Heilbronner segelte mit Gaza-Hilfsflotte – Israel stoppt Aktivisten
Bereits in Italien hatte Tom Drauz Drohnen über den Schiffen beobachtet. An Bord herrschte ein großes Gefühl von Nähe und Zusammenhalt, berichtet er.
Israelisches Militär hat dutzende Schiffe der Global Sumud Flotilla mit rund 1000 propalästinensischen Aktivisten aus vielen Ländern auf Höhe von Kreta abgefangen, wie dpa jüngst vermeldete.
Israel stoppt Global Sumud Flotilla vor Kreta und verhindert erneuten Versuch der Gaza-Hilfslieferung
Nach Angaben der Organisation war die Flotte annähernd doppelt so groß wie die, die vergangenes Jahr mit der Fridays-fot-Future-Initiatorin Greta Thunberg an Bord in See gestochen war. Damals hatten israelische Spezialeinheiten die Boote gestürmt, Besatzungsmitglieder festgenommen und ausgewiesen.

Auch diesmal wollten die Aktivisten die israelische Seeblockade des Gazastreifens durchbrechen und humanitäre Hilfe ins Kriegsgebiet bringen. Solche Versuche hatte Israel bislang stets verhindert. Ziel der Flotte war außerdem gewesen, ein Schlaglicht auf das Leid im Gazastreifen zu werfen, um Druck auf Israel auszuüben.
Tom Drauz aus Heilbronn war einer der Aktivisten der aktuellen Mission, die in Barcelona startete. Der 19-Jährige war allerdings schon zuvor in Sizilien von Bord gegangen und hatte von Land aus mit einem Team Medienarbeit betrieben.
Heilbronner Aktivist berichtet über spontane Teilnahme und Alltag an Bord der Hilfsflotte
„Ich versuche, bei der Mobilisierung zu helfen“, erzählt er im Telefongespräch mit der Stimme. „Mein Entschluss mitzufahren, war relativ spontan. Ich wäre auch mit nach Gaza gesegelt“, sagt er.

Zu acht war er zuvor mit seinen Mitstreitern auf einer Zehn-Meter-Yacht, jeweils zu zweit in der Kabine. „Ich war noch nie auf so einem Boot,“ sagt er.
Besatzungsmitglieder übten deeskalierendes Verhalten
Die Stimmung sei von großer Ernsthaftigkeit geprägt gewesen. „Wir haben viele Palästinenser in der Organisation, die ihre Familie verloren haben.“ Innerhalb kürzester Zeit sei ein großes Gefühl von Nähe und Zusammenhalt entstanden. An Bord hätten sie Prothesen und medizinische Hilfsgüter, Samen für die Landwirtschaft und Material für Kinder und Schulen dabei gehabt.
Boote vorzubereiten, Motor und Segel funktionstüchtig zu halten, zu prüfen, ob genug Wasser und Tank vorhanden ist, habe zum Tagewerk gehört. Aber auch Anti-Gewalt-Trainings, bei denen die Mitfahrer einübten, sich deeskalierend zu verhalten, falls es zu einer Konfrontation kommen sollte. „Schon ein Handy aus der Tasche zu ziehen, kann zu viel sein.“
Tom Drauz hatte Respekt vor einer israelischen Reaktion
Nicht direkt Angst aber durchaus Respekt habe er vor der möglichen israelischen Reaktion gehabt. „Bereits in Italien haben wir Drohnen über den Booten beobachtet.“ Das alles sei jedoch nichts im Vergleich zur humanitären Lage im Gazastreifen.
Derzeit arbeitet Tom Drauz von Griechenland aus. Wenn er wieder in Deutschland ist, will er im Herbst Kommunikationsdesign studieren. Sein Ziel: „Die Kunst zu nutzen, um auf Missstände aufmerksam zu machen.“
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