Heilbronner Wengerter feiern ein Vierteljahrhundert Wein-Villa
Das schmucke Weingärtner-Domizil an der Heilbronner Cäcilienstraße wurde vor 25 Jahren eröffnet. Kurios: Die Wein-Villa diente einst einer Bierbrauer- und Zuckerfabrikaten-Dynastie.

Ein Palazzo als Sitz einer städtischen Tochter, die dem sozialen Wohnungsbau verpflichtet ist? Als sich die Stadtsiedlung Heilbronn anno 1998 an die aufwändige, letztlich 6,5 Millionen Mark teure Sanierung der klassizistischen Villa Faißt machte, wollte der damalige Geschäftsführer tatsächlich im Obergeschoss sein Büro einrichten. Doch das kam dann nicht nur Aufsichtsräten spanisch vor. Prompt griff Gutsbesitzer, Stadtrat und Landtagsabgeordneter Richard Drautz (1953-2014) die Idee auf, das schmucke Gebäude – das einst der Bierbrauer- und Zuckerfabrikaten-Familie Faißt/Cluss diente – zur Wein-Villa umzuwidmen.
Schulterschluss von 17 Gütern und der WG Heilbronn
Mit Martin Haag und Karl Seiter von der Genossenschaftskellerei sowie Selbstmarkter-Sprecher Martin Heinrich glückte schließlich der Schulterschluss von 17 Gütern und der WG: anno 2000, also vor 25 Jahren. Das Silberjubiläum feierten die heute noch 13 Betriebe mit drei Dutzend Paten, also Sponsoren, diese Woche in würdigem Rahmen. Wobei es an Wein und Sekt naturgemäß nicht mangelte, aber auch an feinen Speisen nicht: gereicht von Jürgen Sawall und seinem Team, der 2012 in der Nachfolge von Franz Josef Schnattinger und Uwe Straub eigentlich nur für ein halbes Jahr hatte einspringen wollen, aber soviel Gefallen daran fand, dass er mit seiner schwäbisch-asiatischen Küche den Kochlöffel bis heute hochhält.
Präsentationen von Heilbronner Weinbaugeschichte und Weingeschichten
Herzstück der Villa ist eine moderne, vom Designer Peer Friedel (1941-2011) konzipierte Theke, an der rund 100 heimische Weine und Sekte zur Verkostung und zum Kauf angeboten werden, regelmäßig auch von den Wengertern persönlich. In den Gastro-Zimmern erzählen multimediale Präsentationen Heilbronner Weinbaugeschichte und Weingeschichten. Glanzstück ist das vom einstigen königlichen Hofmaler Ernst Bader aus Horkheim verzierte Musikzimmer im Obergeschoss, das wie zwei benachbarte Räume oft von externen Gruppen genutzt und bespielt wird, wobei hier auch die Württemberg-Gesellschaft ihre Hausadresse hat.
Zwei prominente Wein-Villa-Außenstellen am Neckar und auf dem Wartberg
Seit 2022 betreiben die Wein-Villa-Wengerter außerdem einen Weinpavillon, den man nach dem geglückten Gastspiel auf der Bundesgartenschau 2019 mit Unterstützung der Stadt auf der Neckarbühne beim Stadtbad installiert hat. Eine weitere Sommer-Dependance findet sich beim Martin-Heinrich-Wengerthäusle auf den neu gestalteten Weinterrassen auf dem Wartberg. Der Buga-Chef-Ausschenker und heutige WG-Geschäftsführer Daniel Drautz fungiert inzwischen mit Viola Albrecht und Björn Heinrich als Wein-Villa-Sprecher.
Bei der Jubiläumsfeier war es an Karl Seiter, die Erfolgsgeschichte der Wein-Villa Revue passieren zu lassen. Darüber hinaus tippte Daniel Drautz aktuelle Herausforderungen im Weinbau an, wie etwa Veränderung der Märkte, der Flächenbewirtschaftung und des Landschaftsbildes. „Dennoch blicken wir zuversichtlich in die Zukunft“, meinte er. Dem schloss sich – auch im Namen seines Vorgängers Helmut Himmelsbach – Oberbürgermeister Harry Mergel an. Der Mut zum Aufbruch, der bereits im Jahr 2000 spürbar gewesen sei, „möge auch die kommenden 25 Jahre prägen“.

Glorreiche Vergangenheit an der Cäcilienstraße 66
Am Rande der Feier blickte mancher auch auf die glorreiche Vergangenheit: Das von Christian Zillhardt 1873 errichtete Haus an der Cäcilienstraße 66 wurde 1875 von Zuckerfabrikant Andreas Faißt erworben und durch Robert von Reinhardt für Faißts musische Witwe kunstvoll umgebaut: Henriette Faißt, geborene Cluss, war die Schwester von Adolf Cluss und August Cluss, mit dem Faißt 1865 die Brauerei Cluss gegründet hatte. Das Gebäude ging später an verschiedene Firmen, war ab 1922 Sitz von öffentlichen Verwaltungen und von 1960 bis 1995 in Besitz der Stadt, die es für diverse Ämter nutzte. Seit der umfassenden Sanierung durch die Stadtsiedlung, der das Gebäude seit 1995 bis heute gehört, dient es nun seit 25 Jahren als Wein-Villa.
Welche Weingärtner heute noch mit von der Partie sind
Von einst 17 Gründungsmitgliedern der Wein-Villa sind sieben nicht mehr dabei: Geml, Gall, Widmann, Wolfgang Kießling, Zaiß, Drautz-Hengerer, Martin Able und Helga Drauz. Drei sind 2022 dazugestoßen: Stutz, Alexander Bauer und Albrecht-Gurrath. Zum Stamm gehören neben der WG Heilbronn Albrecht-Kießling, Amalienhof, Felix Springer, G.A. Heinrich, Fischer, Drautz-Able, Rolf Heinrich, Kistenmacher-Hengerer und Schäfer-Heinrich.
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