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Apothekensterben
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Heilbronner Apotheker über die Krise der Branche – Vergütung seit 20 Jahren gleich

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Kristian Rudolph, Inhaber der Spitzweg-Apotheke in Sontheim, spürt die Krise seiner Branche hautnah. Er berichtet, warum kleine Betriebe kaum überleben – und was sich ändern müsste.

Erhöhte Kosten, gleichbleibendes Honorar: Unter diesen Umständen müssen viele Apotheken schließen. Kristian Rudolph hat seine Apotheke durch eine Spezialisierung abgesichert.
Erhöhte Kosten, gleichbleibendes Honorar: Unter diesen Umständen müssen viele Apotheken schließen. Kristian Rudolph hat seine Apotheke durch eine Spezialisierung abgesichert.  Foto: Frank, Dennis

Die Zahlen sind alarmierend: 2025 haben in Baden-Württemberg 66 Apotheken dauerhaft geschlossen, nur neun neue eröffnet. Landesweit gibt es damit noch 2.087 Standorte – fast ein Viertel weniger als vor 15 Jahren. Die Gründe sind vielfältig, der Tenor jedoch eindeutig: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen lassen vielen Betrieben kaum Luft zum Atmen.

Früher Altersvorsorge, heute kaum etwas wert – Apotheken im Wandel der Zeit

 In Heilbronn haben in den vergangenen Jahren mehrere Apotheken dichtgemacht – etwa die Theater-, Karlstor-, Pauline- und Möhrike-Apotheke. „Viele hören aus Altersgründen auf wie zuletzt die Kreuz-Apotheke in Sontheim oder weil sich der Betrieb und damit auch ein Verkauf nicht mehr lohnt,“, sagt Apotheker Kristian Rudolph von der Spitzweg Apotheke Sontheim. Früher konnte man eine Apotheke als Altersvorsorge verkaufen, heute sei sie kaum noch etwas wert.

Seit über 20 Jahren erhält eine Apotheke für jede verschreibungspflichtige Packung die gleiche Vergütung. „Für Mitarbeiter wurden die Gehälter erhöht, für die Inhaber nicht“, erklärt Rudolph. „Vor 20 Jahren hat man vielleicht zu viel verdient, vor zehn Jahren gerade richtig, und jetzt ist es zu wenig.“

Steigende Kosten und wachsende Konkurrenz: Die Gründe für den Apothekenschwund

Seine Apotheke arbeitet nur dank Spezialisierung noch rentabel: Rudolph versorgt Altenheime und betreibt dafür aufwändige Logistik, inklusive Kommissionierautomat. Zudem helfen hohe Stückzahlen, die Fixkosten zu decken. Doch viele Kollegen könnten das nicht leisten. „Miete, Personal, Energie – alles wird teurer. Wenn die Vergütung nicht endlich dynamischer wird, bricht das System an vielen Stellen weg“, berichtet der Apotheker.

Zunehmend spürt Rudolph auch den Wettbewerb durch Internet- und Versandapotheken sowie Drogerieketten. „Ein Lkw Ibuprofen ist günstiger als zehn Schachteln im Einkauf“, sagt er. „Unsere Schwerter sind also nicht gleich lang in diesem Kampf.“

Apotheken als niederschwelliger Zugang der nicht wegbrechen darf

Trotz allem will der Heilbronner Apotheker seine Rolle nicht aufgeben: „Wir sind Fachleute, die jeder ohne Termin um Rat fragen kann – ganz ohne Wartezeit wie beim Arzt.“ Doch er warnt: Wenn inhabergeführte Apotheken weiter verschwinden, drohe ein System wie in den USA, wo sich nicht jeder Medikamente und Beratung leisten kann.

„Versorgung beginnt nicht im Krankenhaus, sondern bei uns um die Ecke“, sagt Rudolph. „Wenn das irgendwann keiner mehr macht, steht die Bevölkerung ohne niederschwelligen Zugang da – und das darf uns in Deutschland eigentlich nicht passieren.“




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