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Zerstrittene Eltern 

Kinderschutzbund Heilbronn: Warum schon für Babys begleiteter Umgang nötig sein kann

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Häusliche Gewalt ist verstärkt der Grund, warum Familiengerichte begleiteten Umgang anordnen. Wie der Kinderschutzbund einen sicheren Rahmen für Begegnungen von Eltern und Kind bietet. 

Tatjana Fink (links) und Ferra Freyer in den Räumen des Kinderschutzbundes, in denen begleiteter Umgang stattfindet.
Tatjana Fink (links) und Ferra Freyer in den Räumen des Kinderschutzbundes, in denen begleiteter Umgang stattfindet.  Foto: Ralf Seidel

Bunte Bilder an den Wänden, mit Blumen und Bienen. Gemalt haben sie Kinder, die hier im geschützten Rahmen auf Vater, Mutter oder Geschwister treffen. Die kleinen Kunstwerke vermitteln Leichtigkeit, Freude.

Dabei haben es Kinder, die hierherkommen, zuhause selten leicht. Manches Familienleben ist von Gewalt geprägt, teils waren sie Zeuge, wie der Vater zuschlägt. Es gibt Mütter, die ins Frauenhaus geflohen sind. Andere Kinder sind sechs Jahre alt und sehen einen Elternteil zum ersten Mal. Vielleicht hat sich das Gerichtsverfahren über Jahre gezogen. Oder es bestand kein Interesse am Kontakt. „In dem Bereich gibt es alles“, sagt Tatjana Fink, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes.

Das Familiengericht ordnet den begleiteten Umgang an

Den so genannten begleiteten Umgang (BU), hier immer unter den Augen einer Mitarbeiterin des Kinderschutzbundes, ordnet das Familiengericht an. „Wir sind nah dran an den Kindern, wir gehen auch nicht aus dem Zimmer“, sagt BU-Koordinatorin Ferra Freyer.

Anfragen bekommen sie sogar schon für Säuglinge, was der Kinderschutzbund ablehnt. Weil es kaum umsetzbar sei. „Wenn das Baby nach der Mutter schreit, ist es nicht möglich, dass sie in einem anderen Zimmer unseres Hauses bleibt, damit sie ihren Ex-Mann möglichst nicht sieht,“ sagt Ferra Freyer. Manchmal stehen Verdachtsmomente auf sexuellen Missbrauch im Raum. Ein häufiges Thema ist häusliche Gewalt. „Das hat deutlich zugenommen in den vergangenen Jahren.“ 

Die Familien, die herkommen, sind so heterogen wie die Gesellschaft, sagt Tatjana Fink. Akademiker sind darunter, Arbeitslose, Deutsche und Ausländer. Fast immer sind die Eltern heftig zerstritten.   

25 Fälle betreut der Kinderschutzbund in dem Bereich

25 Fälle im Stadt- und Landkreis betreut der Kinderschutzbund zurzeit. Möglich wären deutlich mehr. „Wir haben eine Warteliste, die wir aber nicht bedienen können, weil wir nicht wissen, wie lang ein begleiteter Umgang dauert“, sagt Tatjana Fink. Wöchentlich, 14-tägig oder monatlich kann er stattfinden und zwischen einer und zwei Stunden dauern.

Im Fokus, so Freyer, steht das Wohl des Kindes. „Wichtig ist, dass wir Vertrauen zu ihm aufbauen.“ Das Kind entscheidet, ob eine Umarmung vom Vater okay ist oder ein High Five. Oder dass es mit ihm Uno spielen will. Ferra Freyer und ihre zwei Kolleginnen berichten dem Jugendamt: Hat das Kind Kontakt aufgenommen? Gab es Spielsituationen?

Mehr als zehn, vielleicht auch 20 Fälle, könnten sie mit mehr Personal übernehmen. „Der Bedarf wäre da, für diesen Bereich noch einen Mitarbeitenden einzustellen“, sagt Fink. 

Manchmal dauert der begleitete Umgang jahrelang

Normalerweise hat ein begleiteter Umgang einen Umfang von mehreren Treffen. Wenn ein Elternteil krank ist, sieht es anders aus. Gibt es psychische Probleme, Zwangsstörungen, Depressionen oder eine Suchterkrankung? All das kann dazu führen, dass der begleitete Umgang sich über Jahre zieht. Wann er endet, entscheidet das Jugendamt.  

Eigentlich ist das Ziel jedoch, dass Eltern lernen, nach einigen Treffen eine eigene Regelung zu schaffen und im Alltag zu bewältigen. Ein Schritt in diese Richtung ist der Besuch des Umgangscafés in den Räumen des Pünktchens. Oder ein kleiner Ausflug mit Begleitung in den botanischen Obstgarten oder auf den Spielplatz.  

Die Familien, die zum begleiteten Umgang kommen, haben verschiedene Ausgangspositionen. Am häufigsten lebt das Kind bei einem Elternteil und sieht beim begleiteten Umgang den anderen Elternteil. Möglich ist auch, dass es in einer Pflegefamilie wohnt und in den Räumen des Kindernschutzbundes die Ursprungsfamilie trifft. Auf Platz drei stehen Geschwisterkontakte, etwa von Geschwistern, die getrennt voneinander aufwachsen.    




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