Kriegsbeginn vor vier Jahren: Veranstaltung in Heilbronn zum Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine
Die Deutsch-Ukrainische Gesellschaft Heilbronn erinnert am Samstagnachmittag an Schicksale und Opfer des russischen Angriffskriegs. In einigen Gastreden geht es vor allem um Solidarität und Unterstützung.

Am Dienstag jährt sich der Überfall Russlands auf die Ukraine zum bereits vierten Mal. Seit dem 24. Februar 2022 besetzen russische Truppen weite Teile des Landes, doch vielerorts verteidigt sich die Ukraine erfolgreich. Die Deutsche-Ukrainische Gesellschaft Heilbronn (DUG), eine Interessenvereinigung von Exil-Ukrainern in der Region, gedenkt am Samstagmittag mit einer Veranstaltung an den, wie Nico Weinmann es nennt, „sehr traurigen Jahrestag“.
Der FDP-Landtagsabgeordnete und Stadtrat ist einer der Gastredner in der Mensa des Mönchsee-Gymnasiums, erinnert daran, dass der Krieg nicht erst vier Jahre andauere, nennt unter anderem die Besetzung der Krim und die Unterzeichnung des Budapester Memorandums 1994, nachdem die Ukraine auf Atomwaffen verzichtete. Im Gegenzug garantierten die USA, Großbritannien und Russland der Ukraine Sicherheit. Viele Ukrainer halten das Papier für einen Riesenfehler.
Der Krieg in seiner furchtbaren Form müsse ein Ende finden, „aber es muss ein Frieden auf Augenhöhe sein, der eine gewisse Stabilität sichert“, sagt Weinmann. Präsident Putin zeige daran bislang kein Interesse, spiele auf Zeit. „Wir müssen die Ukraine mit allen uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten unterstützen und die Anstrengungen sogar ein Stück weit erhöhen“, so der Stadtrat. Es müsse „nicht das Recht des Stärkeren, sondern die Stärke des Rechts“ gelten.
Lob für Integrationsarbeit und Solidarität
Andreas Kaprocki, zweiter stellvertretender Vorsitzender des Dachverbands der Ukrainischen Organisationen in Deutschland, sagt mit Blick auf den 24. Februar: „Man wollte glauben, Vernunft sei stärker als imperialer Wahn. Wir können nicht gleichgültig sein, denn Gleichgültigkeit ist tödlich.“
Kaprocki lobt die Solidarität, die Integrationsarbeit, die vielen Menschen in Deutschland, die ihre Wohnung geöffnet hätten, Hilfe organisiert oder Spenden gesammelt hätten. Und er erinnert an die Menschen, die seit Kriegsbeginn bis heute an den Fronten in der Ukraine kämpfen.
„Der Krieg ist ein Angriff auf eine bisher als gegeben wahrgenommene Gewissheit“, sagt Kaprocki. „Die Freiheit gibt es nicht zum Nulltarif, sie muss manchmal bitter verteidigt werden.“ Heute gilt mehr denn je: „Ohne eine freie Ukraine gibt es kein freies Europa.“
Erinnerung an Schicksale von Ukrainerinnen
Ähnliches sagt Kulturbürgermeisterin Agnes Christner: „Der Angriff Russlands ist ein Angriff auf die Werte, die Europa tragen. Wir dürfen nicht wegsehen, wenn internationales Recht gebrochen wird. Wir müssen an der Seite derer stehen, die für ihre Freiheit kämpfen.“
DUG-Vorsitzende Anastasia Kosak berichtet für die knapp 75 Besucher greifbar aus dem schwierigen Alltag in der Ukraine, ebenso Olena Khavalits, deren Ehemann sich seit zwei Jahren in russischer Kriegsgefangenschaft befindet. Mit einer Tanz-Performance werden die Schicksale einiger Ukrainerinnen eindrücklich beleuchtet. „Ich wünsche uns, dass es der letzte Jahrestag ist, an dem wir an diesen fürchterlichen Überfall erinnern müssen“, sagt Nico Weinmann.
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