden auf dem Parkplatz abgestellt werden, auch nicht am Wochenende heißt es auf der Homepage. Zwar gibt es beim SHK eine Annahmestelle. Doch obwohl die Waren nicht anonym abgegeben werden, könnten die Mitarbeiter der Annahme nicht immer alles genau prüfen, sagt Kiefer. Sie müssten darauf vertrauen, dass das abgebebene Bügeleisen und die Kaffeemaschine noch funktionieren. 

Jörg Kiefer (links) und Gerald Bürkert mit Beispielen unbrauchbarer Spenden, die die Aufbaugilde teuer entsorgen muss.
Jörg Kiefer (links) und Gerald Bürkert mit Beispielen unbrauchbarer Spenden, die die Aufbaugilde teuer entsorgen muss.  Foto: Berger, Mario

Kleidersammlungen im Raum Heilbronn: DRK zieht sich teils zurück

Wo anonym gespendet wird, ist die Lage so angespannt, dass Träger die Segel streichen. Das DRK Neckarsulm nimmt wegen der rasant wachsenden Menge an nicht verwertbarer Kleidung keine Spenden für seine Kleiderkammer mehr an. Viele Stücke seien stark beschädigt oder verschmutzt und müssten teuer entsorgt werden. Auch das DRK Hohenlohe hat sich jüngst aus dem Sammeln von Altkleidern über das Containersystem verabschiedet. Das Geschäft war für den Kreisverband nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben, so die Begründung (wir berichteten).

Das DRK Mosbach, das für Heilbronn und im Neckar-Odenwald-Kreis je rund 52 Altkleidercontainer bewirtschaftet, macht dagegen weiter, auch wenn der „Alttextilmarkt vor dem Kollaps steht“, sagt der Geschäftsführer des DRK Kreisverbands Mosbach, Guido Wenzel. „Wir bleiben dabei, zunächst bis 2026, und versuchen, die Durststrecke zu überbrücken.“ Man wolle auch die Containerplätze halten, sonst wäre ein Neustart unter Umständen schwer. Früher habe das DRK mit dem Erlös der Altkleider fast seine gesamten ehrenamtlichen Dienste finanziert.      




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