Künstliche Intelligenz beim Golfen: Das steckt hinter der Idee
Von Qigong zum Golfen: Hört sich kurios an, ist aber für ein Start-up der Technischen Universität München am Campus Heilbronn ein logischer Schritt.

Beim Golfen kann einiges schief gehen. Zu schnell den Ball treffen, zu langsam, zu weit ausholen oder zu kurz: Um den richtigen Golfschwung zu haben, setzen viele Spieler auf private Trainer. Nur: Was geschieht außerhalb dieser Stunden?
Mit dem Start-up Deep Golf wollen Jonas Dunkel und Marc Mehrer eine App auf den Markt bringen, die Daten aus Smart Watches ausliest und analysiert. Spieler sollten jederzeit ein Feeback bekommen, sagt Jonas Dunkel. Es gehe nicht darum, den Trainer zu ersetzen, ergänzt Marc Mehrer, sondern eben darum, das Training zwischen diesen Stunden zu verbessern. Die beiden arbeiten mit dem Campus Heilbronn der Technischen Universität München zusammen.
Die Idee dazu stammt von Jonas Dunkel – und dabei hatte er vor seinem Start-up mit Golf gar nichts am Hut. Während des Studiums hat sich der gebürtige Heilbronner mit Qigong befasst. Er analysierte die Bewegung. Für die Masterarbeit sei schließlich mit seinem Tum-Professor der Golfsport als nächster logischer Schritt herausgekommen: Es sei ein eher statischer Sport und viele Bewegungen seien gleich, sagt er.
Rückmeldung von Golfspielern: Aus der Abschlussarbeit könnte tatsächlich mehr werden
An eine eigene Firma hat Jonas Dunkel zu diesem Zeitpunkt nicht gedacht, wichtig seien ihm Theorie und technische Umsetzung gewesen. Erst durch Rückmeldung von Golfspielern zeigte sich: Daraus könnte tatsächlich mehr werden. Und danach sieht es jetzt auch wirklich aus.
Mitgründer ist Marc Mehrer, der selbst Golf spielt und beispielsweise schon in Neckarwestheim auf der Anlage unterwegs war. Über Tum-Kontakte hörte der Fleiner, dass Jonas Dunkel bei der Umsetzung einen BWLer an der Seite brauchen könnte. Die beiden fanden zusammen, der Kontakt war geknüpft.
Es gibt schon Golf-Apps, bei denen Kameras die Bewegungsabläufe aufzeichnen und analysieren. Das Heilbronner Start-up kommt ohne Video aus. Es genügen Smart Watches, also intelligente Uhren, die bereits mit entsprechenden Sensoren ausgestattet sind. Sie können also längst aufzeichnen, wie sich ein Arm bewegt.
Die Algorithmen dahinter, um diese Datenflut zu analysieren, stammen von Jonas Dunkel. Wie viele Stunden drinstecken, damit Künstliche Intelligenz aus den Werten tatsächlich die Bewegungsabläufe analysieren kann? Er schmunzelt: nie gezählt.
Start-up erhält Unterstützung vom Tum-Professor
Von der Technischen Universität kommt Unterstützung durch Amr Alanwar, Professor für Cyber-Physikalische Systeme am Campus Heilbronn. Dessen Sensorsystem konnte das Start-up nutzen, um damit das KI-Modell zu trainieren. Er hilft den beiden gern, damit die Firma wachsen kann. Zudem können die beiden durch diese Zusammenarbeit auf ein Förderprogramm Exist zugreifen: Das unterstützt Studenten oder Absolventen, die eine Firma aus der Wissenschaft heraus gründen wollen. Es gibt 2500 Euro pro Monat und 30.000 Euro für erste Investitionen.
Zahlt jemand für die App? Das gehört mit zu den wichtigen Fragen in den kommenden Monaten. Jonas Dunkel und Marc Mehrer haben mehr vor. Datengetriebenes Training: Beide sehen viel Potenzial dafür – etwa beim Tennisaufschlag, beim Handball oder in der Physiotherapie.
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