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Finale in der Harmonie

Jugend forscht in Heilbronn: Innovation und Beharrlichkeit zahlen sich aus

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59. Bundesfinale Jugend forscht präsentiert in der Harmonie die Sieger in den Kategorien und übergreifenden Fachgebieten. Drei Bundessieger aus Baden-Württemberg.

Die 18-jährigen Anthony Eliot Striker und Tina Thao-Nhi Schatz aus Berlin haben eine mikrobielle Brennstoffzelle entwickelt, die künftig zur Energieerzeugung genutzt werden soll.
Die 18-jährigen Anthony Eliot Striker und Tina Thao-Nhi Schatz aus Berlin haben eine mikrobielle Brennstoffzelle entwickelt, die künftig zur Energieerzeugung genutzt werden soll.  Foto: Berger, Mario

"Ihr schafft Möglichkeitsräume", sagte Bärbel Renner, Geschäftsführerin der Experimenta, am Sonntag beim 59. Bundesfinale von Jugend forscht vor rund 1000 Besuchern in der Heilbronner Harmonie. Sie meinte damit die 175 jungen Forscher, die sich über Regional- und Landeswettbewerbe für diese oberste Ebene qualifiziert hatten und in deren Rahmen die Bundessieger ausgezeichnet wurden.

Vier Tage lang präsentierte Deutschlands bester Nachwuchs in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) seine Projekte in sieben Kategorien. Für fachübergreifende Bundessiege bekamen weitere drei Arbeiten Preise, unter ihnen Maja Leber und Julius Gutjahr aus Emmendingen im Bereich Physik für ihre neuen Erkenntnisse zu Antibubbles. Hierbei geht es um die Bestimmung der Luftschichtdicke.

Bundessieger von Jugend forscht: Motorgesteuertes Geigen-Stimmgerät gewinnt Kategorie Arbeitswelt

Bundessieger in der Kategorie Arbeitswelt ist Reinhard Köcher aus Calw. Vor fünf Jahren begann der 16-Jährige, Geigenunterricht zu nehmen. "In meinem Kurs dauerte allein das Stimmen der Instrumente schon 20 Minuten." Deshalb konstruierte er ein motorgesteuertes Stimmgerät, mit dem sich Geigensaiten automatisch auf die richtige Frequenz bringen lassen. Damit kann der Unterricht künftig effektiver genutzt werden.

Erfolgreich aus Baden-Württemberg (von links): Josef Kassubek (Physik), Julius Gutjahr und Maja Leber (beide Antibubbels) sowie Reinhard Köcher (Geige).
Erfolgreich aus Baden-Württemberg (von links): Josef Kassubek (Physik), Julius Gutjahr und Maja Leber (beide Antibubbels) sowie Reinhard Köcher (Geige).  Foto: Berger, Mario

Die Jury bescheinigte dem simple Tuner Marktreife. Köcher: "Ich könnte mir vorstellen, ein Start-up zu gründen." Begeisterung, Beharrlichkeit und Innovationsgeist: Diese Begriffe fielen seitens der Laudatoren aus Politik, Wissenschaft und Medien immer wieder adressiert an die jungen Forscher.

Basiskompetenzen in Mathe

Mathe ist ein hartes Brot. Viele Schülergenerationen können ein Lied davon singen. Das hat sich auch Stefan Neuber gedacht und eine Lernplattform entwickelt, die mathematische Basiskompetenzen auf eine lockere Art vermitteln will. Der 20-jährige Informatikstudent aus Petersberg bei Halle (Saale) hat mit MatheX die Jüngsten im Blick. Schüler der ersten und zweiten Klasse können Basiskompetenzen vollständig sprachbasiert trainieren.

Ein Beispiel: Auf einem Zahlenstrahl von 1 bis 100 gibt es in Höhe der halben Strecke einen markierten Punkt. Die Sprach-App fordert den Schüler auf, die richtige Zahl an der Markierung zu nennen. Dafür gibt es Lob oder Aufmunterung, weiter zu machen. Neubers App wird in über 50 Ländern genutzt. In den USA hat er 2023 die App-Challenge des US-Kongresses gewonnen. Viele positive Rückmeldungen bestätigen ihn auf seinem Weg. Künftig möchte er Schulpartnerschaften auf den Weg und die Lernplattform in die Klassenzimmer bringen.

Bei Anne Marie Bobes aus Sachsen-Anhalt war es der Biolehrer, der sie auf die Forschungsidee gebracht hat. "Ihm ist durch den Windstoß eines vorbeifahrenden Lkw die Mütze vom Kopf geweht." Aus der Frage, wie diese Energie genutzt werden könnte, entstand schließlich die Idee für die Entwicklung von Turbinen. Die 17-Jährige ist inzwischen zum fünften Mal bei Jugend forscht dabei, war 2023 Bundessiegerin im Fachgebiet Physik und hat sich nun mit dem Vogelflug beschäftigt.

Vogelflug physikalisch verstehen

Sie konstruierte ein detailgetreues Funktionsmodell eines Vogels, druckte es als 3D-Modell aus und testete es in einem selbst gebauten Windkanal. Dabei machte eine spezielle Fototechnik die Luftströmung sichtbar. Dadurch gelang es ihr, den Vogelflug physikalisch zu verstehen und zu zeigen, unter welchen Bedingungen die Strömung abreißt. "Man kann durch die Erkenntnisse vermeiden, dass die Vögel von Windrädern gefährdet werden", sagt Bobes, die an der TU Dresden ihr Studium in Maschinenbau beginnt. Meinung "Raum geben"

Eine Million Euro für die Forscher von morgen

Der "Stern" hat 1965 unter dem Motto "Wir suchen die Forscher von morgen" zur ersten Runde dieses Wettbewerbs aufgerufen. Das Ziel ist, Kinder und Jugendliche langfristig für die MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu begeistern und sie in ihrer beruflichen Orientierung zu unterstützen. 107 Projekte haben die Landessieger aus sieben Kategorien in der Heilbronner Experimenta präsentiert. Dabei wurden Geld- und Sachpreise im Wert von rund einer Million Euro vergeben.

Erfolgreich aus Baden-Württemberg (von links): Josef Kassubek (Physik), Julius Gutjahr und Maja Leber (beide Antibubbels) sowie Reinhard Köcher (Geige).
Erfolgreich aus Baden-Württemberg (von links): Josef Kassubek (Physik), Julius Gutjahr und Maja Leber (beide Antibubbels) sowie Reinhard Köcher (Geige).  Foto: Berger, Mario



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