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Kampfmittel auf Heilbronns Neckarpromenade? Altlasten als teure Angelegenheit

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Die Prüfung des Neckarareals in Heilbronn auf Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg treibt die Kosten in die Höhe. Im Gemeinderat entbrennt eine Diskussion über Chancen, Risiken und die Haushaltsbelastung.


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Das Neckarufer ist der Stadt Heilbronn inzwischen lieb und auch teuer. Das zeigte sich wieder im Gemeinderat, als es um das Projekt Neue Neckarpromenade ging, das die Stadt in den nächsten Jahren zwischen der Friedrich-Ebert-Brücke und Götzenturmbrücke aufwerten und für die Bürger zugänglich und nutzbar machen will.

Doch bis es soweit ist, fließt noch viel Wasser den Neckar hinunter oder besser gesagt, müssen noch zahlreiche rechtliche und bauliche Schritte beschlossen werden. So ging es im Gemeinderat nun um die Überprüfung des Geländes im Neckarbett und entlang der Oberen Neckarstraße auf mögliche Kampfmittel, die dort noch als Überreste aus dem Zweiten Weltkrieg lagern könnten.         

Neckarpromenade in Heilbronn: Kampfmittelprüfung im Neckarbett kostet 1,5 Millionen Euro

Für den Fall einer entsprechenden Räumung des Geländes, hat die Stadtverwaltung in ihrem Antrag Gesamtkosten von 1,5 Millionen Euro beantragt. „Das ist eine Herausforderung, weil wir eine besondere Technik per Schiff benötigen und keiner weiß, ob und wie viele Überreste im Gebiet liegen“, erklärt Baubürgermeister Andreas Ringle zu Beginn die hohen Kosten die im Antrag veranschlagt werden. Die Stadt geht von einer Fläche von 50 Metern Länge aus, die untersucht werden müsse. 

„Wir sehen keinen Sinn darin, diese teure Maßnahme durchzuführen, ehe wir über die Gesamtmaßnahme entschieden haben“, erwidert Susanne Schnepf. „Andererseits wissen wir dann auch, ob und was gefunden wird und was die Sanierung tatsächlich kostet“, skizziert die CDU-Stadträtin das Dilemma, das auch ihre Fraktion sehe. Bei den Kritikern der Vorgehensweise schwingt die Befürchtung mit, dass durch die Schritt für Schritt beschlossenen Maßnahmen so hohe Kosten auflaufen, dass das Gesamtprojekt letztendlich gar nicht mehr abgelehnt werden kann.           


Gemeinderat diskutiert Reihenfolge der Maßnahmen und Risiko steigender Gesamtkosten

„Das ist die einmalige Chance den Neckar näher an die Stadt heranzurücken und die Buga weiterzuentwickeln“, warb Harry Mergel dagegen vehement für das Projekt, das als eines der Lieblingsprojekte des Oberbürgermeisters gilt. „Ich sehe keinen Widerspruch zwischen dem OB und Frau Schnepf“, sieht auch Claus Schweitzer keine Eile. „Wir können doch zunächst auf das Gesamtkonzept warten“, schloss sich der AfD-Stadtrat den Bedenken an.

Die Fachleute gingen von wenigen Funden aus, die mit vertretbarem Aufwand gesucht werden könnten, warf Erhard Mayer in die Runde.  Woher der SPD-Stadtrat, der für seine Partei Zustimmung zum Verwaltungsantrag signalisierte, diese Informationen hatte, teilte er nicht mit. „Das ist die Chance, die Stadt zu verschönern“, warb auch Holger Kimmerle für die Zustimmung. Den Vorwurf, die Verwaltung wolle die Kosten für die Neckaröffnung scheibchenweise in die Höhe treiben, um die Gesamtmaßnahme zu sichern, wies der Grünen-Fraktionsvorsitzende zurück.                     

Über die Gesamtkosten der Ausgestaltung der Heilbronner Neckarpromenade gibt es derzeit keine aktuellen Zahlen. Bei der Vergabe des Planungsauftrags für das Projekt im März 2024, wurden die Kosten noch auf rund 7 Millionen Euro geschätzt. Heute rechnen Experten eher mit Gesamtkosten in doppelter Höhe. Die Stadt will für das Projekt am Fluss Fördermittel beim Land Baden-Württemberg in Höhe bis zu 30 Prozent beantragen. Die Kampfmittelbeseitigung wird allerdings nicht vom Land gefördert.

Mehrheit im Gemeinderat stimmt für Sondierung – Kritik von Pro Heilbronn bleibt

Für Herbert Burkhardt ist die Entscheidung „alternativlos“. „Die Sondierung schafft die Grundlage für weitere Maßnahmen“, betont der Fraktionschef der Freien Wähler Heilbronn. Ganz ähnlich sieht das Nico Weinmann: „Es ist sinnvoll, jetzt zu erfahren, wo geht die Reise hin. Deshalb brauchen wir die Sanierung“, so der FDP-Fraktionsvorsitzende.

Grundsätzlich gegen das Projekt ist Alfred Dagenbach: „Dort sollen Millionen investiert werden, als ob wir plötzlich einen Haufen Geld übrig hätten“, kritisiert der Pro-Stadtrat. Bei der Abstimmung wird der Verwaltungsantrag bei elf Gegenstimmen und einer Enthaltung dennoch angenommen. 




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