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Virtual Reality zur Diabetes-Bekämpfung: Forscher tüfteln an Gesundheitsprojekt

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Mit einer VR-Brille und einem Avatar wollen Forscher ihre Patienten zu mehr Bewegung und einem gesunden Lebensstil animieren. Dazu finden in Heilbronn gerade Versuche mit Testpersonen statt. 

Alexandros Giannakidis vom Fraunhofer Institut steuert die Erfassung der Daten über den PC. Mit seinen Probanden trifft er sich am Innovation Hub in Heilbronn.
Alexandros Giannakidis vom Fraunhofer Institut steuert die Erfassung der Daten über den PC. Mit seinen Probanden trifft er sich am Innovation Hub in Heilbronn.  Foto: Heil, Theresa

Angenommen, man könnte in den eigenen Körper reinschauen und den Zustand seiner Organe betrachten – würde einem gefallen, was man sieht? Würde man künftig mehr auf eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung achten? Das ist zumindest die Hoffnung von Alexandros Giannakidis. 

„Das ist dein personalisiertes 3D-Modell, das wir als Avatar bezeichnen“, erklärt der Forschungsingenieur einer Studentin, die heute als Versuchsperson in den Innovation Hub in die Sülmerstraße in Heilbronn gekommen ist. Dort hat Giannakidis temporär sein Labor eingerichtet. Über zwei Bildschirme hat er die Messwerte der jungen Frau genau im Blick, von Herzfrequenz über Sauerstoffsättigung bis zur Temperatur.

Seit zwei Jahren entwickelt er eine VR-Brille, die mit einem Sensor verbunden ist, gesundheitliche Echtzeitdaten seines Trägers erfasst und daraus einen digitalen Zwilling erstellt. Auf diese Weise soll ein Patient optisch mitverfolgen können, wie sich Therapiemaßnahmen auf den eigenen Körper auswirken. 

Krankheiten mit Bewegung bekämpfen: Forscher testet VR-Brille in Heilbronn

Am Fraunhoferinstitut in Stuttgart beschäftigt sich Alexandros Giannakidis mit immersiver Technologie und dreidimensionalen Animationen – also digitale Inhalte, mit denen der Nutzer interagieren kann. Ein Beispiel dafür ist Virtual Reality (VR), mit der man in eine künstliche Realität eintauchen kann. 

„Jetzt möchte ich, dass du dein Herz herausnimmst“, sagt Giannakidis zu seiner Testperson. Die Probandin greift vor sich und nimmt den Herzmuskel aus der Brust des Avatars – natürlich nur scheinbar. Es handelt sich um eine Visualisierung ihres eigenen Organs, das synchron dazu schlägt. „Wow“, entfährt es der jungen Frau „Das ist gruselig.“

Die Technologie könnte künftig auch bei der Therapie von Volkskrankheiten wie Fettleber und Diabetes zum Einsatz kommen, hofft Giannakidis. Die Idee hinter dem VR-Projekt ist, dass die „Visualisierung zur Bewegung anregt und zum Gesundheitsverständnis beiträgt“, erklärt er. Die aktuelle Nutzerstudie soll dafür die wissenschaftlichen Beweise liefern.

So sieht der Avatar aus, den die Testpersonen über die VR-Brille angezeigt bekommen. Die Farben signalisieren die unterschiedlichen Temperaturen in den Körperteilen.
So sieht der Avatar aus, den die Testpersonen über die VR-Brille angezeigt bekommen. Die Farben signalisieren die unterschiedlichen Temperaturen in den Körperteilen.  Foto: Fraunhofer IAO

VR-Brille und digitale Laufplattform: Das steckt hinter der Idee

„Meinen eigenen Körper vor mir zu sehen, war komisch“, sagt die junge Frau, die im Anschluss einen Fragebogen ausfüllt. „Durch die Brille ist es sehr realistisch.“ Die 22-jährige Studentin, die anonym bleiben möchte, hat keine medizinischen Auffälligkeiten, ist aber begeisterte Joggerin. Für Sportler könne es motivierend sein, anhand des Avatars „einen physischen Fortschritt zu sehen“. 

Initiator der Idee ist der Marathonläufer und Sporttherapeut Jürgen Mennel aus Neckarsulm, der sich seit vielen Jahren mit der „Heilkraft der Bewegung“ befasst und eine digitale Gesundheitsplattform aufbaut. Noch steckt das Projekt in den Kinderschuhen. Aber eines Tages, hoffen Giannakidis und Mennel, könnte die Brille massentauglich werden.




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