Still und leise zurückgerudert: Verwaltung ändert Finanzierungsvorschlag für Green Capital

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Ist es ein Deal oder ein Gewinn? Vor der öffentlichen Diskussion im Gemeinderat hat die Verwaltung die Vorlage geändert und Zugeständnisse an die Stadtteile gemacht.  

Zusätzlich sechs Millionen Euro sollte der Heilbronner Gemeinderat heute für das Projekt Green Capital genehmigen, jetzt hat die Verwaltung einen Sperrvermerk ergänzt.
Zusätzlich sechs Millionen Euro sollte der Heilbronner Gemeinderat heute für das Projekt Green Capital genehmigen, jetzt hat die Verwaltung einen Sperrvermerk ergänzt.  Foto: nicht angegeben

Mit großem Bahnhof und noch mehr grünem Ideen hatte die Verwaltung vergangene Woche ihre Pläne für das Jahr der Grünen Hauptstadt Europas präsentiert. Statt der erwarteten Begeisterung hatten einige Fraktionssprecher allerdings eher mit Zurückhaltung reagiert: Angesichts der allgemeinen Lage erschien manchem eine zusätzliche Ausgabe von sechs Millionen Euro für zum Teil temporäre Attraktionen doch recht luxuriös. Auch in der Stadt wurde anschließend die Frage laut, ob das Geld an anderer Stelle nicht besser angelegt wäre als auf dem Wollhausdach.

Die Verwaltung hat jetzt unauffällig ihre Beschlussvorlage ergänzt, offenbar um Kritikern vor der öffentlichen Diskussion Wind aus den Segeln zu nehmen. So stimmt der Gemeinderat am Donnerstagabend nur noch über ein Drittel der ursprünglichen Summe ab, der Rest soll von Sponsoren kommen. Gleichzeitig wurde still und leise eine weitere Aktion ins Green-Capital-Programm aufgenommen: Die Stadtteile sollen nicht wie ursprünglich geplant nur die gebrauchten Baumaterialen der Innenstadtattraktionen bekommen, sondern auch eine neue, jeweils rund zehn Quadratmeter große, grüne Aufenthaltsfläche samt Liegebank.

Ist das nun ein Gewinn oder eher ein Deal? Sicher ist, das Prestigeprojekt ist in der Realität angekommen, in der nicht Idealismus einzelner entscheidet, sondern das gewählte Gremium.  

Ostdeutsche Künstlerin stellt in der Kunsthalle aus

Es ist ein deutsch-deutsches Ereignis: Die Ost-Berlinerin Andrea Pichl wurde am Samstag mit dem Ernst-FRanz-Vogelmann-Preis ausgezeichnet, ihre Ausstellung „deutsch deutsch“ ist bis 6. September in der Kunsthalle Vogelmann zu sehen. Laudatio und Preis nahm Pichl sichtlich gerührt im Ratssaal entgegen.

Es ist die erste Soloschau einer ostdeutschen Künstlerin in den alten Bundesländern, 37 Jahre nach der Wende ein bemerkenswerter Fakt. Bemerkenswert ist die Schau allerdings vor allem wegen der politischen Dimension, die sich auf den ersten Blick kaum erschließt. In schlichten Gartenhäusern wird erschütternde deutsch-deutsche Wirtschaftsgeschichte erzählt, vielfach verschwiegen oder ignoriert. Es geht um Westmüll auf Ostdeponien, Billigproduktion durch Zwangsarbeit, Devisenbeschaffung und Verbrechen hinter harmloser Architektur.

Pichl ist fern jeglicher Ostalgie und unaufgeregt beeindruckend. Der Preis steht für die Anerkennung ihrer Arbeit, aber jetzt muss das Heilbronner Publikum sie auch verstehen wollen. Der Blick in die Laube lohnt sich.

Wahl in Löwenstein

Löwenstein kommt nicht zur Ruhe. Über Monate zog sich die Hängepartie, jetzt sollen mit der Wahl am Sonntag im Rathaus endlich wieder geordnete Verhältnisse einkehren. Und schon droht die nächste große Veränderung: Der SLK-Aufsichtsrat will die örtliche Fachklinik schließen. Eine Szenerie, die für beide Bewerber offenbar schwer vorstellbar ist, wohl wissend, dass sie als Bürgermeister keinen Einfluss auf die Entscheidung haben werden.

Das wurde beim Stimme-Forum am Montagabend deutlich, das Interesse der Bürger war groß. Für die Stadt ist es eine Frage der Identität, für SLK eine der Wirtschaftlichkeit. Die Bürgermeisterwahl ist da kurz zur Nebensache geworden, umso wichtiger ist aber die Beteiligung am Sonntag.

Andrea Pichl hat als erste ostdeutsche Künstlerin den mit 30.000 Euro dotierten Vogelmann-Preis in Heilbronn erhalten.
Andrea Pichl hat als erste ostdeutsche Künstlerin den mit 30.000 Euro dotierten Vogelmann-Preis in Heilbronn erhalten.  Foto: Tanja Ochs



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