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Auf dem Bildungscampus

Bildungsgipfel in Heilbronn: Experten erarbeiten Empfehlungen für bessere Kitas

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Auf dem Bildungscampus Heilbronn haben Experten über frühkindliche Bildung beraten. AIM-Chef Marco Haaf ordnet ein, wie Qualität und Chancengleichheit gestärkt werden können.

Worauf kommt es bei der frühkindliche Bildung an? Damit hat sich das Nationale Forum Frühe Bildung bei einer Tagung in Heilbronn auf dem Bildungscampus befasst.
Worauf kommt es bei der frühkindliche Bildung an? Damit hat sich das Nationale Forum Frühe Bildung bei einer Tagung in Heilbronn auf dem Bildungscampus befasst.  Foto: Stock.adobe.com

Der Bildungscampus Heilbronn entwickelt sich zur bedeutenden Anlaufstelle für Bildungsexperten. Der weltweit gefragte Neuseeländer John Hattie kam zum zweiten Mal in die Stadt, kommendes Jahr reisen alle Kultusministerien der Bundesländer zu einem  Treffen mit der Nationale Akademie der Wissenschaften (Leopoldina) an.

Diskussion in Heilbronn: „Was braucht die Kita in der Einwanderungsgesellschaft?“

Und kürzlich hat sich das Nationale Forum Frühe Bildung in Heilbronn Gedanken gemacht zu „Was braucht die Kita in der Einwanderungsgesellschaft?“. Praxis, Verwaltung, Politik, Wissenschaft, Träger oder Stiftungen haben intensiv beraten, und herausgekommen sind sechs Heilbronner Handlungsempfehlungen.

Marco Haaf hebt einige Aspekte hervor: unter anderem die sogenannte demografische Rendite. Für Marco Haaf, Geschäftsführer der Akademie für Innovative Bildung und Management (AIM) auf dem Bildungscampus, die bei der Vorbereitung involviert war, ist das ein wichtiger Punkt. Wenn Kinderzahlen zurückgehen wie in ostdeutschen Bundesländern, dürfe man gerade nicht auch das Geld für die Kitas kürzen. „Man muss versuchen, dass Personal nicht abgebaut wird“, sagt er. Mit dem Geld könne man die Qualität der Kita-Arbeit steigern.

Geld gezielt an Kitas verteilen: Das ist die Idee der sozialindexbasierten Ressourcensteuerung

Dem AIM-Chef ein weiteres Anliegen ist die sozialindexbasierte Ressourcensteuerung. Dahinter steckt die Idee, Gelder vor allem in Kitas in jenen Gegenden einzusetzen, in denen bildungsferne Familien wohnen. Oft wird dabei danach geschaut, wo viele Bürgergeld-Bezieher oder viele Migranten leben. In Schulen sei das weniger ein Problem als in Kitas, denn bei diesen Einrichtungen gebe es unzählige Träger – Kommunen, Kirchen, Vereine, so Marco Haaf.

„Im frühkindlichen Bereichen geht es nicht“, befürchtet er zwar. Allerdings könnten sich größere Städte wie Heilbronn bei ihren eigenen Kitas schon Gedanken machen, welche Einrichtung mehr Geld bekomme und welche nicht. „Das macht Sinn“, findet er.

Wie gut sind die Kinder am Ende der Kita? Man weiß es nicht

Die Experten in Heilbronn haben sich auch für ein „nationales Bildungsmonitoring“ ausgesprochen, um Prozesse verbessern zu können. Die große Koalition will für Schüler eine ID auf den Weg bringen, die könnte hier helfen, sagt Marco Haaf. Bildungspläne sollten durchgängig, die Übergänge besser gemanagt werden. Dieser Punkt ist dem AIM-Chef ebenfalls wichtig. Wie gut seien die Kinder am Ende der Kita? „Wir wissen es nicht“, so Marco Haaf. Helfen könnten hier ein verbindliches Vorschuljahr.

Wenn man vieles über Kita-Kinder weiß, könne man die Mädchen und Jungen auch gezielt an die Grundschulen bringen. So könne man Kinder besser mischen, also solche die gut Deutsch können mit jenen, die hier noch Förderbedarf haben – auch über die Grundschulbezirke hinweg. Das gehe aber nur, „wenn man weiß, wer aus den Kitas kommt“, so Marco Haaf.

Empfehlungen bedeuten noch lange kein Handeln. Marco Haaf lobt den Ansatz, dass bei diesem Forum in Heilbronn viele Akteure zusammen waren. „Dadurch bekommen die Empfehlungen eine ganz andere Akzeptanz.“

Wissenschaftler, Vertreter aller Kultusministerien sowie die Nationale Akademie der Wissenschaften (Leopoldina) kommen im März auf dem Bildungscampus in Heilbronn zusammen. Laut Marco Haaf, Geschäftsführer der Akademie für Innovative Bildung und Management (AIM), geht es darum, eine Leopoldina-Empfehlung  in die Bildungspläne zu bekommen: Im Fokus stehen die sogenannten Selbstregulationskompetenzen von Kindern und Jugendlichen. Laut Leopoldina sind diese entscheidend für das Wohlergehen und die Entfaltungsmöglichkeiten der Kinder, insbesondere ihre psychische und körperliche Gesundheit, Bildung und soziale Teilhabe.

Für Marco Haaf ist es ein umfassender Ansatz. Es geht ihm dabei gar nicht um aggressive Kinder. Die Schüler müssten beispielsweise auch lernen, sich von digitalen Geräten beim Lernen nicht ablenken zu lassen. In Heilbronn gehe es um alle Facetten der Selbstregulation.

Das sagte auch die Leopoldina: Selbstregulationskompetenzen umfassen demnach „kognitive, emotionale, motivationale und soziale Fähigkeiten, die es erlauben, eigene Ziele zu erreichen und flexibel auf Veränderungen zu reagieren“.




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