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"Wie extrem darf Schule sein?" - Lehrer in einem Workshop zum Thema "Radikalisierung begegnen"

Was Lehrern auf den Nägeln brennt

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In kleinen Diskussionsrunden diskutieren Pädagogen über konkrete Probleme bei Radikalisierung unter Schülern

Von Marc Gössele
Beim Austausch über Probleme im Schulalltag sind Lehrer alles andere als maulfaul, sondern augenblicklich in der Materie.
Beim Austausch über Probleme im Schulalltag sind Lehrer alles andere als maulfaul, sondern augenblicklich in der Materie.  Foto: Seidel, Ralf

Lehrer diskutieren Probleme aus dem Schulalltag

Das Publikum diskutiert mit:  Bei "Bildung auf den Punkt'" bitten die Moderatoren zu Workshops mit  unterschiedlicher Aufgabenstellung. Mit White Board, Kärtchen und dicken Edding-Stiften. Ganz wie in der Schule. Was fällt den Lehrern ein, etwa zum Thema "Radikalisierung begegnen"? Ein Dutzend Personen hat sich frei zusammengefunden vor einem White Board. Und nur eine ganz kurze Verzögerung tritt ein - eine halbe Minute überlegen die Teilnehmer, bevor sie ihre Gedanken formulieren.

Aber damit beginnt die pädagogische Arbeit erst. Dabei herrscht viel Verunsicherung. Denn was in der Diskussion nach vorne drängt, sind Fragen aus dem Schulalltag. Wie konkret umgehen damit, wenn Schüler beginnen, sich in ihrem Denken und manchmal auch Tun zu radikalisieren? Eine dieser Fragen ist ganz entscheidend: Wo stehen Lehrer eigentlich schul- und allgemeinrechtlich gegenüber verschiedenen radikalen Ausprägungen, die Schulhöfe und auch Klassenzimmer schon lange erreicht haben? Was soll ein Lehrer tun, wenn sein Kollege auf Auschwitz-Fahrt die Zahlenkombination "88" für den verbotenen Hitlergruß nicht kennt?

Erst den eigenen Standpunkt definieren - und dann kommen die Fragen

Dann werden zuerst Grundhaltungen geklärt - denn es geht um Radikalisierung. Da will sich keiner einseitig positionieren, aber die Lehrer wissen, was sie selbst wollen und was nicht. Es gilt, die kulturellen Hintergründe der Schüler zu beachten. Hier steigt Havva Engin, Professorin am Institut für Erziehungswissenschaft der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, in das Gespräch ein. Sie bringt den Fachausdruck an: "Wovon wir reden, ist hier gesellschaftliche Einordnung." Ein Großthema. Aber: Was wohin sortieren? Es ist ein Feld, auf dem keiner blind losstürmen will, sondern jeder zunächst seine Haltung definiert.

Aber damit beginnt die pädagogische Arbeit erst. Dabei herrscht viel Verunsicherung. Denn was in der Diskussion nach vorne drängt, sind Fragen aus dem Schulalltag. Wie konkret umgehen damit, wenn Schüler beginnen, sich in ihrem Denken und manchmal auch Tun zu radikalisieren? Eine dieser Fragen ist ganz entscheidend: Wo stehen Lehrer eigentlich schul- und allgemeinrechtlich gegenüber verschiedenen radikalen Ausprägungen, die Schulhöfe und auch Klassenzimmer schon lange erreicht haben? Was soll ein Lehrer tun, wenn sein Kollege auf Auschwitz-Fahrt die Zahlenkombination "88" für den verbotenen Hitlergruß nicht kennt?

Die Schüler kennen Ausweichtaktiken

Ein tiefgreifendes Problem spricht Antje David, die Rektorin der Franz Binder Verbundschule in Neckarulm, an: "Wenn wir im Unterricht schwierige Themen durchsprechen, klappt alles. Die Schüler kennen die Problemstellungen und die Lösungen - aber sie 'tun, als ob'. Auf dem Schulhof ist alles wieder weg." Die Heranwachsenden haben sozial gelernt, und zwar "wünschenswerte" Verhaltensweisen.




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