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Kita-Anmeldung: Hürden für Familien mit niedrigem Bildungsniveau abbauen

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Mütter mit niedrigem Bildungsniveau können mehr verdienen, wenn ihr Kind eine Kita besucht. Allerdings scheitern manche Familien an den Formularen, um ein Kind zur Betreuung anzumelden. Damit haben sich Forscher der Technischen Universität München am Campus Heilbronn beschäftigt. Eppingen bietet schon Unterstützung an.

Manche Familien braucht Hilfe bei den Formularen, um ein Kind in der Kita anzumelden.
Manche Familien braucht Hilfe bei den Formularen, um ein Kind in der Kita anzumelden.  Foto: Heike Lyding

Ein Kind für einen Platz in einer Krippe anzumelden? Was sich leicht anhört, stellt gerade für Familien mit einem niedrigen Bildungsniveau eine große Hürde dar. Daran ändert auch der Rechtsanspruch auf Betreuung nichts. Es sei komplex, sich durchs System zu navigieren, sagt Professor Philipp Lergetporer von der Technischen Universität München am Campus Heilbronn.

Bedarf haben alle. Vom Bildungsniveau her mache es keinen Unterschied, wenn es um das Interesse an einer Kinderbetreuung geht: Die Nachfrage sei gleichermaßen da, egal ob Eltern ein Abitur haben oder nicht, so Philipp Lergetporer. Die Realität sieht allerdings anders aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass Eltern mit Abitur ihr Kind in einer Krippe haben, ist deutlich höher. Von einem "frühkindlichen Designfehler" spricht deshalb der Forscher - in einer Zeit, in der es vielerorts darum geht, mehr Frauen stärker ins Berufsleben zu bekommen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Mehr Unterstützung bei der Kita-Anmeldung: Das ist die Eppinger Lösung

Mit seinem Team hat sich Philipp Lergetporer genauer angeschaut, wie sich Kinderbetreuung auf das Arbeitsleben von Müttern mit niedrigem sozialökonomischem Status auswirkt. In zwei Städten in Rheinland-Pfalz, die Namen nennen die TUM-Forscher nicht, haben sie Familien in einem 18-monatigen Zeitraum begleitet. Der Hälfte der Familien haben unter anderem Studenten dabei geholfen, die Anträge für einen Krippen-Platz auszufüllen - der anderen nicht. Mit der Hilfe stieg die Wahrscheinlichkeit, dass Mütter Vollzeit arbeiten, um 9,2 Prozent, auch das Haushaltseinkommen der Familien nahm um zehn Prozent zu, das Einkommen der Mütter sogar um 22 Prozent. "Wenn man es schafft, den sozial Schwächeren dabei zu helfen, Kinder in die Krippe zu bekommen, sieht man einen deutlichen Effekt", so Philipp Lergetporer.

Das Thema haben einzelne Städte und Gemeinden bereits im Blick. Beispielsweise hat die Stadt Eppingen ein Auge auf Familien geworfen, die Hilfe benötigen könnten. "Bei Familien, die im Ausländeramt im Rathaus vorstellig werden und bei denen Mitarbeiter feststellen, dass hier Hilfe bei der Kita-Anmeldung nötig ist, werden hausintern auf kurzem Dienstweg an die Abteilung Bildung verwiesen", sagt Vanessa Heitz, die für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Stadtverwaltung tätig ist. "Dort helfen die Ansprechpartner persönlich weiter." Generell wird in Eppingen digital für einen Kita-Platz angemeldet. "Falls Familien Schwierigkeiten bei der digitalen Anmeldung haben, wird ihnen im Haus persönlich geholfen, meist direkt über die Abteilung Bildung, die die Anmeldung gemeinsam mit der Familie vornimmt, oder über die Kindergartenleitungen." Eppingen weist außerdem mit Broschüren in mehreren Sprachen darauf hin, dass Familien eine finanzielle Unterstützung bei der Betreuung erhalten können.

In Neckarsulm melden Eltern ihr Kind im Rathaus oder direkt in der jeweiligen Kita zur Betreuung an. "Bei beiden Anlaufstellen erhalten die Eltern alle wichtigen Informationen zu den verschiedenen Angeboten der Kinderbetreuung und zur Platzvergabe sowie, falls erforderlich, auch Unterstützung beim Ausfüllen der Anmeldeunterlagen", so Andreas Bracht, der im Rathaus für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

 Foto: Terzo Algeri/Fotoatelier



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