Moderne Technik: Zwischen Nutzen und Angst
Kontrollverlust und keine Zeit, neue Erfindungen zu verstehen: Beides kann dazu führen, dass bei Menschen auch Angst und Ablehnung gegenüber moderner Technik entsteht. Norbert Höptner vom Ferdinand-Steinbeis-Institut erklärt, was dagegen helfen könnte und warum wir moderne Technik überhaupt brauchen.

Moderne Technologie ist in sämtlichen Lebensbereichen zu finden. „Es hängt alles mittlerweile irgendwie miteinander zusammen“, sagt Norbert Höptner vom Ferdinand-Steinbeis-Institut. Beispielsweise wäre die Medizintechnik ohne Digitalisierung nicht so weit gekommen. Bei Leberkrebs – eine Erkrankung mit schlechten Überlebenschancen – könne man KI-gesteuert die Karzinome genau orten und gezielt herausnehmen. „Da überleben jetzt Menschen, die früher null Chance hatten“, betont Höptner.
Und trotzdem gibt es Schwierigkeiten in der Gesellschaft, mit digitaler Transformation umzugehen. Norbert Höptner erklärt: „Für mich ist Gesellschaft alles.“ Dazu zählt er unteranderem Wirtschaft, Wissenschaft, die Zivilbevölkerung, Verbände, und und und. „Bei der digitalen Transformation ist nie nur ein Teil betroffen.“
Höptner veranschaulicht es an einem Beispiel. Bei einem Projekt mit der Heilbronner Versorgungs GmbH (HNVG) ermittelte das Ferdinand-Steinbeis-Institut ungewollten Wasserverlust. Dafür musste zunächst herausgefunden werden, was gezielt entnommen wurde. Um anschließend zu erfahren, wie viel Wasser etwa durch Lecks unbeabsichtigt verbraucht wird. An einem Straßenabschnitt wurde getestet. Am Anfang und Ende des Wasserrohrs kam ein Sensor. Um aber von den Mietern zu erfahren, wie viel Wasser sie verbrauchen, mussten auch in den Wohnungen Sensoren angebracht werden.
Angst vor moderner Technik kann etwa durch Vertrauen genommen werden
„Man muss mit den Leuten, die da wohnen, reden“, erzählt Norbert Höptner. Man müsse ihnen erklären, dass das Projekt auch einen Nutzen habe. Etwa geringere Kosten durch weniger ungewollten Wasserverlust. Die Schwierigkeit liege darin, dass die Mieter zwar ein Interesse am Nutzen haben, aber andererseits auch Probleme sehen. Etwa die Angst, dass durch die gesammelten Daten private Informationen über den Einzelnen erkannt werden. Beim Wasserverbrauch könnte das beispielsweise der Zeitpunkt eines Toilettengangs sein.
Um Vertrauen aufzubauen, ist es deshalb wichtig, „face to face, also von Angesicht zu Angesicht, mit den Menschen zu reden“, betont Höptner. Man müsse etwa hervorheben, dass es nicht um den Einzelnen gehe, sondern die gesamten Daten. „Das muss man uns glauben“, dass das Institut keine Daten missbraucht.
Das Projekt mit der HNVG ist kein Einzelfall: „Bei fast allen Projekten, die wir hier machen, müssen wir versuchen, die Menschen mitzunehmen.“ Oft sei es eine Waage zwischen der Angst vor Missbrauch und dem Nutzen. „Am Schluss hat der Mensch Angst vor dem Kontrollverlust in seinem Leben.“ Das hänge auch stark mit der hohen Geschwindigkeit an Erfindungen zusammen. „Die Innovationsgeschwindigkeit, die dem normalen, gebildeten Menschen keine Chance gibt, sich damit auseinanderzusetzen“, so Höptner.
Der Mensch hat keine Zeit, sich in kurzer Zeit mit neuen Erfindungen auseinanderzusetzen
Da die Menschen sich in kurzer Zeit nicht ausreichend Wissen zu einer neuen Erfindung aneignen können, komme es zur Vogel-Strauß-Politik. „Ich sehe nichts, ich höre nichts.“ Das sei alles andere als hilfreich für unsere Zukunft. „Digitalisierung bringt Nutzen für die Gesellschaft“, fährt Norbert Höptner fort. Die Gesellschaft brauche Technik, um in der Situation, in der wir uns wohlfühlen, weiterleben zu können.
Ein Lösungsansatz in Höptners Augen: „Wissen vermitteln.“ Spaß am Lernen, schon im jüngsten Alter, müsse gefördert werden. Es brauche Menschen, die Wissen gut vermitteln können. Auch Weiterbildung ist wichtig, betont Höptner. Es gibt ein Gesetz zur Schulpflicht aber keines für Weiterbildung. „Emotionen spielen auch eine große Rolle.“ Überwiege etwa der Spaßfaktor gegenüber den Ängsten, könne sich eine Erfindung durchsetzen. Es sei immer wieder die Waage, je nachdem wohin diese sich ausrichte, werde etwas geschehen oder nicht.
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