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Künstliche Intelligenz: Ist der Hype an Schulen vorüber?

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Am Ausbildungsseminar für angehende Lehrer an Gymnasien steht Prompten auf dem Programm. Jugendliche kehren der KI aber manchmal den Rücken zu.

Auch im Unterricht ist KI ein Thema.
Auch im Unterricht ist KI ein Thema.  Foto: Oliver Berg

Chancen Künstlicher Intelligenz (KI), Risken von KI: Darüber können Christopher Muhler und Cajus Wypior lange miteinander diskutieren. Die KI-Experten am Heilbronner Ausbildungsseminar für angehende Lehrer an Gymnasien tauschen sich aus, ergänzen sich, widersprechen sich. Es ist ein angeregter Diskurs, der eines verdeutlicht: Mit KI kennen sie sich aus, sehr gut sogar. Und diese Faszination wollen sie den jungen Pädagogen weitergeben. Kürzlich haben sie ihnen in einem Kurs sogar beigebracht, was gute Prompts in KI-Anwendungen ausmacht - also wie gute Befehle aussehen, um mit einer KI zum gewünschten Ergebnis zu kommen.

Mit Programmen wie Chat-GPT erreichen seit gut eineinhalb Jahren KI-Anwendungen die breite Masse der Nutzer. Zum automatischen Handwerkszeug im Unterricht werden sie damit noch lange nicht. An der Universität Heidelberg werde KI ignoriert, sagt Cajus Wypior. Es gebe dort Berührungsängste. Bei Schülern sieht das manchmal mittlerweile ähnlich aus. Am Anfang seien sie noch begeistert gewesen. KI als Werkzeug einzusetzen,  darauf verzichteten die Kinder und Jugendlichen häufig. Grund: Handschriftlich geht es ihnen schneller. Einen guten Prompt zu erstellen, "ist richtig viel Arbeit". Cajus Wypior erlaubt den Einsatz von KI sogar in aufwendigen Hausarbeiten, sofern dies offen kommuniziert wird. 

Künstliche Intelligenz im Unterricht: Es ist aufwendig, den passenden Prompt zu erstellen

Dass Prompten aufwendig ist, weiß auch Christopher Muhler. Neulich hat er gut eine Stunde mit der KI den Unterricht vorbereitet. Zeit eingespart, sagt er, habe er damit nicht. "Mit dem Ergebnis bin ich aber zufriedener." Für Schüler könne KI eines von vielen Werkzeugen sein, auf die sie zugreifen können. Manchmal sei es den Kindern aber zu langwierig, einen passenden Befehl zu kreieren. Dann schrieben sie lieber selbst. Das sei zwar auch gut, aber man dürfe die Technik nicht außer acht lassen. Schule bereite auf die Zukunft vor, wolle mit KI vertraut machen und den kritischen Blick darauf schärfen. Für Christopher Muhler ist klar: Damit müsse man bei den Kindern früh anfangen. Cajus Wypior sieht das genauso. In den Schulen bekämen die Kinder die Handlungsfähigkeiten dafür.

Die Gesellschaft steht mit KI an der Schwelle zu einer neuen Epoche, sagt Cajus Wypior. "KI wird die ganze Gesellschaft verändern." Man dürfe den Anwendungen nicht ausgeliefert sein. Seiner Ansicht nach ist es deshalb "wahnsinnig wichtig, mit KI richtig umgehen zu können". Dass sich das Leistungsniveau der Kinder durch die Technik angleicht, glaubt er nicht: Die stärkeren Kinder würden noch stärker, sagt er. Sie könnten die KI gut einsetzen. Wer aber schwächer sei, nehme die KI-Ergebnisse an - ohne diese zu hinterfragen.

Mit KI bekommen einzelne Fächer einen neuen Stellenwert

Mit KI ändert sich Unterricht. Mit ihr wird sich vermutlich der Stellenwert einzelner Fächer ändern. Welche Rolle haben Fremdsprachen, welche Aufgabe haben Lehrer? Für Cajus Wypior ist klar, dass "der Großteil der einfachen Funktionsarbeiten" komplett von einer KI unterrichtet werden könnte. Der Schüler, so jedenfalls Christopher Muhler, könne dadurch wieder stärker in den Mittelpunkt rücken.

Am Ausbildungsseminar in Heilbronn unterrichten beide unter anderem gutes Prompten. Die Hoffnung an die Junglehrer: dass sie später "verantwortungsvoll, kritisch" mit KI umgingen, sagt Cajus Wypior. Und dass sie merken, dass nicht alles digital gemacht werden müsse, sagt Christopher Muhler.




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