Weingut Albrecht-Kiessling feiert 50-jähriges Bestehen am Standort Wartberg
Vor 50 Jahren verließ die Weingärtnerfamilie Kiessling den traditionellen Standort in der Heilbronner Innenstadt und zog an den Fuß des Wartbergs - eine Entscheidung, die aus heutiger Perspektive visionär war. Am Weingut Albrecht-Kiessling blickt man dieses Jahr in Feierlaune zurück.

Das Weingut Albrecht-Kiessling in Heilbronn feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen am Wartberg – und damit auch eine Entscheidung, die den Betrieb bis heute prägt. 1976 verließ die Familie den traditionellen Standort in der Innenstadt mit ihren engen Höfen, Gewölbekellern aus Sandstein und verwinkelten Wirtschaftsgebäuden. „Dort wäre heute ein zukunftsfähiger Weinbau gar nicht mehr möglich“, sagt Kellermeisterin Viola Albrecht (33). Stattdessen entstand am Fuß des Wartbergs, mitten im sogenannten Reben-Amphitheater, ein neuer Betriebssitz.

„Das war damals ein großer Schritt“, sagt Annette Albrecht (62), die sich noch gut an die Anfänge erinnern kann. Rückblickend erscheint der Umzug als wegweisend. „Ein Weingut in einer solch tollen Umgebung aufzubauen, das war schon damals visionär von meinem Opa“, sagt Luisa Albrecht (29), die heute für die Weinberge verantwortlich ist. Der Standort mit Blick über die Heilbronner Reblandschaft wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrfach erweitert. 1993, 2001 und 2018 entstanden neue Gebäude, ein weiterer Ausbau ist für das Jubiläumsjahr geplant. Heute fügt sich das Ensemble vergleichsweise selbstverständlich in die umgebende Landschaft ein. Peter Albrecht führt stolz durch die Räume. Herzstücke sind der Wartbergsaal mit Rundumblick und das Löwenherzzimmer, benannt nach dem gleichnamigen Heilbronner Gewann.
Spaziergänger immer öfter mit Glas Wein auf dem Wartberg unterwegs
Mit dem baulichen Wandel gingen auch inhaltliche Veränderungen einher. Standen früher vor allem effiziente Betriebsabläufe und die Erreichbarkeit für die Kundschaft im Vordergrund, gewinnen heute Erlebnisangebote und Aufenthaltsqualität an Bedeutung. „Es waren noch nie so viele Spaziergänger und Besuchergruppen mit einem Glas Wein in der Hand am Wartberg unterwegs“, beobachtet Annette Albrecht. Neben klassischen Weinproben gehören inzwischen Kellerführungen, Veranstaltungen im Sektkeller oder Formate wie Traktorfahrten und After-Work-Events zum festen Bestandteil des Angebots.

Getragen wird diese Entwicklung von der Familie: Die Elterngeneration hat den Betrieb aufgebaut, die Töchter übernehmen zunehmend Verantwortung und setzen eigene Akzente – auch in den sozialen Medien. Ein Aprilscherz über eine geplante Seilbahnstation am Weingut ging viral. „Mich fragen noch immer Leute, ob das stimmt“, sagt Peter Albrecht und lacht.
Erlebnisorientierung schafft Bindung im Markt
Dass die Kinder in den Betrieb einsteigen, sei keine Selbstverständlichkeit, betont Annette Albrecht. „Aber sie haben einfach Spaß daran gehabt.“ Tochter Johanna (36) lebt in Frankfurt, liefert aber Impulse – etwa zum Trend Crémant. Rund zehn Prozent der Jahresproduktion von 120.000 Litern entfallen inzwischen auf Sekt nach dem Champagnerverfahren, Tendenz steigend.

Trotz der Krise im Weinbau bleibt Peter Albrecht zuversichtlich. Es sei sogar sinnvoll, „nicht alles auf eine Karte“ zu setzen. Wichtig sei, dass junge Winzer Perspektiven sehen. „Jede Krise hat mal ein Ende.“ Ein starker regionaler Kundenstamm hilft: 70 Prozent kommen aus dem Umkreis. Einzelne Bestellungen erreichen auch weiter entfernte Ziele wie Sylt – ein Effekt der stärkeren Erlebnisorientierung, glaubt Albrecht. Sie schaffe Bindung in einem Markt, in dem Kunden vor „20 Metern Weinregal stehen und wie vor einem Berg“.
An Ruhestand denken die Albrechts noch lange nicht. „Mein Mann sagt immer: Wir machen das lebenslänglich“, sagt Annette Albrecht. So wird es wohl kommen.
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