Diskussion über Radikalisierung an Schulen im Bildungscampus Heilbronn
Hamas-Terror, Israels Reaktion darauf, Demonstrationen gegen Rechtsextremismus und eine Europawahl, bei der viele Jugendliche AfD wählen: Das alles wirkt sich auf Schulen aus.

Schulen sind stärker gefragt denn je. Mit dem russischen Einmarsch in der Ukraine rückte die Kriegsfurcht wieder nach Europa. Ängste, erinnert sich Harald Schröder von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), hätte es sogar bei den Grundschülern gegeben. Die vergangenen Monate dieses Schuljahrs machten es teilweise noch extremer. Mit dem Hamas-Terror gegen Israel im Oktober und den israelischen Reaktionen darauf erreichte der Nahost-Konflikt viele Schulen. Eine Schultoilette in der Region wurde sogar zertrümmert, daneben stand ein Schriftzug, der auf einen propalästinensischen Verursacher hindeutete: Die Schule hielt den Vorfall verdeckt, wer dahinter steckte, ist unklar. Andernorts warfen Schülern deutschen Medien eine einseitige Berichterstattung über den Konflikt vor. Doch damit nicht genug.
Schulen erleben ein Schuljahr, in dem politische Diskussionen kaum ausbleiben
Recherchen deckten im Spätjahr 2023 ein Treffen eines rechtsextremen Netzwerks auf, in dem unter anderem über die Abschiebung von Menschen aus Deutschland gesprochen wurde. Nach den Recherchen über das Treffen von Rechtsextremen seien viele Jugendliche mit Migrationshintergrund verunsichert gewesen, sie hätten Angst vor einer Abschiebung gehabt, sagt Harald Schröder. Es folgten Demonstrationen für Demokratie und gegen Rechtsextremismus. Und schließlich kam eine Europawahl, bei die AfD bei den Jungwählern gut abgeschnitten hat.
Schulen sind gefragter denn je, wenn es um Demokratiebildung und freie Meinungsäußerungen geht. Das steht im Fokus der Diskussion "Wie extrem darf Schule sein? Radikalisierung als Herausforderung im Bildungsbereich" am Donnerstag, 4. Juli, ab 17 Uhr im Veranstaltungsforum auf dem Bildungscampus Heilbronn. Sie findet im Rahmen der Reihe Bildung auf den Punkt statt, hinter der Heilbronner Stimme und Akademie für Innovative Bildung und Management (AIM) stehen. Eine Anmeldung ist schon möglich. Schüler, Eltern und Lehrer können mitdiskutieren.
Bildung auf den Punkt: Diese Experten sind dabei
Zu den Experten an diesen Nachmittag gehören Havva Engin, Professorin am Institut für Erziehungswissenschaft der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, und Niels Joeres, Landeskoordinator des Projekts „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“. Und Frank Schuhmacher kommt, der in in Öhringen das Hohenlohe-Gymnasium (HGÖ) leitet. "Es war ein Ausnahmejahr", sagt er.
"Schule ist ein Spiegel der Gesellschaft", sagt Frank Schuhmacher. Der Direktor kennt Aussagen von Jugendlichen am HGÖ, die Putin toll fänden. Er weiß, dass sich viele Jugendliche sehr viel über soziale Medien informieren. "Wir müssen viel mehr tun", sagt er. "Wir können auch mehr tun, und wir müssen früher anfangen." Demokratiebildung braucht, das wird im Gespräch deutlich, für ihn einen noch stärkeren Stellenwert. In der Oberstufe stehe die Wirtschaft im Fokus von Gemeinschaftskunde. Das sei zwar in Ordnung, aber wo sei die Politik? "Unsere Vielfältigkeit geht verloren, wenn diese Fächer in der Mittel- und Oberstufe keine Wertigkeit mehr haben."
Schüler, Eltern, Lehrer: Mitdiskutieren ist erwünscht
Internationale Konflikte und politische Diskussionen würden in Schulen hineingetragen, sagt auch Harald Schröder, GEW-Sprecher im Kreis Heilbronn. Wie Kinder damit umgehen könnten, hänge davon ab, ob es in den Familien thematisiert werde und wie die Kinder die sozialen Medien nutzen.
Wo endet der demokratische Diskurs, wo beginnen Radikalität und Extremismus? Welche Kompetenzen benötigen Schüler, wie kann Schule den Radikalisierungstendenzen vorbeugen? Welche Unterstützung brauchen Schulen? Bei Bildung auf den Punkt ist die Meinung der Besucher gefragt. Mitdiskutieren ist erwünscht.
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare