KI und Gemeinschaft: Im Neuen Museum im Deutschhof sind das keine Gegensätze
Die KI-Figur im Neuen Museum im Deutschhof hat nun einen Namen. Die Idee kam von einer Besucherin. Als Preis gab es eine exklusive Führung durch das Museum.

Zu Beginn dieses Jahres lud das Neue Museum im Deutschhof Besucher und Besucherinnen dazu ein, ihrem von Künstlicher Intelligenz generierten „Zeitreisenden“ einen Namen zu geben. Aus 88 Vorschlägen hat das Museumsteam gemeinsam den Vorschlag „Jo Chrono“ von Santina Krell ausgewählt. Als Preis für die Gewinnerin gab es eine exklusive Führung durch das Museum.
Der „Zeitreisende“ im Museum im Deutschhof
Die KI-Figur begrüßt die Besucher in der Eingangshalle des Museums. Er verbindet stellvertretend alle vier Spaten der Kernthemen des Museums: Naturhistorie, Archäologie, Silber und Handwerk, sowie die städtische Kunstsammlung. Dafür trägt er einen Gürtel aus der Antike, hält die grüne Geige von Joseph Beuys in der einen, und einen kleinen Dinosaurier in der anderen Hand. Hinter ihm können Besucher noch eine silberne Jardinière erkennen. Während der Dinosaurier vor circa 240 Millionen Jahren gelebt hat, stammt die silberne Blumen- und Obstschale aus dem 19. Jahrhundert.
Da Menschen nur rückblickend auf diese Zeitgeschichte blicken können, soll die von Künstlicher Intelligenz geschaffene Figur durch die Zeit reisen und den Besuchern den Originalkontext ausgewählter Exponate näher bringen.
Jung und dynamisch: Jo Chrono begrüßt Besucher im Neuen Museum im Deutschhof
Santina Krell und ihr Partner Christoph Parl waren begeistert von der Figur und gaben im Januar ihren Namensvorschlag ab. Bei der Idee der Zeitreise kam ihnen sofort der griechische Begriff „Chronos“ in den Kopf, was „Zeit“ bedeutet, erzählt Santina Krell. Aus Chronos wurde schnell Chrono, um den Namen etwas lebendiger wirken zu lassen. „Da er so jung und dynamisch aussieht, setzte ich noch das Jo davor“, erzählt die Gewinnerin und lacht.
Dieser laut Jury charmante und doch thematisch sehr passende Vorschlag stach aus den vielen unterschiedlichen Ideen der Besucher heraus. Ab sofort begrüßt somit nicht mehr nur ein „Zeitreisender“, sondern Jo Chrono im Neuen Museum.
Einer für alle, alle für einen: Museum möchte sich öffnen
Groß über Jo Chrono steht in roter Schrift „1 für Alle“. Der Spruch soll nicht nur die Zusammenfassung aller Sammlungsbereiche veranschaulichen, sondern steht auch dafür, dass das Museum ein offenes Haus für alle ist, erklärt die Kuratorin und stellvertretende Museumsleiterin Birgit Hummler. „Museen hatten lange den Ruf, Hüter der Sammlung zu sein. Wir als Museum möchten uns aber stark öffnen und auch mit den Besuchern arbeiten“, so Hummler. Inklusion ist dem Museumsteam sehr wichtig: „Wir machen ein Museum für die Menschen aus Heilbronn. Deswegen ist es für uns elementar inklusiv und interaktiv zu sein“, ergänzt die Kuratorin. Interaktion gab es nicht nur bei der Namensgebung von Jo Chrono, sondern auch bei diversen Elementen im Museum selbst.
Santina Krell und Christoph Parl erhielten eine Führung durch das Museum von Birgit Hummler. Intention der Museumsleitung dahinter war, dass die persönlichen Interessen der Gewinnerin im Vordergrund stehen. Während der Führung konnte das Gewinnerpaar eifrig Fragen stellen, die von Hummler ausführlich beantwortet wurden.
Die beiden erfuhren so Anekdoten, wie Exponate in den Besitz des Museums kamen, oder wo bei der Kuration Herausforderungen bestanden. Die Gewinnerin durfte in Anlehnung an die Geschichte der Heilbronner Silberwarenfabriken und Georg Peter-Bruckmann auch einen Löffel prägen und mit nach Hause nehmen.
Im Mai soll es einen neuen Avatar im Deutschhof geben
Obwohl Jo Chrono nur in die Vergangenheit blicken kann, blickt das 22-köpfige Museumsteam mit vielen Ideen in die Zukunft. In Zusammenarbeit mit der Ipai Foundation soll es im Mai einen neuen Avatar geben. Das Neue Museum im Deutschhof will so nicht nur ein größeres Publikum erreichen, sondern auch ein breites und zukunftsorientiertes Forschungsfeld abdecken.
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