Heilbronner Bildungscampus wird Reallabor der modernen Lehre
Die ETH Zürich testet künftig in Heilbronn, wie moderne Lehre praktiziert werden kann. Gleichzeitig versucht die Innenstadt mit der dynamischen Entwicklung Schritt zu halten.

Die Baustelle zwischen Karl-Nägele-Brücke und Europaplatz in Heilbronn wächst rasant. Während der Bildungscampus sich ausweitet, haben bereits erste Mieter ihr Quartier bezogen. Im sogenannten Hip-Turm, der als erstes Gebäude auf dem Areal vor fast einem Jahr fertiggestellt wurde, sind Vertreter der ETH Zürich eingezogen. Die Schweizer sind nur die Vorhut ihrer Zunft, ein weiteres Gebäude am Europaplatz ist für die Eidgenössische Hochschule vorgesehen. Dahinter Richtung Neckar macht das Wasserschifffahrtsamt Platz für die neue Mensa, die Zugang zum Ufer haben soll. Nicht nur optisch wird wissenschaftliche Lehre damit in einen modernen Rahmen gesetzt.
Auch inhaltlich betritt die Kooperation neue Wege. Die ETH will in Heilbronn praktisch testen, wie Hochschulbildung in Zukunft aussehen kann – quasi ein Reallabor der modernen Lehre, das Schule machen soll für andere Standorte. Das Campus jenseits der Weipertstraße wird auch Flächen für Handel vorhalten, die Arbeiten am neuen Mediamarkt laufen schon länger unter- und oberirdisch. Der Elektronikmarkt wird für Publikumsverkehr sorgen. Wer samstags zufällig mal dort vorbeischaut, könnte überrascht sein, wie viele Familien das Geschäft offenbar als Ausflugsziel nutzen. Eines, das künftig mitten in der studentischen Nachbarschaft liegt.
Gehaltsranking entspricht nicht der Realität
Und genau das ist einer dynamischen Stadt zu wünschen, nämlich dass alle an der Entwicklung teilhaben. Denn dass Heilbronner statistisch gesehen das höchste reale Einkommen haben, mag ein aktuelles Ranking ergeben, mit der Realität vieler Bürger hat es allerdings wenig zu tun.
Auch für die Innenstadt selbst ist die Dynamik eine Herausforderung, fällt doch vermeintlicher Stillstand dort umso stärker ins Gewicht. Deshalb ist es wichtig, dass diese Woche ein Rahmenplan für bauliche Entwicklung angekündigt wurde. Noch ist der vielzitierte Aufbruch kleinteilig und abstrakt. Es liegt jetzt in den Händen des neuen Leiters des Kompetenzzentrums, aus Worthülsen Tatsachen zu schaffen. Für eine echte Belebung braucht die Stelle allerdings mehr Durchsetzungskraft als bislang.
Ruf nach ICE-Halt ist verstummt
Manchmal allerdings muss man sich leider auch einfach abfinden mit Gegebenheiten. Dass jetzt ein Tankrabatt statt beispielsweise einer Neuauflage des Neun-Euro-Tickets kommt, sagt viel über die Mobilitätswirklichkeit in diesem Land aus. Auch in der Region setzen viele Menschen traditionell aufs Auto. Da wiegt es nicht so schwer, dass die Rufe nach dem ICE-Halt scheinbar verstummt sind.
Man wäre ja schon froh, wenn es einen eng getakteten, zuverlässigen Zubringerverkehr zum Fernanschluss gäbe. Das bleibt Hausaufgabe für eine Region, die Tausende von Fachkräften und Studenten anlocken und halten will.
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