Jubiläumsjahr

Heilbronn beleuchtet wechselvolle Geschichte des Deutschorden 

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Eine Ausstellung bildet den Auftakt zum Jubiläumsjahr „800 Jahre Deutscher Orden in Heilbronn“. Zu einem feierlichen Pontifikalamt im Münster hat sich sogar der Hochmeister aus Wien angesagt.

Die Ausstellung über den Deutschorden in der Volkshochschule Heilbronn ist noch bis 7. März zu sehen.
Die Ausstellung über den Deutschorden in der Volkshochschule Heilbronn ist noch bis 7. März zu sehen.  Foto: Seidel, Ralf

Mit dem Einzug leibhaftiger Deutschordensherren ins Münster, einem von deren Hochmeister Frank Bayard aus Wien zelebrierten und von John Leavitts „Missa festiva“ umrahmten Pontifikalamt – plus Böckinger Feldgschrei zum Mittagessen und einer hochkarätig besetzen Gesprächsrunde: So eröffnen die Heilbronner Katholiken an diesem Sonntag ab 11.15 Uhr offiziell ihren Jubiläumsreigen zu „800 Jahre Deutscher Orden in Heilbronn“.

Drei Tage vorher, am Donnerstag, 6. Februar, stand im Untergeschoss der Volkshochschule (VHS) die von Michael Saum am Klavier flott umrahmte Vernissage zu einer Ausstellung an. Die Leihgabe aus dem Bad Mergenhteimer Residenzschloss stellt unter dem Titel „Lebendiger Orden mit großer Tradition. Die Geschichte des Deutschen Ordens 1190 bis heute“ auf 30 Text-und Bildtafeln und einzelnen Exponaten die Gesamtentwicklung dieser einstigen europäischen Großmacht dar. Der ehemalige Schulleiter Norbert Jung und Kunsthistorikerin Daniela Naumann haben sie um lokale Aspekte ergänzt.

Von der Aktualität des Ordens in Seelsorge, Sozialem und Bildung

Mit Blick aufs Natursteingewölbe des Deutschhofkellers, in dem als einer Urzelle der einstigen Komturei „die Narben aus Jahrhunderten ablesbar sind“, meinte VHS-Chef Hawighorst, er könne sich fast keinen besseren Ort für die Schau vorstellen – außer vielleicht die 1268 erstmals erwähnte Turmkapelle im benachbarten Münster, dem ältesten Gebäude Heilbronns, wie Dekan Roland Rossnagel einstreute. Beide tippten in ihren Begrüßungsworten die Aktualität des Ordens an, der bis heute unter dem Motto „Helfen und Heilen“ vor allem in der Seelsorge, im Sozialen, aber auch im Bildungsbereich aktiv ist.

Den Bogen von der Gründung bis heute spannte Maike Trentin-Meyer, Konservatorin der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg und Kuratorin der Ausstellung. Während in ganz Europa prächtige Gebäude, aber auch Namen und Symbole vom Wirken des Ordens zeugten, sei das Wissen um ihn leider verloren gegangen und vielleicht auch verdrängt worden: wegen der Vereinnahmung seiner einstigen „Ostpolitik“ in der NS-Zeit, meinte die Kunsthistorikerin.

Der Heilbronner Deutschhof birgt heute einige Kultureinrichtungen - und natürlich das Deutschordensmünster. Foto: Daniela Naumann
Der Heilbronner Deutschhof birgt heute einige Kultureinrichtungen - und natürlich das Deutschordensmünster. Foto: Daniela Naumann  Foto: Daniela Naumann

Wurzeln des Deutschordens liegen in der Zeit der mittelalterlichen Kreuzzüge

Die Wurzeln reichten bis 1190 in die Zeit der Kreuzzüge zurück, als sich Bremer und Lübecker Kaufleute als Sanitäter ins Heilige Land aufgemacht hätten. Darauf sei ein geistlicher Ritterorden mit Priester- und Ritterbrüdern erwachsen, wobei sich die Ordensritter durch Eroberungen, aber auch durch Erbschaften zunächst in Preußen, später in ganz Europa ausbreiteten. 1410 habe der Verlust der Ostgebiete den „Mythos der Unbesiegbaren“ beschädigt, 1523 die Reformation in Preußen. Dem Auf und Ab folgte schließlich mit der Säkularisation 1805 die Auflösung in Deutschland, während der DO im Habsburgerreich weiterbestand, sich aber mit dessen Zerfall nach dem Ersten Weltkrieg auf Seelsorge und Soziales konzentrierte.

Vom Kloster über die Kaserne bis zum Kulturzentrum: Heilbronner Deutschhof

Die Gründung der Heilbronner Komturei lasse sich nicht genau datieren, da die meisten Quellen im Bauernkrieg 1525 tatsächlich den „Kirchbrunnenbach runter gingen“, so Trentin-Meyer. Für 1225 spreche eine Schenkung der Adelsfamilie Dürn. Eine Kommende mit zwei Brüdern lasse sich tatsächlich ab 1268 belegen, dem Jahr der Ersterwähnung der Turmkapelle im Münster. Der daraus erwachsene Deutschhof habe nach der Säkularisation zunächst als Kaserne gedient. Ende des 19. Jahrhunderts zogen Land- und Kreisgericht, das Kameralamt sowie ein Gefängnis in das Ensemble. Kirche und Pfarrhaus gingen an die Gemeinde St. Peter und Paul. Daneben finden sich im Deutschhof, der nach dem Zweiten Weltkrieg rekonstruiert wurde, heute das Haus der Stadtgeschichte mit Stadtarchiv, Städtische Museen, Volkshochschule und, nicht zu vergessen, die Sitt-Weinbar.

Zahlreiche Veranstaltungen im Jubiläumsjahr zum Deutschorden in Heilbronn

„800 Jahre Deutscher Orden in Heilbronn“ werden das ganze Jubiläums hindurch in zahlreichen Veranstaltungen gefeiert. Die Ausstellung in der VHS ist noch bis 7. März zu sehen. Zum Pontifikalamt mit der „Missa festiva“ von John Leavitt im Münster hat sich für Sonntag, 9. Februar, 11.15 Uhr, unter anderem DO-Hochmeister Frank Bayard angesagt. Nach dem Mittagessen im Gemeindehaus beginnt um 13.30 Uhr eine Podiumsdiskussion zum DO mit Bayard, Stadthistoriker Christhard Schrenk, Kirchenhistoriker Jörg Seiler, Miriam Eberlein vom Stadtarchiv und Dekan Roland Rossnagel.

Joachim Hennze hat mit dem Fotografen Bernhard J. Lattner einen Band über „800 Jahre Geschichte und Baukultur des Deutschen Ordens im Stadt- und Landkreis Heilbronn“ (80 Seiten, 29,90 Euro) veröffentlicht, der zum Jubiläumsjahr aktualisiert wurde. Alle Veranstaltungen finden sich in einer Broschüre und online auf der Homepage www.katholisch-hn.de




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