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Böckinger Gefangenenlager

Gedenktafel auf dem Kraichgauplatz war umstritten

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Auf dem Kraichgauplatz erinnert seit 1991 eine Tafel an das Gefangenenlager in Böckingen nach dem Zweiten Weltkrieg. Der eingezeichnete Lageplan weicht von Forschungsarbeit ab. Die in Messing gegossenen Buchstaben sind nur schwer zu lesen.

Die Gedenktafel für das Kriegsgefangenenlager auf dem Kraichgauplatz in Böckingen.
Foto: Wolfgang Müller
Die Gedenktafel für das Kriegsgefangenenlager auf dem Kraichgauplatz in Böckingen. Foto: Wolfgang Müller  Foto: Müller, Wolfgang

Gegen das Vergessen des von den Amerikanern 1945 angelegten Lagers für deutsche Kriegsgefangene in Böckingen hat sich Ilse Reil mehr als ihr halbes Leben lang stark gemacht. Die Augenzeugin behielt die Bilder bis an ihr Lebensende in Erinnerung. Im Dezember 1986 bat sie in einem Schreiben an den damaligen Oberbürgermeister der Stadt Heilbronn, ob das Lager „nicht wenigstens ein Hinweis, vielleicht auf der Trappenhöhe, wert“ wäre.

Manfred Weinmann sprach sich damals gegen eine Hinweistafel auf der Trappenhöhe aus. „Ich glaube, dass direkte Informationen das Geschehen lebendiger und besser deutlich machen, als es eine Hinweistafel vermag“, antwortete der damalige Oberbürgermeister im Januar 1987 und nahm damit Bezug auf Führungen, die Ilse Reil in Böckingen angeboten hatte.

Buchstaben sollten vor Diebstahl geschützt werden

1991 wurde schließlich doch eine Gedenktafel auf dem Kraichgauplatz in Böckingen aufgestellt. Immerhin hatten sich die Stadträte aus dem Ortsteil immer wieder dafür stark gemacht. Die Tafel war von Anfang an umstritten. Weil sie zu tief stehen würde und der ohnehin schwer zu entziffernde Text auf der Bronzetafel noch schlechter zu lesen wäre. Ursprünglich sollte die Schrift durch aufgesetzte Buchstaben Schwarz auf Weiß zu lesen sein. Am Ende wurden sie in Messing gegossen, um sicher vor Diebstahl zu sein.

Noch schwerer ins Gewicht fällt, dass der Plan auf der Tafel offenbar nicht den Tatsachen entspricht. Ilse Reil moniert das in einem Brief an den damaligen Bürgermeister Erwin Fuchs. „Ein Insasse und ich erhoben Einspruch und belegten sogar mit einem Foto, dass sich das Lager auch über das Gelände südlich der Großgartacher Straße erstreckte. Leider ohne Erfolg“, schrieb die Böckingerin.

Lager war viel größer als die Gedenktafel angibt

Grundlage für die Tafel war ein 1975 erstmals veröffentlichter Lageplan, der von dem Heilbronner Karl Geiger stammte, der offenbar Anfang Mai 1945 im Lager gelandet war. Der eingezeichnete Lageplan auf der Gedenktafel in Böckingen stimmt auch nicht mit dem Forschungsergebnis des Heidelberger Geschichtswissenschaftlers Christof Strauß überein. Während die Inschrift auf der Gedenktafel eine Ausdehnung von etwa 90 Hektar angibt, hat die Arbeit des Historikers eine Größe von rund 270 Hektar ergeben.

Der schwer zu lesende Text im unteren Viertel auf der Gedenktafel beginnt mit folgendem Satz: „Wenige Tage nach der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 begannen die Amerikaner Ackergelände auf den Böckinger Höhen (Trappenhöhe und Krähloch, heute Schanz-Nord) mit Stacheldraht zu umzäunen.“




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